Onkel Ho
Ingmar Burghardt
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Onkel Ho
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Nun, Onkel Ho, mach' deine Reise,
nach Süden jetzt, der ist nun frei,
südostasiatisch blüht dies Frühjahr,
südostasiatisch blüht der Mai.
Nun, Onkel Ho, da sind die Straßen,
um jeden Meter brannte Streit.
Und manchmal schienen alle Wege
bis nach Saigon noch viel zu weit.
Nun, Onkel Ho, es sind die Flüsse
wieder befahrbar bis hin zum Meer.
Und nach den Leiden kommen die Genüsse
und fallen erstmal wie die Leiden schwer.
Nun, Onkel Ho, da sind die Leute,
die können endlich lieben mehr als hassen.
Sie seh'n sich an und reichen sich die Hände
und können es selber noch nicht fassen.
Sieh, Onkel Ho, da sind die Frauen,
im weißen Kleid, schön, ungeschminkt.
Sie winken dir, und es will scheinen,
daß man uns herüberwinkt.
Nun, Onkel Ho, mach' deine Reise,
nach Süden jetzt, der ist nun frei,
südostasiatisch blüht dies' Frühjahr,
südostasiatisch blüht der Mai.
Worte & Weise: Bernd Rump
1.,2.,5.,6. Strophe:
C / G7 /
C / G7 / C /
C / G7 /
C / G / a /
3. und 4. Strophe:
a / E / a / d / a /
a / d / a / d / a /
a / E / a / d / a /
a / d / a / d / a /
Zum Verständnis des Liedes solle man diesen Text voranstellen:
Aus dem Testament Ho Chi Minhs Vom 10. Mai 1969: "Wenn dieser Tag gekommen ist, möchte ich eine Reise durch den Norden und den Süden machen, um unseren Landsleuten zu gratulieren, unseren heldenhaften Offizieren und Soldaten. Um unsere alten, unsere jungen Menschen, unsere vielgeliebten Kinder aufzusuchen."
Ich hatte die Zeile: "Sie winken dir, und es will scheinen / daß man uns herüberwinkt." immer mit "zu uns herüberwinkt" gelesen und gehört, aber im FDJ-Liederbuch steht es ohne das "zu", und dieses macht tatsächlich auch keinen Sinn. Es ist aber auch so oder so eine für einen Liedtext etwas poetisch verunglückte Zeile. Nun singe ich es halt hier falsch mit "zu".
Bernd Rump, geboren 1947 in Dresden, ist Theatermacher und autor, Lyriker und Liedermacher. Er wuchs in Klingenthal und Bad Blankenburg auf. Im Jahr 1965 machte er Abitur in Rudolstadt und trat in die SED ein. Nach einem Praktikum im Kraftwerk Hirschfelde 1965 begann er ein Studium der Energetik an der TU Dresden bis 1970 und arbeitete anschließend als Ingenieur im Kraftwerksanlagenbau. Er verfaßte 1963 erste von der damaligen Lyrikwelle beeinflußte Gedichte. Ab 1967 arbeitete er in verschiedenen Musikgruppen als Lied und Lyrikautor, Sänger und Instrumentalist mit. So war er seit 1967 Mitglied der Gruppe Pasaremos in Dresden und gründete 1970 die Songgruppe der TU Dresden. Im Jahr 1972 stieg Rump aus dem Beruf aus, betrieb Kulturarbeit in Dresden und absolvierte ein Studium am Literaturinstitut Leipzig für Lyrik und Lieder. Darauf folgten eine Teilnahme an Poetenseminaren der FDJ und der Eintritt in den Schriftstellerverband der DDR. Im Jahr 1975 gründete er die Gruppe Schicht, die 1976 mit der Gründung der Politischen Bühne am Kulturpalast Dresden einen professionellen Status erhielt (später Schicht-Theater). Als Schicht-Programme ab 1984 auf höchster Ebene Anstoß erregten, ermöglichte der Dresdner SED-Bezirksekretär Hans Modrow die Fortsetzung der Arbeit in Dresden. In der 89er-Wendezeit erfolgte die Auflösung des Schicht-Theaters. Am 10. Dezember 1989 wurde er nach Auflösung des Politbüros und des Zentralkomitees der SED unverhofft als ehrenamtlicher Kulturpolitiker in den Parteivorstand der SED/PDS gewählt und initiierte das Kulturforum der PDS. Ab 1994 im Landesvorstand Sachsen der PDS, formulierte er das Landesprogramm und leitete bis 1999 den Wahlkampf. Ab 2000 beriet er die Landtagsfraktion der PDS bzw. die Linken im Sächsischen Landtag. Im Jahr 2004 begründete er die WASG mit, bevor er sich 2009 völlig aus der Politik zurückzog.