Robert Seethaler: »Ich gebe der Trostlosigkeit nicht so viel Kraft«
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Wie findet man Hoffnung in einer Welt, die oft trostlos erscheint? Wie entstehen aus den »Gefühlserinnerungen an einen einzigen Augenblick« ganze Geschichten? Und was lässt sich entdecken, wenn man einfach mal stehen bleibt und sich umschaut?
Im Video spricht Robert Seethaler mit ZEIT-Feuilletonchefin Laura Hertreiter über seinen neuen Roman »Die Straße«: Für Seethaler ist die Straße zugleich Ort der Begegnung und des Rückzugs. Genau dieses »merkwürdige Gemisch von Kontakt und Kontaktlosigkeit« interessiere ihn: »Wer weiß, was hinter der nächsten Ecke wartet, was für eine Möglichkeit da lauert. Manchmal öffnet sich eine kleine Tür und dahinter ein ganzes Reich. Du weißt nicht, was hinter den Gardinen oder hinter den Stirnen der Menschen so abgeht.«
Seethaler erzählt im Video, warum er sich als »Augenblicksschriftsteller« versteht und wie er sich seine besondere Beobachtungsgabe erklärt – trotz oder gerade wegen seiner Sehschwäche. Nicht die Wirklichkeit in ihrer vermeintlichen Klarheit interessiere ihn, sondern die flüchtigen Momente, aus denen sich seine Geschichten formen. Im Verschwommenen erkenne er manchmal mehr als in der Klarheit: »Weil ich ja nicht hinschaue, sondern weil ich mir die Welt eigentlich daher fantasiere.«
»Die Welt ist nicht per se schlecht. Den Trost kannst du überall finden, oder die Hoffnung, du brauchst den Menschen nur anblicken, und da liegt viel.« Als Fachmann für Trost versteht er sich dennoch nicht. Seine Antworten auf die großen Fragen des Lebens seien vielmehr seine Bücher: Geschichten über Menschen, die Trost suchen, ihn finden – oder auch nicht. Klar ist für ihn aber: »Ich gebe der Trostlosigkeit keine Kraft.«
Das Schreiben war für ihn »eine Art Heimkehr«, »fast sogar wie eine Rettung«, sagt er. Der Bestseller- und Drehbuchautor verrät uns seinen »einzig wirklich brauchbaren« Schreibtipp: »Wenn du schreiben möchtest. Setzt dich hin und schreib. Von selbst schreibt sich gar nichts.« Und er erklärt, wie sich die eigene Beobachtungsgabe schulen lässt: »Leg‘s Handy weg. Setz dich auf die Bank und gucke. Das ist alles. Schau einfach.« Außerdem erzählt er im Video, warum er keine Schreibroutinen hat, wie er über KI in der Literaturproduktion denkt und von seinem Traum, eines Tages einen wortlosen Roman zu schreiben.
Jetzt das Video mit Robert Seethaler anschauen.