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ACHTELTON #08 - Irene Kurka und Martin Wistinghausen - lets fettz 3 - UA (Michael Maria Ziffels)

Michael Maria Ziffels

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ACHTELTON #08 - Irene Kurka und Martin Wistinghausen - lets fettz 3 - UA (Michael Maria Ziffels)

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Textanalyse: Verfettung, Dekadenz und digitale Fragmentierung Ulrike Draesners Gedicht «DOGGERLAND VIII — POST DROWN — MOMENTS OF GLORY — LET’S FETTZ 3» aus dem Langgedicht Doggerland spielt auf vielfältige Weise mit Sprache, Bedeutung und Kontext. Es evoziert eine düstere, fast dystopische Welt, in der moderne Technologien, Konsumverhalten und soziale Beziehungen miteinander verschmelzen und gleichzeitig fragmentiert werden. Schon der Titel «let’s fettz» verweist auf eine ironische Betrachtung der Gegenwart – eine Zeit, die von Überfluss und digitaler Entfremdung geprägt ist. Der Titel: «let’s fettz» als Spiegel einer verfetteten Gesellschaft Die bewusste Veränderung von «fetz» zu «fettz» kann als Kritik an der modernen Gesellschaft gelesen werden, die von Konsum, Bequemlichkeit und Trägheit bestimmt wird. Ursprünglich steht das Wort «fetzen» für Dynamik, Energie und Lebendigkeit – etwa im Sinne von „lasst uns loslegen“ oder „lasst uns abgehen“. Doch durch die Umformung zu «fettz» wird diese Energie in etwas Schweres, Überladenes verwandelt. Fett symbolisiert hier die Überfülle und das Übermaß, das in Trägheit und Stillstand mündet. Dies kann sowohl körperlich als auch im übertragenen Sinne als Kritik an der Überkonsumgesellschaft verstanden werden, die sich im Wohlstand suhlt, aber dadurch an Lebendigkeit einbüßt. Die Ironie liegt in der vermeintlichen Aufforderung «let’s fettz»: Es ist nicht mehr das energiegeladene „Abgehen“, sondern ein resignierter Aufruf, sich in der verfetteten und überladenen Konsumkultur niederzulassen. Der Zusatz 3 verstärkt den Anklang an digitale Kultur und könnte als Verweis auf ein zunehmend automatisiertes und oberflächliches Leben verstanden werden, in dem Menschen durch ihre technologischen Geräte und digitalen Profile leben, statt wirklich präsent zu sein. Körper und Konsum: Torso und Content Mit der Zeile «latsch ich – torso rosso (sonne so gesund)» wird das Thema der körperlichen Fragmentierung und der flüchtigen Materialität des Menschen weitergeführt. Der Sprecher bewegt sich («latsch ich») von einem Ort zum anderen, doch der Körper ist nur noch ein Torso – eine physische Hülle ohne Lebendigkeit. Der Zusatz «rosso» (rot) verstärkt die Idee der körperlichen Zurschaustellung in der Sonne, wobei die Ironie darin liegt, dass die „gesunde“ Sonne und der rot glänzende, eigentlich sonnenverbrannte Körper nur oberflächliche Zeichen von Vitalität sind. In Wahrheit ist der Körper genauso leer und fragmentiert wie die Umwelt. Der Übergang von «container» zu «content» in «von container zu content» bringt zum Ausdruck, dass physisches Anhäufen durch ebenso unreflektierten digitalen Konsum ersetzt wird. Statt materieller Dinge werden endlose Datenströme konsumiert, die von Algorithmen bereitgestellt werden. Der Mensch bleibt ein passiver Konsument, während die Tiefe und der tatsächliche Wert der Inhalte verloren gehen. Oberflächen und Glamour: Kosmetik der Leere Besonders eindrücklich ist die Passage «cosy-posy hammer-glamour», die die Überflutung durch Oberflächlichkeiten beschreibt. Hier wird der Fokus auf den Konsum von Luxus, Mode und Äußerlichkeiten gelegt. Die Begriffe «cosy-posy» (gemütlich und dekorativ) und «hammer-glamour» (übertriebener Glamour) sprechen für eine Gesellschaft, die von Komfort und Glamour besessen ist, aber keinerlei Tiefe oder Substanz bietet. Der Zusatz «diva dolphin» und «glattes poly-mich-amor» verstärkt dieses Bild: Die Diva und der Delfin symbolisieren eine glatte, polierte Oberfläche – repräsentativ für die Selfie-Kultur und die mediale Zurschaustellung von Schönheit und Luxus. «poly-mich-amor» ist ein Zerrbild von „Polyamorie“ (viele Liebesbeziehungen), die hier in einer modernen, verkümmerten Form erscheint: Narzissmus und Egozentrik geben lediglich Raum für flüchtige, oberflächliche Verbindungen, die keine Tiefe oder Beständigkeit haben. Die Gesellschaft der Oberfläche In dieser Analyse wird sichtbar, wie Draesner auf die übersättigte und oberflächliche Gesellschaft unserer Zeit abzielt. Sie skizziert ein Bild einer Welt, in der Konsum, Technologie und übermäßige Oberflächlichkeit das Menschsein zersetzen. Die Gesellschaft bewegt sich von einer dynamischen, kreativen Vitalität hin zu einer statischen, verfetteten und materialistischen Lebensweise, in der selbst zwischenmenschliche Beziehungen und die Natur nur noch als Content oder Bildinformationen existieren. Draesners Sprache ist dabei ebenso fragmentiert wie die Gesellschaft, die sie beschreibt. Durch Neologismen, unzusammenhängende Bilder und bewusste Brüche in der Syntax spiegelt der Text die Überforderung und Zersetzung wider, die mit einer Welt des Überflusses und der digitalen Fragmentierung einhergehen. Michael Maria Ziffels, Hitzacker im August 2024