GERTY NUSS Deutscher Suchtkongress 2026: Hemmschwellen & Bruchstellen in der Suchtbehandlung
CAROLIN
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GERTY NUSS Deutscher Suchtkongress 2026: Hemmschwellen & Bruchstellen in der Suchtbehandlung
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Mitschnitt des Symposiums zu "Integrative Suchtbehandlung im Wandel: Realitäten, Hemmschwellen und Bruchstellen aus professioneller Peer-Perspektive."
Das Symposium wurde von einem unabhängigen Kollektiv aus Profis und Peers konzipiert, um verschiedene Expertisen und gemeinsame Beobachtungen mit Ihnen zu teilen.
Sie sehen hier einen Auszug als Vortrag von Carolin Schürmann (Gründerin GERTY NUSS) und Wiebke Lorenz (Bestseller-Autorin). Beide Frauen sind als erwachsene Töchter, Profis und Mütter in weiteren Rollen Expertinnen für Abhängigkeitserkrankungen und damit verbundenen Begleiterkrankungen und Folgestörungen.
Hier unsere Kernaussagen im Überblick:
BRUCHSTELLEN:
Bruchstelle 1
Kultivierung funktionaler Alkoholabhängigkeit: Alkohol als Kulturgut & Symbol erfolgreicher Arbeits-und Familienleben
Wir glorifizieren unser Privatleben mit legendären Katergeschichten und feiern uns für Arbeitsabhängigkeit und kultiviertem Drogenkonsum.
Bruchstelle 2
Stigmatisierung Alkoholerkrankung: Alkoholerkrankung als Symbol für Verantwortungslosigkeit und persönliches Versagen. Wir feiern uns dafür, uns von den Gescheiterten knallhart abgrenzen und kompetent viel trinken zu können.
Bruchstelle 3
Ignoranz der symptomatischen Komplexität: Politik, Versorgungssysteme und Hausregeln als Symbol der Entwürdigung. Alkoholerkrankte Menschen müssen, um heilen zu können oft ihre komplette Würde, Existenz, Persönlichkeit und Autonomie mehrmals im Leben aufgeben, um in unseren Systemen überhaupt eine Chance zu erhalten. Das ist hart und schafft nicht jede:r.
Bruchstelle 4
Misstrauenskultur und fehlende Verantwortung: Scham- und Schuldgefühle als Symbol der strukturellen Erkrankungslast. Einmal als alkoholabhängig oder süchtig offenbart, werden Kommunikation und Karrierewege im sozialen Umfeld mit mehr Scham- und Schuldgefühlen belegt.
HEMMSCHWELLEN aus Sicht von Betroffenen:
Schuldgefühle: "Trotz meines Wissens um Sucht als Krankheit fühle ich bei Abweichungen Schuld und Schwäche. Offene Gespräche entlasten, Schweigen fördert negative Gefühle und weitere Abweichungen."
Scham: "Ich schäme mich, wenn mein Verhalten nicht dem Bild von Stärke und Funktionalität entspricht, das ich von mir erwarte."
Stigmatisierung: "Stigma ist wie eine unsichtbare Zweiterkrankung: Unsicherheiten, Ablehnung und mögliche Abwertungen nagen am Selbstwert, auch wenn ich sie verstehe."
Mangelnde Selbstwertgefühle: "Erzeugt unterschwellige Unsicherheit, bringt mich in Überforderung und blockiert Grenzen, weil ich gelernt habe, mich im Leisten und anerkannt werden, erst ausreichend zu fühlen."
Abhängigkeit: "Auch suchtfrei bleibe ich sozial und emotional abhängig. Unklare Rollen und unklare Deutungshoheit im Hilfesystem können stigmatisierend und hemmend wirken oder Hilfe verzögern."
Nähe: "Beziehungen sind oft heikel, wirken wie Lebenselixier und Gift: Nähe riskiert Enttäuschung, Distanz verhindert Vertrauen und Heilung."
Ambivalentes Verlangen: "Bei Belastung schwanke ich zwischen Veränderungswunsch und Verlangen. Routinierte Entlastung reduziert Stress, überraschende Belastungen erhöhen Erschöpfung und Fehlentscheidungsrisiko."
EMPOWERMENT DURCH PEER-ARBEIT:
Identifikation als Modellfunktion: Peers machen sichtbar, wie divers Entwicklung, Bewältigung und Recovery möglich ist.
Partizipation und Supervision als strukturgebende Funktion: Peers können Prozesse und Strukturen im Hilfesystem weiterentwickeln, fachliche Supervision und berufliche Unterstützung fördern.
Offene Recovery als Qualitätssicherung: Offene Peer-Assistance bringt Recovery-orientierte Perspektiven in professionelle Abläufe ein und trägt dadurch zur Verbesserung der Unterstützungsqualität bei.
Vulnerabilität als Vorbildfunktion: Peerarbeit zeigt, dass ein offener und verantwortungsvoller Umgang mit Verletzlichkeit Stärke und Entwicklung ermöglichen kann.
Literatur zu unserer Arbeit:
Fachbuch "Empathie und Empowerment bei Alkoholabhängigkeit"
https://link.springer.com/book/10.1007/978...
Roman "Voll im falschen Film"
https://pendragon.de/wiebke-lorenz/voll-im...
Weitere Informationen über uns:
gertynuss.de
peer-assistance-program.com
wiebke-lorenz.de
accelerator-collective.com
Coming soon: "Sucht und Vorurteil" ab 17.12.2026 (GU)