Immer am Wald lang .. von Gräfenroda nach Gotha
Jochen Pursche's Rock'n'Rail Channel
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Immer am Wald lang .. von Gräfenroda nach Gotha
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Es gibt Strecken, bei denen hört das "Gezerre" einfach nicht auf.. Vor allem, wenn im Hintergrund Busunternehmen agieren, die Einfluß auf die Lokalpolitik haben. Aber das erscheint natürlich in keiner Publikation..
Die Strecke Gotha - Gräfenroda hat unbestritten Potential - touristisch, im Schülerverkehr, auch im Güterverkehr. Nicht zu vergessen der Wandel im Denken der (vor allem jüngeren) Menschen hin zur Bahn, den wir gerade wahrnehmen. Aber die Politik steckt den Kopf in den Sand, weil .. siehe oben. Würde heute eine erneute Untersuchung stattfinden, käme mit Sicherheit etwas Anderes heraus als bei der Letzten! Aber die will offensichtlich gar keiner haben.
So dümpelt eine erst aufwendig erneuerte Strecke ohne Verkehr vor sich hin, Investitionen - durchaus nicht 'für die Katz', aber ungenutzt! Politisch tolerierte Verschwendung!
Dabei konnte ein Teil der Strecke, der Abschnitt Gotha - Ohrdruf, zumindest im Mai dieses Jahres sein 150-jähriges Bestehen mit Sonderzügen der IG Hirzbergbahn begehen. Sie wurde am 08.05.1876 eingeweiht. Die Fortsetzung bis Gräfenroda ließ noch ein paar Jahre auf sich warten, am 01.11.1892 war dann die komplette Strecke befahrbar. Ob zum 150-jährigen Bestehen der Gesamtstrecke der Planverkehr zurückgekehrt sein wird..?
Deutlich geprägt wurde der Verkehr auf der Strecke durch Ohrdruf als Militärstandort seit 1906. Dies wirkte sich sowohl auf den Reise- als auch auf den Güterverkehr förderlich aus. Die Stadt Ohrdruf generierte, auch durch Behörden und diverse Betriebe, durchaus Berufsverkehr, zusätzlich zu dem auf Gotha Ausgerichteten.
1892 wurde der Bahnhof Georgenthal(Thür) mit Eröffnung der Strecke nach Tambach-Dietharz zum Eisenbahnknoten. Vier Jahre später, 1896, kam mit der Strecke Georgenthal - Friedrichroda - Fröttstädt eine Weitere hinzu, und der Bahnhof erfuhr deutliche Erweiterungen auf seine über Jahrzehnte bekannte Form. Dies beflügelte das Verkehrsaufkommen weiter, vor allem der aufstrebende Erholungsort Tambach-Dietharz trug dazu bei. Der Autor erinnert sich noch an eine Fahrt dorthin in den 1960er Jahren mit P 8 und aus 7 Zwei- und Dreiachser-Rekowagen gebildeten Personenzügen!
Leider gingen diese Zweigstrecken frühzeitig ein. Die Strecke nach Friedrichroda wurde 1947 Opfer der Reparationsleistungen an die Sowjetunion, und nach Tambach-Dietharz wurde der Reiseverkehr 1969 im Zuge einer ersten Stillegungswelle der DR eingestellt. Der Güterverkehr bestand weiter - und nahm wie überall in der DDR erst richtig 'Fahrt' auf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Sowjetarmee den Truppenstandort Ohrdruf mit dem Truppenübungsplatz. Die Be- und Entladung der Militärzüge fand meist in Crawinkel statt, nur bei sehr hoher Belastung auch in Ohrdruf. Crawinkel hatte darüber hinaus schon in der NS-Zeit militärische Bedeutung durch die dort entstandene Muna, deren Rückbau noch lange nach dem Krieg für Fracht sorgte.
Mit Ausnahme von Gräfenroda Ort und Petriroda waren alle Stationen besetzte Bahnhöfe mit Ein- und Ausfahrsignalen. Als einziger Bahnhof der Strecke wurde Crawinkel 1981 (andere Quellen sagen 1979) mit einem EZMG-Stellwerk sowjetischer Bauart ausgerüstet, während die mechanische Stellwerkstechnik auf allen anderen noch in Betrieb befindlichen Bahnhöfen überlebte.
Im Fahrplan 1987/88 war die Strecke von 8 durchgehenden Zugpaaren frequentiert. Noch 4 Zugpaare erreichten Crawinkel und noch einmal weitere 4 erreichten Ohrdruf von Gotha aus. Dabei fuhren die Kurzstreckenzüge nicht alle paarig, sondern wurden teilweise mit rückkehrenden durchgehenden Zügen vereint, bzw aus diesen zur Solo-Rückfahrt getrennt.
In den 1980ern war bereits der gesamte Reiseverkehr in der Hand der LVT's (Ferkeltaxen), während noch bis in die 1970er lokbespannte Züge vorherrschten.
Das Bild nach der Wende 1989 glich nahezu einheitlich dem im ganzen Osten. Der Verkehr schrumpfte zusehends, die harte Zeit der Eisenbahn begann. Dabei hatte die Strecke noch etwas 'Glück im Unglück', denn der Abzug der Sowjetarmee sorgte noch mehrere Jahre für ziemlich viel Verkehr. Und ein weiterer Glücksfall war die 1993 begonnene Errichtung des Tanklagers Emleben, dessen Vollendung sich bis 2010 hinzog und das bis heute zuverlässig der Strecke Verkehr zuführt. Wenn auch nur bis Emleben..
1998 wurde der Abschnitt Crawinkel - Gräfenroda wegen Oberbaumängeln gesperrt und SEV eingerichtet. Doch die DB begann 2000 mit der Sanierung der Strecke unter Millionenaufwand, und 2002 konnten wieder durchgehende Züge fahren. Erste Stillegungsbemühungen aus den 1990ern hatten noch keinen Erfolg gehabt, man bekannte sich noch zur Bahn.
Doch das blieb nicht so. Das Land forderte signifikante Erhöhung der Fahrgastzahlen, doch Zählungen ergaben das Gegenteil. Manipuliert? Lobbyarbeit im Hintergrund? Wie konnte sich die Zahl der Reisenden von 2010 bis 2011 fast halbieren? Fragen...
Am 10.12.2011 wurde der Reiseverkehr abbestellt. 2013 übernahm die Zossen Rail Betriebsgesellschaft die Strecke - ohne Verkehr.
Gute Reise!