Boll (Sauldorf) (D - BW) Die Glocken der Pfarrkirche St. Silvester
Glockenfampf
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In Boll bei Sauldorf erklingt mit den Glocken gis'-h'-dis'' eines der letzten Weißbronzegeläute Baden - Württembergs. Eine historische Glocke aus Frankenthal wird ergänzt durch zwei Glocken aus Neu - Ulm.
➥ Noch aus dem 19. Jahrhundert, genauer 1832, stammt die kleinste Glocke [3] des heutigen Geläutes. Sie wurde von der Gießerei Hamm in Frankenthal gegossen. Damals fand sie den Weg nach Boll als Teil eines neuen, mehrstimmigen Geläutes. Warum sich die namentlich genannte Führung der Gemeinde damals für die weit entfernte Gießerei entschied ist heute unbekannt.
Nach dem Krieg wurden durch einen Spender aus den USA zwei neue Glocken [1+2] gestiftet. Die ausführende Gießerei fertigte die beiden Instrumente in der sogenannten Weißbronze und der schweren Rippe.
Vermutlich liegt in der Glockeform der Umstand, dass es die #Glocken von Boll heute noch gibt. Aufgrund der schweren Rippe und dem Guss Ende 1949 zählen diese Instrumente sicherlich zu den besten Glocken in diesem Material.
Das Geläut kann bis zu einem gewissen Punkt überzeugen. Die kleine Glocke, welche im Klang verglichen mit den größeren Instrumenten merklich besser durchzieht, trägt das kleine Ensemble. In seiner Zusammenstellung wäre es sicherlich erhaltenswert, wobei der große Verschleiß der Weißbronze diese Bemühungen irgendwann beenden wird.
➥ Die heutige Pfarrkirche St. Silvester stammt bis auf den Glockenturm aus der Übergangszeit des Barock zum Klassizismus aus der Zeit zwischen 1781 und 1783. Die heutige Innenausstattung zeigt klassizistische und Neobarock Elemente.
➥ Ich möchte mich bei den Verantwortlichen der Kirchengemeinde St. Silvester in Boll für die Ermöglichung dieser Aufnahme ganz herzlich bedanken!
➥ #Weißbronze war eine Entwicklung der Gießerei Grüninger aus den 1930er Jahren. Es handelt sich hierbei um eine Kupfer-Aluminium-Eisen-Bronze mit einem Aluminiumgehalt von ca. 10%. Für Glocken erwies sich dieser Werkstoff trotz seiner hervorragenden Vergießbarkeit aus heutiger Sicht als nur wenig geeignet. Aufgrund hoher Materialdämpfung sind die Glocken im ersten Anschlagsmoment zwar klanglich gut, aber folgend sehr resonanzarm. Es wird zudem eine hohe Anschlagsintensität benötigt um die Glocken überhaupt ausreichend anzuregen. Dies ist besonders bei den größeren Glocken in dieser Legierung auffällig.
Zudem tritt aufgrund der sehr mäßigen mechanischen Eigenschaften (Dehngrenze unter 260MPa) über die Zeit erhebliches Materialfließen beim Läuten/Anschlagen auf, was sich in erheblicher Abnutzung der Anschlagsflächen von Klöppel und Hammer zeigt.
Aufgrund dieser Eigenschaften wurden Weißbronzeglocken bereits Mitte der 1950er Jahre durch Glocken in gewöhnlicher Glockenbronze ersetzt. Bei besonders misslungenen Geläuten bot sogar Grüninger selbst noch Ersatz an. Hierzu ist es allerdings nur noch vereinzelt gekommen.