Перейти к содержимому

Folge 79 - Yakoov Barzilai - Gedichte zur Shoah

LyrikSchule

0:00 / 0:00

Folge 79 - Yakoov Barzilai - Gedichte zur Shoah

84 просмотра · 7 месяцев назад
LyrikSchule
490 подписчиков
84 просмотра · 7 месяцев назад
In dieser Folge zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus geht es um Texte des jüdischen Dichters Yakoov Barzilai. Teufelswerk „Mir ist es langweilig im Himmel”, sagte Gott. Im Jahre 1943 Und gab den Engeln ein Zeichen. Und die ließen hinunter Jakobs Leiter. Und Gott stieg hinab, auf die Erdkugel, die er schuf. Verkleidet als Jude Mit Schläfenlocken und Bart ging er zwischen den Leuten Auf dem Umschlagplatz von Warschau Er trug einen gelben Stern, um sich kenntlich zu machen Als er eingepfercht wurde in den Viehwaggon Versuchte er zu entkommen „Ich bin Gott!”, schrie er Seitdem ist er spurlos verschwunden ... Feuer auf dem Platz Und damals in diesem verfluchten Jahrhundert sagte er in der Nacht — Es werde Tag Und zündete den Platz an Und alle Augen richteten sich auf die Bilder Und alle Ohren lauschten den Stimmen Und da — es wuchs ein Berg auf dem Platz Ein Berg von Büchern Erhabener als die Gipfel des Himalayas Hundert Millionen Worte zusammengekauert Zwischen den Blättern Bestehend aus Buchstaben dünnen und dicken Runden und eckigen Und das Feuer erfasste die Buchstaben Und sie weinten und stöhnten Aber ihr Flehen blieb vergeblich Und auf dem Platz wie in der Steinzeit Eine Horde Menschen tanzend um das Feuer Ganz langsam brannten die Gedichte Zeile für Zeile Und alle Wörter erstickten im Rauch Sechs Tage brannten die Worte Am siebten Tag erlosch das Feuer Und als das letzte Buch gestorben war Breitete sich Dunkelheit über den ganzen Platz aus. Wandertruppe Als der letzte Vorhang fiel Nach der großen Vorstellung In Theresienstadt Wurden die Schauspieler fortgeschickt In ein anderes Theater Nach Auschwitz Dort führten sie das Stück „Der Duft von Senf“ auf In der tausendsten Vorstellung Alle wichtigen Persönlichkeiten Füllten die Manege Gott saß in der ersten Reihe In der Mitte Und klatschte in die Hände Voller Begeisterung Danach — Ein Vorhang aus Rauch. Der mutige Soldat Als der deutsche Soldat Den Säugling schmiss hoch hinauf wollte Gott ihn auffangen — in der Luft und verfehlte ihn um Millimeter. Der Säugling fing an hinabzufallen, aber auf wundersame Weise schlug er nicht auf dem Boden aut. Auf dem Weg nach unten wartete ein mutiger Soldat und fing ihn mit aufgepflanztem Bajonett auf. Mein Vater wird das Brot nicht mehr segnen Nicht in diesem Jahrhundert Und nicht in dem Nächsten Und nicht in dem 25. Jahrhundert Und nicht in dem 30. Jahrhundert Und vielleicht nie wird man entdecken Eine Getreideart, die besser ist Als das deutsche Getreide, das hervorragend ist. Es wird kein Wissenschaftler geboren werden Und kein Genie gefunden werden Und es wird nicht emporsteigen ein Begabter Und kein Landwirt wird heranwachsen Der Jeder für sich Und alle zusammen Einen organischen Dünger erfinden werden Der besser ist Als mein Vater. Ergiebiger Als mein Großvater Und frischer Als mein Onkel Sie düngen seitdem und bis heute Den deutschen Weizen in seiner fruchtbaren Erde Es wird nicht segnen Mein Vater Das Brot Es wird nicht zu hören sein Meines Großvaters Essenssegen Und auch mein Onkel Wird nicht auf seinem Bauch kriechen Um zu danken für eine Schale Rote Beete Die du eintauschtest Gegen eine Bleikugel Herr Gott im Himmel König der Schalen Die mein Onkel Nicht verdient hat Gott der Liebe, der meinen Großvater nicht liebte Gott des Verzeihens Der meinem Vater nicht verziehen hat Gott der Welt, Wen hast Du erschaffen nach deinem Ebenbild? Nur die Nachkommen Der Bösen Oder hast du auch mich erschaffen? Sünde und Sühne In einer Nacht der Sünden Das Jaulen der Sirenen brachte die Stacheldrahtzäune zum Erzittern. Strahlenbündel kreuzten sich und finden einen Jungen entschlüpfend im Schutze der Dunkelheit das Hundegebell der Vierbeiner und der Zweibeiner durchbrach das Nachtleben der Eulen Um Mitternacht wurde der Junge gefasst mit einer Zangenbewegung der deutschen Armee es wurde vollzogen die Umzingelung eines 9-jährigen Kindes, bewaffnet mit Rüben. Ein Sonderkommando stürmte auf ihn zu Das Kind hat sich ergeben, es hat sogar gestanden Dass es das Rübenlager des Dritten Reiches ausgeplündert hatte Sein Bauch begehrte Futterrüben. Noch in derselben Nacht wurde das Kind gehängt Seine Augen funkelten voller Verachtung für den Henker Und zwischen seinen Zähnen steckte eine Rübe Wie eine erloschene Pfeife Als der Wind sein Wehen beschleunigte Fielen Schneeflocken von oben herab Die seine Sünden weiß werden ließen.