Der Tod unter Applaus - Sherlock Holmes
Stille Indizien
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Der Tod unter Applaus - Sherlock Holmes
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An einem windigen Septemberabend lockt Doktor Watson den gelangweilten und eben deshalb gefährlich gereizten Sherlock Holmes aus der Wohnung in der Baker Street in ein Theater an der Drury Lane, zu dem vielbesprochenen Melodram „Ein Duell in Verona". Holmes, der die künstlich fabrizierte Leidenschaft der Bühne verachtet, vertreibt sich die Zeit damit, in den Gesichtern der Zuschauer deren kleine Geheimnisse zu lesen, und bemerkt, daß das Publikum im Saale das weit interessantere Stück spiele als jenes, das sich hinter der Rampe abspielt. Auf den Brettern glänzt Reginald Thorne — der gefeierte Erste seines Fachs, zweiundvierzig Jahre alt, dessen Ruhm noch dröhnt, dessen Schönheit aber bereits zu welken beginnt. Ihm gegenüber tritt Oliver Crane an, ein blasser Anfänger von dreiundzwanzig Jahren, der vor dem Meister so sehr erschauert, daß Holmes halblaut hinwirft: weiches Wachs, aus dem sich mancherlei formen läßt. Die Schwüle, das Zischen der Gasflammen und das Heulen des Windes im Schnürboden verdichten sich, bis der dritte Akt die Rivalen zu eben jener Szene führt, derentwegen halb London nach Eintrittskarten Schlange steht. Acht Schritte trennen die Duellanten; Crane hebt mit zitternder Hand den alten Revolver, ein Schuß fällt — und Thorne sinkt mit einer so vollendeten, hinschmelzenden Anmut zu Boden, daß der Saal in einem Sturm der Begeisterung aufbraust. Doch Holmes neben Watson erstarrt plötzlich, und der Blick des Militärarztes bleibt an dem dunklen Fleck haften, der sich über das weiße Hemd ausbreitet. Geschrieben und gesprochen von Alexander Nachtfall.