Warum gute Gesundheitsinformation allein noch keine guten Entscheidungen macht und Vertrauen zur ...
QUICKDRAW Podcast Productions
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Warum gute Gesundheitsinformation allein noch keine guten Entscheidungen macht und Vertrauen zur ...
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In dieser Folge von IGEPHA im Gespräch spricht Christina Nageler mit Petra Lehner, Konsumentenschützerin und ehemals acht Jahre lang im Gesundheitsministerium tätig, über die Frage, wer eigentlich über Gesundheit entscheidet und was Menschen brauchen, um diese Entscheidungen auch gut treffen zu können.
Lehner macht deutlich, dass Gesundheit größtenteils außerhalb des klassischen Gesundheitssystems entsteht, nämlich im Bildungs-, Sozial- und Wirtschaftssystem. Für gute Entscheidungen brauche es mehr als reine Information. Sie muss verständlich sein, aber es braucht auch die Möglichkeit, sich gesund zu entscheiden, etwa wenn der gesunde Apfel im Schulbuffet tatsächlich verfügbar und leistbar ist. Verhaltens- und Verhältnisprävention müssten deshalb gleichwertig behandelt werden.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der sogenannte Knowledge Action Gap, also die Lücke zwischen Wissen und Handeln. Fast alle Menschen wüssten, dass Obst und Gemüse gesund ist, kaufen es aber trotzdem seltener als andere Produkte. Information allein reiche daher nicht aus. Entscheidend sei, Menschen aktiv einzubinden, nach dem Prinzip "Tell me is okay, involve me is better".
Beim Thema Nahrungsergänzungsmittel weist Lehner auf teils deutliche Überdosierungen hin, etwa bei Vitamin D, wo ihr Fragen zu Präparaten mit der dreifachen Tagesdosis begegnen. Auch beim Thema Kreatin verweist sie auf Einschätzungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie von Medizin transparent, wonach die Evidenz für eine Supplementierung im Breitensport nicht ausreichend sei. Kritisch sieht sie zudem den Vertrieb über Multi-Level-Marketing, wo Direktberaterinnen und Direktberater oft ohne fundierte ernährungswissenschaftliche Ausbildung auftreten.
Vertrauen bezeichnet Lehner als die wichtigste Währung im Gesundheitswesen, sowohl gegenüber dem System als auch gegenüber Produkten und Dienstleistungen. Umso wichtiger sei es, gegen digitalen Betrug, unlautere Geschäftspraktiken im Internet und irreführende Kommunikation vorzugehen. Ihr Wunsch für die Zukunft ist eine leicht zugängliche, deutschsprachige oder europäische Anlaufstelle für geprüfte Gesundheitsinformationen, ein One-Stop-Shop, an dem sich sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch Gesundheitsberufe verlässlich orientieren können. Sie verweist dabei auf bereits bestehende Strukturen wie den Gesundheitsfonds und eine seit rund zehn Jahren bestehende Plattform für Gesundheitskompetenz, die man ihrer Meinung nach besser nutzen und stärker kombinieren könnte. Anhand ihrer eigenen Erfahrung nach einem Handbruch schildert sie zudem, wie fragmentiert der Weg durch das Gesundheitssystem für Patientinnen und Patienten heute noch ist.
Keypoints:
• Gute Gesundheitsentscheidungen brauchen mehr als Information: Verständliche Inhalte und die reale Möglichkeit, sich gesund zu verhalten, müssen zusammenkommen.
• Der Knowledge Action Gap ist eine zentrale Hürde: Wissen allein führt noch nicht zu gesundem Handeln, Menschen müssen aktiv eingebunden werden.
• Nahrungsergänzungsmittel werden teils deutlich überdosiert, etwa bei Vitamin D, während für Produkte wie Kreatin laut aktueller Studienlage kaum ausreichende Evidenz besteht.
• Vertrauen ist die wichtigste Währung im Gesundheitswesen, weshalb Lehner eine verlässliche, leicht zugängliche Anlaufstelle für geprüfte Gesundheitsinformationen fordert.
Weitere Informationen:
Links:
• / petralehner
• https://wien.arbeiterkammer.at/index....
Mehr Information zur IGEPHA finden Sie auf unserer Website:
• www.igepha.at ( / mirjana-mayerhofer-1b13387 )