Перейти к содержимому

„Nach meinem Tod soll es gerecht zugehen" — 150.000 Euro: SEIN Testament

Marlies’ stille Antwort и ещё 2

0:00 / 0:00

„Nach meinem Tod soll es gerecht zugehen" — 150.000 Euro: SEIN Testament

23 просмотра · 12 часов назад
Marlies’ stille Antwort и ещё 2
23 просмотра · 12 часов назад
„Frau Lehmann? Hier ist das Notariat Seidel — ich wollte nur den Termin Ihres Mannes am Donnerstag bestätigen. Mit Frau Weber." Ich hielt den Hörer so fest, dass meine Knöchel weiß wurden, und sagte nichts. Die Sekretärin plapperte weiter, fröhlich und völlig ahnungslos: „Zehn Uhr, Testamentserrichtung, Ihr Mann hat um einen zweiten Stuhl gebeten. Soll ich sonst noch etwas notieren?" Dann legte sie auf. Ich stand in unserem Flur, den Hörer noch in der Hand, und hörte das Freizeichen, bis es zu piepen begann. Ich bin Christa Lehmann, siebzig Jahre alt, seit fünfundvierzig Jahren mit Werner verheiratet. Fünfundvierzig Jahre. Zwei Kinder, vier Enkel, ein Haus mit Garten — ein Haus, das meine Eltern gebaut haben, Stein auf Stein, mit ihren eigenen Händen. Und mein Mann hatte einen Notartermin. Zur Testamentserrichtung. Mit Frau Weber. Einer Frau, deren Namen ich in meinem ganzen Leben noch nie gehört hatte. Wenn mein Mann sein Testament ändert, ohne mit mir zu reden, dann rede ich mit meinem Notar. Noch am selben Tag. Das hatte ich mir vor dreißig Jahren geschworen, damals, als mein Vater starb und meine Mutter beinahe um dieses Haus gebracht worden wäre — damals hatte ein „freundlicher" Verwandter auch so einen Termin gehabt, auch so einen zweiten Stuhl bestellt. Ich legte den Hörer endlich auf, ging ins Arbeitszimmer und öffnete die Schublade, in der Werner seit Jahrzehnten seine Papiere aufbewahrt. Zwischen Steuerbescheiden und Versicherungspolicen, zwischen Garantieurkunden für Geräte, die längst kaputt waren, lag ein Entwurf. Acht Seiten, sauber getippt, mit einem gelben Klebezettel darauf, in Werners krakeliger Handschrift: „Entwurf — bitte nicht unterschreiben!" Ich setzte mich an seinen Schreibtisch und las. Zweimal. Und mit jeder Zeile wurde mir kälter, bis mir die Finger so steif waren, dass ich die Seiten kaum noch umblättern konnte.