Muttersprache (New Wave Edit) | HeimatWave
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„Muttersprache, Mutterlaut! Wie so wonnesam, so traut!“
Max von Schenkendorf schrieb „Muttersprache“ im Jahr 1814. In fünf Strophen beschreibt er die besondere Nähe eines Menschen zu seiner eigenen Sprache. Sie ist für ihn mit den ersten Worten des Lebens, mit Heimat, Erinnerung und persönlicher Herkunft verbunden.
Besonders in der Fremde wird diese Verbindung spürbar. Andere Sprachen können erlernt und gesprochen werden, doch die Sprache der Kindheit bleibt für das lyrische Ich etwas Eigenes und Vertrautes.
Max von Schenkendorf wurde 1783 in Tilsit geboren und gehört zu den Dichtern der Zeit der Befreiungskriege. Heimat, Freiheit, Geschichte und nationale Zugehörigkeit waren wiederkehrende Themen seiner Lyrik. Er starb bereits 1817 in Koblenz.
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LYRIK:
Muttersprache, Mutterlaut!
Wie so wonnesam, so traut!
Erstes Wort, das mir erschallet,
Süßes, erstes Liebeswort,
Erster Ton, den ich gelallet,
Klingest ewig in mir fort.
Ach, wie trüb ist meinem Sinn,
Wenn ich in der Fremde bin,
Wann ich fremde Zungen üben,
Fremde Worte brauchen muß,
Die ich nimmermehr kann lieben,
Die nicht klingen als ein Gruß!
Sprache, schön und wunderbar,
Ach, wie klingest du so klar!
Will noch tiefer mich vertiefen
In den Reichtum, in die Pracht,
Ist mir's doch, als ob mich riefen
Väter aus des Grabes Nacht.
Klinge, klinge fort und fort,
Heldensprache, Liebeswort,
Steig' empor aus tiefen Grüften,
Längst verschollnes altes Lied!
Leb' auf's neu in heil'gen Schriften,
Daß dir jedes Herz erglüht.
Überall weht Gottes Hauch,
Heilig ist wohl mancher Brauch.
Aber soll ich beten, danken,
Geb' ich meine Liebe kund,
Meine seligsten Gedanken,
Sprech' ich wie der Mutter Mund!
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