Tagesevangelium 15. Oktober Weh euch
Beno Kehl
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Tagesevangelium 15. Oktober Weh euch
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Beno Kehl
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für Status 3
Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch! Ihr errichtet Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden. Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan haben. Sie haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen Bauten. Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden und sie werden einige von ihnen töten und andere verfolgen, damit das Blut aller Propheten, das seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist, von dieser Generation gefordert wird, vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen Altar und Tempelhaus umgebracht wurde. Ja, das sage ich euch: An dieser Generation wird es gerächt werden. Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert. Als Jesus von dort weggegangen war, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig zu bedrängen; sie lauerten ihm auf, um ihn in seinen eigenen Worten zu fangen.
Jesus spricht diese scharfen Worte bei einer festlichen Tischgesellschaft. Mit dem Bogen vom „Blut Abels bis zum Blut des Zacharias“ fasst er das biblische „A bis Z“ zusammen: von Abel, dem ersten Mordopfer der Bibel, bis zum Priester Zacharias, der im letzten Buch der jüdischen Heiligen Schrift gesteinigt wurde – stellvertretend für alle, die für ihre Treue zu Gott mundtot gemacht wurden.
Sein aufrüttelndes „Weh euch!“ hält der religiösen Elite den Spiegel vor: Sie ehren tote Propheten mit Denkmälern, verschließen sich aber dem lebendigen Wort Gottes in Jesus. Die Gesetzeslehrer haben den Schlüssel der Erkenntnis zum Reich Gottes an sich gerissen und den Weg dorthin durch unzählige Vorschriften blockiert.
„Kirche“ bedeutet im Griechischen „Haus Gottes“. Doch Jesus macht deutlich: Ein wahres Haus Gottes besteht nicht aus starren Regelwerken. Es ist eine unbequeme Wahrheit: Je älter Institutionen – ob Judentum, Christentum, Vereine oder Firmen – werden, desto mehr Reglemente entstehen. Vor lauter Fixierung auf Dokumente, die von Gesetzestreuen peinlich genau eingehalten werden, übersieht man allzu leicht das Wesentliche: den lebendigen Urauftrag.
Sind wir nicht alle oft versucht, solche Gesetzeslehrer zu sein? Regeln geben uns ein Gefühl von scheinbarem Recht und Sicherheit, doch diese Erstarrung blockiert den Zugang zu Gott. Die Erkenntnis für das Himmelreich liegt nicht in Aktenordnern, sondern mitten im Alltag. Sie entfaltet sich, wenn wir falsche Sicherheiten loslassen und uns dem Heiligen Geist der Freiheit anvertrauen, der weht, wo er will.
Hier setzt Franz von Assisi einen heilsamen Gegenpol. Er baute keine steinernen Denkmäler, sondern baute das Haus Gottes durch sein einfaches Leben wieder auf. Er gab den Menschen den Schlüssel zu Gott zurück: durch gelebte Liebe, Naturverbundenheit und unkomplizierte Freude am Evangelium. Er lebte einen Glauben, der Türen für den Geist weit öffnet.
Sprachlich hat der Text tiefe Spuren hinterlassen: „Jemanden in seinen eigenen Worten zu fangen“ beschreibt bis heute das berechnende Auflauern in Debatten, bei dem es nur um den Fall des anderen geht. Das Bild der „toten Propheten“ ermahnt uns, Mahnern im Hier und Jetzt zuzuhören, statt sie erst posthum zu ehren.
Der große Trost ist: Gott schaut nicht darauf, wie fehlerfrei wir Paragrafen befolgen. Er sucht einzig unser aufrichtiges, offenes Herz, das versucht, den Urauftrag Gottes und unserer Gemeinschaften lebendig in diese Welt hineinzutragen.
Herr, unser Gott, du bist die Quelle der wahren Erkenntnis.
Bewahre uns davor, aus dem Glauben ein starres Regelwerk zu machen oder über Vorschriften deinen Auftrag zu vergessen. Lass deine Kirche ein echtes, lebendiges Haus Gottes sein, in dem Menschen Heimat finden.
Schenke uns die Einfachheit des heiligen Franziskus, damit wir mit unserem Leben Türen zu dir öffnen. Hilf uns, unsere scheinbare Sicherheit loszulassen und uns dem Heiligen Geist der Freiheit anzuvertrauen, der weht, wo er will.
Schenke uns ein offenes Herz, das mutig danach strebt, deinen göttlichen Urauftrag in diese Welt hineinzutragen. Lass uns Boten deines Friedens sein, die heilen statt zu urteilen, und großzügig verschenken statt festzuhalten.
So segne, stärke und behüte uns der gütige und menschenfreundliche Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.