Auslandsanleihen, Gebietsveränderung und Repudiation: Die Saga der schlesischen Anleihen (1734–1830)
Institut für Bank- und Finanzgeschichte
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Auslandsanleihen, Gebietsveränderung und Repudiation: Die Saga der schlesischen Anleihen (1734–1830)
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Mitschnitt eines Vortrages von Prof. Dr. Ulrich Bindseil, Professor of Practice in Financial Infrastructure an der Frankfurt School und Senior Fellow am Leibniz-Institut SAFE, mit dem Titel "Foreign Bonds, Territorial Change and Repudiation: The Silesian Bonds Saga".
Die gemeinsam vom Instituts für Bank- und Finanzgeschichte e. V. (IBF), dem Center for Financial Studies (CFS) und dem House of Finance (HoF) organisierte Veranstaltung fand am 21. September 2026 an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. statt. Die Begrüßung und Moderation übernahm Prof. Dr. Rainer Klump, Direktor des House of Finance und des Center for Financial Studies.
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DER VORTRAG
Territoriale Konflikte werfen auch Fragen der Nachfolge bei Staatsschulden auf. Die Geschichte der „Schlesischen Anleihen“ zeigt, dass die tatsächliche Durchsetzung der Rückzahlung von institutioneller Gestaltung und politischer Macht abhängt – und dass Kapitalmärkte zwischen rechtlichem Anspruch und realer Durchsetzbarkeit sehr genau unterscheiden.
Als Friedrich II. von Preußen im Dezember 1740 Österreich ohne Vorwarnung angriff und Schlesien besetzte, veränderte sich nicht nur die politische Landkarte Mitteleuropas. Mit dem Frieden von Berlin vom 28. Juli 1742 übernahm Preußen den größten Teil der Provinz – musste sich dabei allerdings auch bereiterklären, die auf Schlesien hypothekierten Schulden gegenüber englischen und niederländischen Gläubigern zu bedienen.
In seinem Vortrag zeichnet Ulrich Bindseil die Geschichte dieser „Schlesischen Anleihen“ nach. Der Fall erlaubt Einblicke in Fragen der Staatennachfolge, der Vertragsdurchsetzung und der ökonomischen Logik souveräner Kreditmärkte – Fragen, die angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine erneut an Bedeutung gewinnen könnten.
DER REFERENT
Ulrich Bindseil war insgesamt 31 Jahre im Zentralbankwesen tätig, unter anderem bei der Deutschen Bundesbank, dem Europäischen Währungsinstitut und von 1998 bis 2025 bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Dort bekleidete er verschiedene Führungspositionen, zuletzt als Generaldirektor für Marktinfrastruktur und Zahlungsverkehr. Zudem war er Mitglied mehrerer Ausschüsse der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Vor seiner Berufung zum Professor of Practice in Financial Infrastructure an die an die Frankfurt School, war er Honorarprofessor an der Technischen Universität Berlin. Zum 1. Januar 2027 tritt er zusätzlich die Stelle als Direktor des Studienzentrums Gerzensee an.