Dr. Kastrup: Warum er nicht sagt, was ihm im Kölner Dom passiert ist
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Mit 17 legte Bernardo Kastrup den christlichen Mythos als Fiktion ab, Jahre später stand er im Kölner Dom vor dem Kreuz. Was dort geschah, hat den Mythos für ihn bestätigt und zugleich in Stücke gerissen - und er erklärt, warum er es nicht beschreiben kann.
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Folge 4 unserer Reihe zu Bernardo Kastrups Buch "More Than Allegory" (2016), Kapitel 4: "Myth and no-myth". Kastrup ist Philosoph und Informatiker, hat am CERN gearbeitet und ist einer der bekanntesten lebenden Vertreter des Idealismus.
Wenn kein religiöser Mythos wörtlich wahr ist - warum dann nicht alle wegwerfen? Genau das tun seit Jahrhunderten Zen, Advaita Vedanta und die christlichen Mystiker der Via negativa um Meister Eckhart. Kastrup nimmt sie ernst und zeigt: Ihr eigentliches Ziel sind nicht die großen Geschichten, sondern die kleinen Wahnmythen im Kopf. Allen voran der, getrennt zu sein - den er selbst als Kind über Monate gelernt hat, mit kaltem Schauer.
Advaita und Christentum sehen aus wie Gegensätze. Aber beide tun dasselbe mit einem Menschen: Sie degradieren das Ego vom König zum Diener. Der eine Weg durch Ent-Identifikation, der andere durch Hingabe.
Dann dreht Kastrup die Kritik um. Die Falle des Nicht-Mythos ist leiser: die Welt als bedeutungslose Illusion abzutun. Selbst wenn sie Illusion ist - warum sieht sie genau so aus? Und warum soll der Verstand nicht antworten, sondern fragen? (Mit zwei Gegenchecks aus der Schlafforschung und der Kreativitätsforschung.)
Am Ende steht Kastrup selbst im Kölner Dom. Ein einzelner, subjektiver Bericht - kein Beweis, und er behauptet auch keinen. Aber ein genaues Bild davon, wie ein Mythos sich auflöst, wenn er sein Ziel erreicht: wie Wolken, die ihren Regen hergeben.
KAPITEL
00:00 Dr. Kastrup: Mit 17 das Christentum abgelegt, im Kölner Dom eingeholt
03:32 Zen, Advaita, Eckhart: Wege ohne Mythos
09:57 Wie ein Kind lernt, getrennt zu sein
17:10 Ego entthront: Advaita und Christentum
30:40 Wenn alles Illusion ist, warum diese?
46:10 Der Verstand soll fragen, nicht antworten
57:30 Kölner Dom: bestätigt und zerrissen
1:06:20 Der Finger, der Mond und der Rückweg
QUELLEN
Bernardo Kastrup, "More Than Allegory: On religious myth, truth and belief", Iff Books 2016, Kapitel 4. Alle Zitate sind eigene Übersetzungen aus dem englischen Original.
Zitiert bei Kastrup: Alan Watts, Ramana Maharshi (Gespräch von 1936), Sri Nisargadatta Maharaj, Clarissa Pinkola Estés.
Gegencheck Traum: Maquet et al. (1996), Nature 383, 163-166. https://doi.org/10.1038/383163a0
Gegencheck Inkubation: Sio & Ormerod (2009), Psychological Bulletin 135(1), 94-120. https://doi.org/10.1037/a0014212
Abbildung des Dreikönigenschreins: aus dem Buch (Abb. 5).
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