Glocken der kath. Marienkirche in Davos-Platz
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Ein wenig oberhalb des Ortszentrums von Davos-Platz, einem mondänen Wintersportort im Bündnerland, erhebt sich über dem Landwassertal die Marienkirche, das größte kath. Gotteshaus der Landschaft Davos. Seit der Ergänzung zweier Bronzeglocken durch die Fa. Perner in Passau im Jahr 2021 beherbergt der charakteristische Turm der Marienkirche ein stattliches siebenstimmiges Geläut, welches zu den schwersten im Kanton Graubünden zählt. Ein Ensemble dieser Größe fand sich hier nicht immer: Zwar wurden bereits 1893 drei kleinere Glocken für das noch im Bau befindliche Gotteshaus gegossen und, nach der Chronik der Pfarrei, 1905 um zwei weitere Instrumente ergänzt - dieses Geläute musste jedoch im 1. Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben und eingeschmolzen werden. Ein zeitweilig eingerichtetes Provisorium ersetzte man 1930 durch fünf Glocken aus der Gießerei H. Rüetschi in Aarau. Dieses bemerkenswerte Ensemble (Disposition: d' f' g' b' d'') mit einem Gesamtgewicht von 4197kg konnte noch im Sommer 1930 in Dienst genommen werden und befindet sich bis heute in der obersten Turmetage; seine Armaturen stammen ebenfalls noch aus dieser Zeit. Ein Geläute von hoher Klangfülle - auch wenn aus Kostengründen auf eine größere Glocke vorerst verzichtet werden musste. Als sich 2020 im Rahmen diverser Untersuchungen am Kirchturm zeigte, dass vorhandene statische Probleme durch den Einzug von Stahlträgern behoben werden müssten, ergriff Dekan Kurt Susak die Gelegenheit, dem Geläut endlich seine große Glocke zu schenken. Für das ambitionierte Vorhaben fanden sich schnell zwei Spender, die bereit waren, zusätzlich zur Großen eine kleinere (Nr. 6) Glocke finanzieren zu wollen - sofern sie in der Gießerei Perner im bayerischen Passau gegossen würden. Nach diversen Arbeiten im Turm und der Errichtung eines neuen Holzglockenstuhles in der Etage unterhalb der eigentlichen Glockenstube konnten bereits am Bettag, dem 19. September 2021 die beiden neuen Glocken feierlich geweiht werden - ein Jahrhundertereignis - nicht nur, weil Perner-Glocken in der Schweiz rar gesät sind, sondern auch als Akzent der Kirche in einer modernen Welt. So ist die kleinere Glocke (Nr. 6) insbesondere unter den Schutz des Hl. Johannes, dem Patron des Landwassertals, gestellt, während die große zugleich an den Schweizer Landespatron Nikolaus von der Flüe als auch Christus unseren Frieden erinnern soll. Ihr Klang ist nicht nur zu Sonn- und Feiertagen, sondern auch während der Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos mit der Bitte um Frieden auf Erden zu hören. Auch wenn es an einer ausgewogenen Intonation des Geläutes noch etwas hapert (Klöppelanschlagspunkt), sind die b° von Perner, aber auch die d' von Rüetschi doch recht prächtige Instrumente - vor allem aber profitiert die Klanggebung des feierlichen Gesamtgeläutes von der extrem schweren Rippenkonstruktion der neuen Perner-Glocken.
Gl. 1 | Christus unser Friede & Bruder Klaus | b° | 4870 kg | 1890 mm | Rudolf Perner, Passau (2021)
Gl. 2 | Dreifaltigkeit & Christkönig | d' | 1805 kg | 1460 mm | H. Rüetschi AG, Aarau (1930)
Gl. 3 | Marien | f' | 1013 kg | 1200 mm | H. Rüetschi AG, Aarau (1930)
Gl. 4 | Joseph & Toten | g' | 737 kg | 1080 mm | H. Rüetschi AG, Aarau (1930)
Gl. 5 | St. Florian & St. Luzius | b' | 426 kg | 890 mm | H. Rüetschi AG, Aarau (1930)
Gl. 6 | Johannes d. Täufer | c'' | 415 kg | 870 mm | Rudolf Perner, Passau (2021)
Gl. 7 | Schutzengel & Mariä Verkündigung | d'' | 216 kg | 720 mm | H. Rüetschi AG, Aarau (1930)
die Glocken von 1930 in der oberen, die beiden neuen in der unteren Glockenstube.
Davos, die gegenwärtig höchstgelegene Stadt Europas, wird bereits 1160 erstmals erwähnt - ein Kirchenbau folgt nur unwesentlich später. Seit der Reformation wurde mehr als 300 Jahre kein Messe gefeiert, bis sich Davos in den 1860er Jahren zum Weltkurort entwickelte und durch den Zuzug vieler Katholiken wieder eine eigenen Gemeinde entstand - man errichtete die Kapelle Maria zum Schnee (1877-79). Bald war diese jedoch zu klein für die wachsende Gemeinde geworden, sodass ab 1892 unter Architekt August Hardegger mit dem Bau der großen Marienkirche in Platz begonnen wurde. Bereits 1894 konnte das Gotteshaus geweiht werden - der Turm erhielt seine Bekrönung jedoch erst 1898. Während das Kircheninnere ursprünglich mit bemalter Decke und Fresken verziert war, präsentiert es sich spätestens seit seinen Renovierungen in den Jahren 1961 und 1978 in schlichterem Stil, vermag damit aber durchaus, den Fokus auf das Wesentliche zu lenken.
Ablauf der Vorstellung:
00:00 Eindrücke der Kirche, Geläute "von außen"
02:30 Einzelglocken
21:00 Vollgeläute
Herzlichen Dank an Dekan Susak und Fr. Schärli sowie Manuel und Marcel für die Ermöglichung der Aufnahme!
Quellen:
1* Batz, Hans: Die Kirchen und Kapellen des Kantons Graubünden, 2003. S. 34.; 2* Aushänge zu den neuen Glocken; 3* https://bit.ly/davospnp; 4* https://bit.ly/davosmaria, beide Stand 01.08.22.
Text, Ton & Bild: Ben Schröder, "Glockenzeit". #Glocken