Mutter der Nation — ihr Kind nur Minuten — Inge Meysel
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Mutter der Nation — ihr Kind nur Minuten — Inge Meysel
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Deutschland nannte sie die Mutter der Nation. Ihr eigenes Kind durfte Inge Meysel nur wenige Minuten im Arm halten – eine Nacht im Jahr 1942, mitten im Krieg. Über diesen Verlust hat sie ihr Leben lang fast nie gesprochen.
Die ganze Lebensgeschichte einer Schauspielerin, die in Deutschland jeder kannte und über die kaum jemand das Wichtigste wusste.
Inge Meysel wurde 1910 in Rixdorf geboren, dem heutigen Berlin-Neukölln, als Tochter des jüdischen Kaufmanns Julius Meysel und der Dänin Margarete Hansen. Ab 1933 weigerten sich Kollegen, mit ihr auf der Bühne zu stehen. 1935 bekam sie Berufsverbot: Zehn Jahre lang durfte sie ihren Beruf nicht ausüben. Sie ging nach Danzig und arbeitete als Telefonistin und technische Zeichnerin, während ihr Vater die NS-Zeit in einem Kellerversteck überlebte. Von ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Helmut Rudolph, zwang man sie sich zu trennen.
Nach 1945 begann in Hamburg die zweite Hälfte ihres Lebens. Erst das Thalia Theater, dann der Durchbruch mit "Das Fenster zum Flur", später "Gertrud Stranitzki" und vor allem die Rolle der Käthe Scholz in "Die Unverbesserlichen" – eine einzige Folge pro Jahr, ausgestrahlt zum Muttertag. Genau diese Rolle brachte ihr den Beinamen Mutter der Nation ein, den sie selbst nie ausstehen konnte. Im selben Jahr, in dem die Serie startete, starb ihr Mann, der Regisseur John Olden.
Die junge Inge Meysel, die Jahre des Berufsverbots, der Verlust ihres Kindes, ihre Ehen, ihre kinderlose Mutterschaft und die adoptierte Nichte Christina Pollard: Das alles stand in keiner Programmzeitschrift, während das Land sie feierte.
Dazu die politische Inge Meysel, die viele vergessen haben: der Wahlkampf für Willy Brandt, die Demonstrationen gegen Paragraf 218, der Sexismus-Prozess gegen den Stern 1978 an der Seite von Alice Schwarzer – und 1981 die Ablehnung des Bundesverdienstkreuzes mit einem einzigen Satz, der alles erklärt.
Inge Meysel starb 2004 im Alter von 94 Jahren an Herzversagen in ihrem Haus in Bullenhausen bei Hamburg. Bis zuletzt stand sie vor der Kamera.
War der Titel Mutter der Nation eine späte Wiedergutmachung – oder die letzte Rolle, die man ihr aufgezwungen hat? Schreibt es in die Kommentare.
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