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DIE GESCHICHTE DER KEHRRÄDER — WARUM GANZE BERGWERKE AN EINEM HÖLZERNEN RAD TIEF IM BERG HINGEN

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DIE GESCHICHTE DER KEHRRÄDER — WARUM GANZE BERGWERKE AN EINEM HÖLZERNEN RAD TIEF IM BERG HINGEN

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Unter einem Wald im Erzgebirge liegt eine Halle, die von außen niemand sieht. Kein Fenster, kein Tageslicht, nur Fels, der über Jahre mit Schlägel und Eisen weggeschlagen wurde, Handbreit für Handbreit. In dieser Halle steht ein hölzernes Rad, größer als die meisten Häuser, in denen seine Erbauer wohnten. Von oben fällt Wasser in seine Taschen. Irgendwo im Dunkeln steigt eine Tonne voller Erz nach oben. Dann kommt ein Signal aus der Tiefe, ein Mann legt beide Hände an eine hölzerne Stange und zieht — das Rad wird langsamer, steht einen Herzschlag lang völlig still und läuft rückwärts. Das ist ein Kehrrad. Ein oberschlächtiges Wasserrad mit zwei Schaufelkränzen statt einem, gegenläufig beschaufelt, auf derselben Welle. Wasser auf den einen Kranz heißt vorwärts, Wasser auf den anderen heißt rückwärts. Kein Motor, keine Kupplung, kein Getriebe — nur Holz, Wasser und die Hand eines Treibmeisters, der die Last nie zu sehen bekommt. Dieses Video erzählt die ganze Geschichte dieser Maschinen. Woher das Wasserrad kommt: griechische Ingenieure im 4. und 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, zuerst als Schöpfrad für die Bewässerung, später von Vitruv im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ausführlich beschrieben. Wie groß diese Technik in Europa wurde: um das Jahr 1200 etwa 300.000 Wasserräder mit im Mittel 2 PS, gegen 1800 rund 750.000 Räder mit im Mittel 3 PS und einer geschätzten Gesamtleistung von 1,5 bis 3 Millionen PS, dazu über 130 verschiedene technische Anwendungen der Mühlentechnik. Und dann der Bruch: Bergbau geht nach unten. Erz muss nach oben, Ausbauholz nach unten, und Wasser sammelt sich von allein genau dort, wo gearbeitet wird. Muskeln und Pferde stoßen an eine Grenze, die Tiefe aber wächst weiter. Im zweiten Berggeschrey des 15. und 16. Jahrhunderts liegt im Erzgebirge Silber — und damit das Geld, für das sich eine solche Maschine rechnet. Im Video: der Erbstollen von Frauenseiffen in Niederungarn, heute Slowakei, um 1495 eingerichtet von dem Krakauer Kaufmann und Ingenieur Johann Thurso. Der Fund von Bad Schlema, wo 2016 bei Sicherungsarbeiten in einer gewaltigen untertägigen Radstube die hölzerne Welle eines Kehrrades von rund 11,5 Metern Durchmesser entdeckt und von den Montanarchäologen des ArchaeoMontan-Projektes erforscht wurde, dendrochronologisch datiert auf etwa 1500. Die Rekordmaße der Gattung: bis zu 12 Meter Durchmesser, rund 2 Meter Breite, Arbeitstiefen bis 300 Meter. Ein dokumentiertes Lehrbeispiel aus Clausthal mit zwei Kränzen zu je 72 Taschen, einem Seilkorb und zwei Förderketten — eine Tonne steigt, während die andere sinkt. Der Unterschied zum Kunstrad, das nur einen Taschenkranz hat und deshalb seine Richtung nie ändern kann. Und schließlich das Ende: Trockenheit, Frost, faulendes Holz, eine ortsgebundene Maschine — und eine Dampfmaschine, die keinen Bach über dem Kopf braucht. Wo die Quellen sich widersprechen, und bei diesem Thema tun sie das mehr als einmal, sagt dieses Video das offen, statt still die glattere Version zu wählen. Wenn du Technik magst, die in absurdem Maßstab gebaut und danach bis zum letzten Stück im Boden gelassen wurde, abonniere den Kanal. Und schreib in die Kommentare, ob es dort, wo du wohnst, noch alte Bergbauspuren gibt — überraschend oft liegt so etwas näher, als man denkt.