Schutzimpfung gegen rechts? Eva Menasse über ein Deutschland, das ihr fremd geworden ist
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Sie schreibt Romane mit historischem Fundament, mischt sich mit Essays in den deutschen Diskurs ein und findet diesen derzeit ziemlich durchgedreht: Eva Menasse, eine der bekanntesten Schriftstellerinnen und Intellektuellen Deutschlands.
Host und NZZaS-Kulturredaktor Peer Teuwsen trifft Eva Menasse. Die Österreicherin, 1970 in Wien geboren, studierte Geschichte und Germanistik und arbeitete als Journalistin, unter anderem bei der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Mit dem Holocaust setzte sie sich intensiv auseinander, etwa in ihrer Grossreportage über den Prozess gegen den Holocaustleugner David Irving in London. Als Autorin springt sie zwischen Roman und Essay, ihre Texte sind immer historisch grundiert. In «Dunkelblum» wird in einem fiktiven österreichischen Städtchen durch Fremde die Vergangenheit hochgeholt, das reale Vorbild ist das Massaker der Nazis an jüdischen Zwangsarbeitern in Rechnitz im März 1945. Ihr neuer Roman «Alleinruhelage» handelt von einer Frau, die ihr Ferienhaus in der ostdeutschen Provinz verkaufen will, von Abschied, Neuanfang und der Wirkmacht der Vergangenheit. Im Essay «Alles und nichts sagen» fragt sie, wie soziale Medien das Gespräch zerstören.
Die beiden sind seit vielen Jahren befreundet und duzen sich. Menasse erzählt, warum sie Ende der 1990er-Jahre nach Berlin ging, wie sie dort für die «FAZ» die Berliner Seiten mit aufbaute und weshalb sie «Vienna» in der Distanz zu Wien schreiben konnte. Heute, nach rund 27 Jahren in Berlin und mit deutschem Pass, sagt sie, sie sei von Deutschland befremdet. Das Land sei lange gegen Rechtspopulismus «geimpft» gewesen, doch das Wissen um demokratische Tugenden erodiere in rasantem Tempo. Sie spricht über die Erinnerungskultur, die für sie zum Katechismus erstarrt ist, und über ihre Familie: Der Vater wurde als Kind nach England vertrieben und sprach später kaum darüber.
Ein grosser Teil des Gesprächs gehört dem Umgang mit Antisemitismus, Israel und Gaza in Deutschland. Menasse kritisiert die Debatte scharf, Teuwsen hält an mehreren Stellen dagegen. Zum Schluss geht es um die Linke in Berlin nach der Wahl, um Wohnungsnot und Verstaatlichung, und um die Frage, wie man sich jeden Tag zivilisiert fühlt.
Gast: Eva Menasse, Schriftstellerin
Host: Peer Teuwsen
Produktion: Tonya Rupp, Ellie Media
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