Lemgo (D-LIP/LE), evang. ref. Kirche St.Johann & Stumpfer Turm, Einzel- & Vollgeläut
Osnabrücker Glocken
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Lemgo (D-LIP/LE), evang. ref. Kirche St.Johann & Stumpfer Turm, Einzel- & Vollgeläut
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Osnabrücker Glocken
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Einer der zwei evangelisch-reformierten Innenstadtkirchen in Lemgo ist die Kirche St.Johann. Der dazugehörige sogenannte „Stumpfe Turm“ befindet sich etwa 200 m Luftlinie entfernt.
Videoablauf:
0:00 - Vorstellung der Kirche von außen (mit Stundenschlag)
1:38 - Besteigung in den Dachreiter (mit Dachstuhl & Uhrenanlage)
2:25 - Uhrschlagglocke
2:56 - Stumpfer Turm
3:55 - Turmbesteigung
5:01 - Glocke 2
8:47 - Glocke 1
12:34 - Vollgeläut
13:42 - Vorstellung der Kirche von innen
16:12 - Vollgeläut
18:16 - Technik bzw. Armaturen der Glocken & Aussichtsfotos
19:04 - Vollgeläut
→ Kirche:
Die Geschichte der St.Johann-Gemeinde in Lemgo reicht bis um 780, in die Zeit Karls des Großen, zurück. Die ursprüngliche Johanniskirche lag vor den Stadtmauern und diente als Taufkirche. Erhalten blieb ihr freistehender Glockenturm.
Nach der Zerstörung der alten Kirche erhielt die Gemeinde 1638 das Gotteshaus des 1463 gegründeten Franziskanerklosters, das bereits 1560 infolge der Reformation aufgegeben worden war. Die Gemeinde nutzte fortan die ehemalige Klosterkirche, während der alte Turm an seinem Standort verblieb. Kirche und Stumpfer Turm liegen daher bis heute räumlich getrennt.
1799 wurde die Klosterkirche umfassend erneuert und erhielt ihr heutiges Erscheinungsbild mit Walmdach, Dachreiter samt Zwiebelspitze und Uhrengiebel. Auffällig ist, dass sich die Fenster nur an einer Längsseite befinden.
→ Stumpfer Turm:
Seinen Namen verdankt der Stumpfe Turm seinem heutigen Aussehen: Da der ursprüngliche Turmhelm fehlt, schließt ihn lediglich ein schlichtes Walmdach ab.
Vermutlich stand hier bereits um 780 ein Holzbau, der später durch einen steinernen Turm ersetzt wurde. Zur Stadtgründung im 12. oder 13. Jahrhundert entstanden an dieser Stelle größere Kirchenbauten. Sie dienten als Taufkirche St. Johannis „extra muros“ (außerhalb der Stadtmauern), in der ursprünglich der Bischof selbst die Taufen vornahm. 1638 wurde die Kirche abgerissen, der Turm blieb jedoch erhalten.
Mit seinen schmalen Schlitzen und wenigen Schallöffnungen erinnert der freistehende Turm an einen Wehrturm. Er steht auf einem alten Friedhof, dessen wuchtige Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert an die einstigen Bauerngeschlechter der Umgebung erinnern.
→ Glocken:
Die Glockengeschichte reicht bis 1398 zurück. Am 28. Mai wurde die älteste Glocke vermutlich von Hans Grawick gegossen. Sie gilt als älteste Glocke des Lipperlandes. Der Überlieferung nach raubten kroatische Soldaten sie, doch Gemeindemitglieder holten sie zurück.
1638 wurde eine größere Glocke für den Kanonenguss eingeschmolzen. Eine weitere musste 1779 wegen eines Risses von Henrich Fricke aus Gütersloh umgegossen werden. Sie hatte den Ton d' und wurde 1917 für Kriegszwecke abgegeben.
Als Ersatz kaufte die Gemeinde eine Bronzeglocke aus St.Marien in Lemgo. Die 1835 von Jacob Greve und Heinrich Humpert in Brilon gegossene Glocke wurde 1926 im Stumpfen Turm aufgehängt. Sie hatte den Ton cis' und wurde 1942 ebenfalls abgegeben.
Danach blieb nur die Glocke von 1398. Am 17. September 1962 kam eine Stahlglocke des Bochumer Vereins hinzu, die an den Frieden zwischen Menschen und Völkern erinnern soll. 1971 wurden Aufhängung und Klöppel der Bronzeglocke erneuert. Da das Stahljoch ihr schadete, erhielt sie 1988 ihr Holzjoch zurück.
Die heutige Uhrschlagglocke im Dachreiter wurde 1917 vom Bochumer Verein gegossen. Ihre Vorgängerin war im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden.
Glocke 1
Ton: d'
Gießer: Bochumer Verein, Bochum
Gussjahr: 1962
Durchmesser: 1512mm
Gewicht: ca. 1.250kg
Rippe: Versuchsrippe 7 (V7)
Glocke 2
Ton: f'
Gießer: Vermutlich von Hans Grawick, Lemgo
Gussjahr: 1398
Durchmesser: 1269mm
Gewicht: ca. 1.500kg
Uhrschlagglocke
Ton: g"
Gießer: Bochumer Verein, Bochum
Gussjahr: 1917
Durchmesser: 550mm
Gewicht: ca. 90kg
Rippe: Unterseptim
→ Glockenläuteanlage & Turmuhr:
• zwei VOCO-Omega Läutemaschinen, ausgestattet mit der mechanischen Steuerung von der Firma HEW/Herford (Herforder Elektromotoren-Werke)
• eine mechanische Turmuhr (außer Betrieb) von Uhrmacher Meyer aus Lügde-Wörderfeld, Baujahr 1811. Ersetzt durch ein Motorzeigertreibwerk von der Firma HEW/Herford (Herforder-Elektromotoren-Werke).
• die nicht mehr aktiven Steuerschalter ,,Modell U" (Beispiel 18.22) von der Firma HEW/Herford (Herforder-Elektromotorenwerke) sind noch vorhanden.
Mein herzlicher Dank gilt Dirk für die Einladung, die Führungen und seine Geduld sowie Fabian für die Unterstützung und den schönen Tag in Lemgo!
Fotos & Videos: Dirk S. (Taufbecken- bzw. Taufschale), Fabian Golec (Dachreiter/Außen & Innen, Gesamtfotos der Glocken/Glockenstuhl), Osnabrücker Glocken
Informationen: Chronik der KG, Claus Peter, Wikipedia, Fabian Golec, Osnabrücker Glocken
→ Kirchengemeinde:
https://www.st-johann.org/
https://lippische-landeskirche.de/324...
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Joh...)
Anschrift Kirche: Mittelstraße 133, 32657 Lemgo
Stumpfer Turm: Ecke Herforder Straße/Steinweg, 32657 Lemgo