Перейти к содержимому

Blauer Montag: Belastbare Lösungen im neuen Berufsalltag von Bauingenieur:innen

zhaw ARCHBAU

0:00 / 0:00

Blauer Montag: Belastbare Lösungen im neuen Berufsalltag von Bauingenieur:innen

78 просмотров · 5 мес. назад
zhaw ARCHBAU
231 подписчик
78 просмотров · 5 мес. назад
Wenn belastbare Lösungen die ökologischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen systematisch einbeziehen, betrifft dies den Berufsalltag unmittelbar. Ein wachsender Teil der Aufgaben liegt im Umgang mit dem Bestand: im Umbau, in der Weiterentwicklung und in der Transformation vorhandener Strukturen. Die Ausgangslagen sind häufig uneindeutig; vollständige Kenntnis über Materialität, Tragverhalten und Systemzusammenhänge ist nicht immer gegeben. Belastbarkeit entsteht hier im Prozess. Wie gehen Bauingenieur:innen in der Praxis mit solchen offenen und mehrdeutigen Situationen um? Wie lassen sich zwischen Materialwahl und Konstruktionsweise begründete Abwägungen treffen, wenn weder die Ausgangslage eindeutig noch die «richtige» Lösung von Beginn an klar ist? Wie entwickelt sich eine fachliche Intuition, die Iterationen zulässt und dennoch auf eine belastbare Lösung zielt? Wie wird mit Überraschungen umgegangen, die im Bestand häufiger auftreten als im Neubau? Worin liegt der spezifische ingenieurwissenschaftliche Ansatz im Umgang mit Unsicherheit und Abhängigkeiten? Wie entsteht Verlässlichkeit unter diesen Bedingungen – und warum ist sie ein zentrales Gut? Welche Gesetzmässigkeiten prägen die Zusammenarbeit im Bestand, wenn Planung, Ausführung und Bestandssituation in enger Wechselwirkung stehen? Und welche Rolle übernimmt die Bauingenieurin, der Bauingenieur dabei – als Sparringpartner im Sinne eines fachlichen Gegenübers, das Argumente prüft, schärft und weiterentwickelt? Key Take-Aways: Ein zentrales Thema war die Bedeutung von aktiv verfügbarem Wissen. Lösungen, die im Kopf verstanden und verinnerlicht sind, gelten als besonders belastbar. Projektwissen soll nicht nur digital abgelegt, sondern aktiv memorisiert werden. Dadurch können Entscheidungen im Projektteam schneller und sicherer getroffen werden insbesondere auf der Baustelle, wo oft keine Zeit bleibt, komplexe FE Modelle erneut zu analysieren. Ebenso wurde betont, dass die erstbeste Lösung selten die beste ist. Gute Lösungen entstehen durch Variantenstudien, den Vergleich unterschiedlicher Ansätze und das Abwägen zwischen idealen und realistisch umsetzbaren Lösungen. Voraussetzung dafür sind gute Grundlagenkenntnisse und die Fähigkeit, Varianten kritisch zu beurteilen. Mehrfach wurde hervorgehoben, dass einfache Lösungen oft die robustesten sind. Komplexität soll nur dort eingesetzt werden, wo sie wirklich notwendig ist. Geometrisch einfache Strukturen mit regelmässigen Achsen, Wiederholungen und parametrischen Konzepten erleichtern Qualitätssicherung, Wirtschaftlichkeit und Ausführung. Auch Schätzungen spielen eine wichtige Rolle. Gut geschätzte Lösungen helfen bei Kosten, Aufwands und Tragwerksabschätzungen und dienen als wichtiges Plausibilisierungswerkzeug. Entscheidend sei dabei nicht absolute Präzision, sondern das Verständnis für Grössenordnungen und Zusammenhänge. Neue Lösungen müssen ausserdem kritisch geprüft und mit bestehenden Erfahrungen verglichen werden. Belastbare Konzepte entstehen häufig aus bewährten Referenzen, Erfahrungen aus realisierten Projekten oder dem Austausch mit Spezialisten. Innovationen sollen möglich sein, müssen jedoch abgesichert und transparent kommuniziert werden. Bastian Leu sprach die Basics an: solides Grundlagenwissen und ein echtes Verständnis für Konstruktion und Tragverhalten. Moderne Software allein führt nicht automatisch zu besseren Projekten. Entscheidend ist die Person hinter dem Tool. Modelle und Berechnungen müssen verstanden werden und nicht nur angewendet werden. Anhand historischer Beispiele zeigte er, dass frühere Konstruktionen oft sehr intelligent und effizient entworfen wurden. Daraus entstand die Frage, ob heute trotz besserer Werkzeuge tatsächlich besser gebaut wird. Seine Antwort war klar Gute Lösungen entstehen nicht durch Technologie allein sondern durch Wissen, Erfahrung und konstruktives Verständnis. Die Bedeutung des Mindsets Neben den fachlichen Grundlagen wurde besonders das richtige Mindset hervorgehoben. Belastbare Lösungen entstehen nur im Team und durch interdisziplinäre Zusammenarbeit. Der Bauingenieur soll nicht erst in späten Projektphasen eingebunden werden sondern bereits im Städtebau und in frühen Wettbewerbsphasen mitdenken. Die grössten Hebel eines Projekts liegen laut Bastian Leu ganz am Anfang. Frühzeitige Entscheidungen zu Material, Konstruktion, Nutzung oder Tragstruktur beeinflussen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Qualität stärker als spätere Detailoptimierungen. Weitere wichtige Denkweisen, die angesprochen wurden: ökologisches und kreislauffähiges Denken kritisches Hinterfragen von Materialien und Ressourcen respektvoller Umgang mit dem Bestand möglichst kleine und gezielte Eingriffe Lernen aus bestehenden und historischen Lösungen ganzheitliches und vernetztes Denken Besonders im Umgang mit Bestandsbauten sei detektivisches Denken gefragt da oft nur wenige Pläne oder Informationen vorhanden sind.