Der letzte Bergmann, der 1913 die tiefste Erzgebirgs-Sohle befuhr — was dort im Fels stand
Verlorene Zeiten Archiv
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Der letzte Bergmann, der 1913 die tiefste Erzgebirgs-Sohle befuhr — was dort im Fels stand
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Im Herbst 1913 sprengte eine Holzknecht-Partie am Rand des Toten Gebirges über dem Grundlsee ein Felsband für eine Bringungstrasse. Eine Ladung öffnete statt eines Blocks ein Loch. Der Vorarbeiter fuhr an einem Seil mit Karbidlampe ein und war rund zwanzig Minuten unten. Binnen drei Tagen fiel der Eingang nach.
Was in einer Institution überlebt hat, ist eine einzige Zeile: ein Eintrag vom November 1913 im Korrespondenzbuch der k.k. Salinen-Forstverwaltung Bad Aussee, der den entsandten Beamten nur beim Nachnamen nennt. Kein Folgebericht. Die zweite Aufzeichnung ist privat: ein Brief des Vorarbeiters an seine Schwester in Bad Ischl, drei Generationen lang ungelesen in einer Blechschachtel. Er beschreibt eine Kammer von zwanzig Schritt, einen Boden aus Eis in Schichten wie Jahresringe, und auf einem trockenen Felsband darüber schwarzes Glas, zu Klingen bearbeitet, neben verkohltem Holz.
Obsidian kommt in den Ostalpen nirgends vor. Die Dokumentation legt Amtszeile und Brief nebeneinander und stellt daneben, was dagegen spricht: Karsteingänge schließen sich von selbst, und der Brief ist die Erinnerung eines ungeschulten Mannes ohne Maß und ohne Foto. Eine Antwort gibt es nicht.
Kein Foto. Kein Bericht. Keine Inventarnummer. Wer, glauben Sie, hat das Glas dort hinaufgetragen?
Diese Dokumentation stützt sich auf historische Aufzeichnungen, archäologische Forschung und lokale mündliche Überlieferung. Sie stellt belegte Befunde neben Fragen, die bis heute offen sind. Wo sich die Darstellungen unterscheiden, werden beide gezeigt. Nichts davon wird als abschließendes Ergebnis behauptet.