Kinderkuren in der Forschung: Zugänge, Quellen & Perspektiven
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
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Kinderkuren in der Forschung: Zugänge, Quellen & Perspektiven
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Zwischen 1945 und 1990 wurden in der Bundesrepublik schätzungsweise bis zu 13 Millionen Kinder und Jugendliche zu Kinderkuren verschickt - oft wochen- oder monatelang, fern von ihren Familien. Was als gesundheitliche Vorsorge und Erholungsmaßnahme gedacht war, ist für viele Betroffene bis heute mit Erfahrungen von Heimweh, strengen Regimen, Medikamentengabe und Gewalt verbunden.
In dieser Folge von „Regionalgeschichte auf die Ohren“ (RadiO) sprechen Dr. Jens Gründler, wissenschaftlicher Referent für Wirtschafts- und Sozialgeschichte am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, und Katharina Tiemann , Referatsleiterin des Archiv LWL mit Host Dr. Greta Civis über die Geschichte der Kinderkuren aus geschichts- und archivwissenschaftlicher Perspektive: Welche Quellen sind überliefert? Wo können Betroffene und Forschende nach Unterlagen suchen? Welche rechtlichen und praktischen Schwierigkeiten bestehen beim Zugang zu den Beständen?
Im Gespräch geht es zudem um den bisherigen Forschungsstand zur Geschichte der Kinderkuren, die Entwicklung des Kinderkurwesens seit dem 19. Jahrhundert, den Zusammenhang von Gesundheitsfürsorge, Körper und „Leistungsfähigkeit“, autiritäre Erziehung, Zwang und Gewalt in den Kurheimen.
Dabei wird deutlich: Die historische Forschung zu Kinderkuren steht noch am Anfang. Viele Quellen sind nicht überliefert oder nur zufällig erhalten. Einzelaktendokumentieren häufig weniger die individuellen Erfahrungen der Kinder als vielmehr Verwaltungsabläufe und den vermeintlichen „Erfolg“ einer Kur. Umso wichtiger ist die Verbindung von Archivarbeit, Zeitzeug:innenberichten und historischer Forschung.
🎧 Jetzt anhören – überall, wo es Podcasts gibt.
Weiterführende Literatur:Jens Gründler/Katharina Tiemann (Hg.): Kinderkuren in Deutschland 1945 bis 1990. Perspektiven aus archivarischer und historischer Sicht. Forschungen zur Regionalgeschichte, Band 93
Der Sammelband ist außerdem im Open Access kostenlos als PDF verfügbar. Der Link findet sich in den Folgeninfos sowie auf der Website des LWL-Instituts unter „Publikationen“. Die Veröffentlichung wurde durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
„Regionalgeschichte auf die Ohren“ (RadiO) ist der Podcast des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte. In der Reihe stellen Historiker:innen ihre aktuellen Forschungsprojekte und Publikationen vor – von der NS-Geschichte über die Nachkriegszeit bis zur digitalen Transformation.