Die Inflation, vor der Deutsche bis heute Angst haben
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Die Inflation, vor der Deutsche bis heute Angst haben
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Warum haben die Deutschen bis heute Angst vor steigenden Preisen, obwohl sie in einem reichen Land mit meistens niedriger Inflation leben? Die Antwort steckt in zwei Verlusten in einem einzigen Leben: 1923 und 1948.
Berlin, November 1923: Ein Kilo Brot kostet 201 Milliarden Mark. Der Nachtwächter erzählt, wie der Staat sein eigenes Geld kaputtdruckte, wer dabei gewann und wer alles verlor, und wie die Währungsreform von 1948 die Ersparnisse zum zweiten Mal trifft. Am Ende kannst du einem Freund erklären, warum Sparbuch und Bargeld bei uns bis heute so heilig sind.
Die Familie Becker ist erfunden, ihre Zahlen folgen den echten Preistabellen. Anekdoten (Kaffee, der beim Trinken teurer wird; General Clay und Ludwig Erhard) sind im Video als Überlieferung gekennzeichnet.
Kapitel:
0:00 Weltspartag und eine Schubkarre voller Geld
1:06 Heute: das deutsche Geld-Gefühl
1:43 1914: Geld, das nach Gold klingt
2:51 Kriegsanleihen: Leih dem Staat dein Geld
3:52 1919–1922: Die Presse läuft an
5:30 Januar 1923: die Ruhr
6:38 Die Druckerei der Nation
7:58 Leben in der Hyperinflation
9:32 Was das für Karl bedeutet
10:38 Wer hat gewonnen?
12:19 Die Wut
12:38 November 1923: das Wunder
14:42 Die zweite Pleite
15:27 Zigaretten statt Mark
16:16 Operation Bird Dog
17:37 Sonntag, 20. Juni 1948
18:52 Montag: die vollen Schaufenster
20:31 Die D-Mark wird heilig
22:05 Teuro und 2022
23:21 Warum ist das bei uns so?
25:23 Und jetzt du
26:23 Nächste Nacht
Quellen der tragenden Fakten:
Brotpreise Berlin 1918–1923 (Roggenbrot, 1 kg): Deutsches Historisches Museum, LeMO "Die Inflation 1923"
Dollarkurs 4,20 Mark (1914) bis 4,2 Billionen Mark (20.11.1923): Statistisches Reichsamt 1925; LeMO "Inflation"
Kriegsanleihen, Goldeinlösung am 4.8.1914 aufgehoben, Reichsbank-Druckereien (133 Firmen, 1.783 Maschinen): Verwaltungsbericht der Reichsbank 1923; Bundesbank Geldmuseum; Fergusson, When Money Dies (1975)
Preissteigerung im Oktober 1923: Hanke und Krus, World Hyperinflations (2012)
Rentenmark ab 15.11.1923, 1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark: Deutsche Bundesbank, "Die Rentenmark"
Währungsreform 20.6.1948 (40 DM Kopfgeld, Sparguthaben 100 RM = 6,5 DM): Deutsche Bundesbank, "Die Währungsreform 1948"; LeMO; "Operation Bird Dog": Bundesbank Geldmuseum
Bundesbank 1957, Bundesbankgesetz § 3: Bundesgesetzblatt 26.7.1957
Inflation Oktober 2022 (8,8 %): Statistisches Bundesamt (Destatis), Genesis 61111-0002; Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten (67 %): R+V-Studie "Die Ängste der Deutschen" 2022; Barzahlung (51 %): Bundesbank, Zahlungsverhaltensstudie 2023
Umstritten oder nicht belegt:
Wie viel die Reparationen zur Inflation beitrugen, ist unter Historikern umstritten (Sally Marks, Gerald Feldman). Der Film erzählt die Kette aus Kriegsschulden, Ruhrbesetzung und Notenpresse, ohne eine einzelne Ursache zu behaupten.
Das Zitat von Jacques Delors ("Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle an die Bundesbank") ist zugeschrieben, nicht sicher belegt.
Die Anekdoten über den Kaffeepreis, das Wiegen von Geldbündeln und General Clay sind Überlieferung.
Hinweis: Skript und Animation sind eigens für dieses Video erstellt. Banknoten sind bewusst schlicht dargestellt.
Der Nachtwächter erzählt Geschichte einfach, mit Karten und ein bisschen Humor.