10 Millionen Tote, damit Europa Fahrrad fahren konnte
Rohstoff
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10 Millionen Tote, damit Europa Fahrrad fahren konnte
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Rohstoff
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Zwischen 1885 und 1908 gehörte der Kongo einem Mann: König Leopold II. — ein Gebiet siebzigmal so groß wie Belgien, das er nie mit eigenen Augen sah. Der Kongo-Freistaat war kein Staat im klassischen Sinne, sondern das Privatunternehmen eines europäischen Monarchen.
Während in Antwerpen, Paris und London der Fahrradboom ausbrach und die junge Automobilindustrie ihre ersten Luftreifen brauchte, verwandelten sich die Regenwälder Zentralafrikas in eine gigantische Kautschukplantage unter Zwang. Ganze Dörfer wurden zu Monatsquoten gepresst. Wer nicht lieferte, verlor die Familie, das Dorf, das Leben. Und die Force Publique führte ein bürokratisches Kontrollsystem ein, das bis heute als Symbol des kolonialen Terrors gilt: für jede abgefeuerte Patrone eine abgetrennte rechte Hand.
Diese Dokumentation folgt der Spur eines banalen Alltagsobjekts – des Fahrradreifens – bis in eines der systematischsten Verbrechen der modernen Geschichte. Sie erzählt vom Aufstieg Leopolds II., von der Berliner Konferenz 1884/85, vom Bericht des irischen Diplomaten Roger Casement, von der weltweiten Kampagne Edmund Morels und der Fotografin Alice Seeley Harris – und davon, warum die Struktur, die im Kongo entworfen wurde, nie wirklich verschwunden ist. Am Ende führt die Spur nach Katanga, in die Kobaltminen des einundzwanzigsten Jahrhunderts, in denen der Rohstoff für unsere Smartphones und Elektroautos gefördert wird.
Ein Kapitel europäischer Geschichte, das lange verschwiegen wurde. Und eine Frage, die sich bis heute stellt.
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Rohstoff dokumentiert die verborgenen Geschichten der Materialien, die unsere Welt gebaut haben. Neue Folge jede Woche.
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QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR:
Adam Hochschild – King Leopold's Ghost: A Story of Greed, Terror, and Heroism in Colonial Africa (1998) / dt.: Schatten über dem Kongo
Roger Casement – The Casement Report (1904), britisches Foreign Office
Edmund D. Morel – Red Rubber: The Story of the Rubber Slave Trade Flourishing on the Congo (1906)
Arthur Conan Doyle – The Crime of the Congo (1909)
Mark Twain – King Leopold's Soliloquy (1905)
Jules Marchal – E. D. Morel contre Léopold II: L'Histoire du Congo 1900–1910 (1996)
David van Reybrouck – Kongo: Eine Geschichte (2010, dt. Suhrkamp 2012)
Susan Williams – Spies in the Congo: The Race for the Ore That Built the Atomic Bomb (2016)
Siddharth Kara – Cobalt Red: How the Blood of the Congo Powers Our Lives (2023)
Amnesty International / Afrewatch – "This is what we die for": Human rights abuses in the Democratic Republic of the Congo power the global trade in cobalt (2016)
UNICEF – Berichte zur Kinderarbeit in den Kobaltminen der Provinzen Lualaba und Haut-Katanga (2020–2024)
Alice Seeley Harris – Fotoarchiv, Anti-Slavery International, London
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Diese Dokumentation ordnet historische Ereignisse ein und beruht auf publizierter Forschungsliteratur. Zahlenangaben zu den Opfern des Kongo-Freistaats variieren je nach historischer Schätzung zwischen fünf und fünfzehn Millionen; die im Video verwendete Zahl folgt der Standardschätzung Adam Hochschilds.
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