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10.800 Jahre Klimageschichte am Rotmoosferner (Ötztaler Alpen)

Günther Aigner – SKIFAHREN | SCHNEE | KLIMA

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10.800 Jahre Klimageschichte am Rotmoosferner (Ötztaler Alpen)

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Günther Aigner – SKIFAHREN | SCHNEE | KLIMA
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Erratum: Bei Minute 02:25 muss es heißen "nötig" statt "möglich". Dieses Video wurde am 07. Juli 2026 an der 1858er-Endmoräne des Rotmoosferners im Rotmoostal im Bereich Obergurgl in den Ötztaler Alpen aufgenommen. Es zeigt die Endmoräne des Hochstandes des Jahres 1858 und das direkt davor liegende Moor, welches auf ein Alter von etwa 10.800 Jahre datiert wurde. Der Hochstand von 1858 war folglich der größte Vorstoß des Rotmoosferners in den vergangenen 10.800 Jahren. Das bedeutet, dass sich die Klimageschichte der vergangenen 10.800 Jahre innerhalb der 1858er-Moräne abgespielt hat: Der Gletscher war seither zwischenzeitlich sehr wahrscheinlich über viele Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende, fast vollständig abgetaut, beispielsweise in der Zeitspanne zwischen 8.500 und 6.000 Jahre vor heute. Aber er erholte sich und stieß mehrfach wieder vor – niemals aber weiter als 1858. Es ist eine Tatsache, dass der Rotmoosferner – wie auch die Alpengletscher im allgemeinen – über lange Zeiträume im Holozän kleiner war(en) als heute. Eisfrei waren die Ostalpen im Holozän nie, siehe dazu die Forschungen von Patzelt (2019) in seinem zusammenfassenden Spätwerk: In den mildesten Phasen des Holozän lag die Waldgrenze um 100 bis 130 Meter höher als am Beginn des 21. Jahrhunderts, was einer um 1 Grad Celsius höheren Temperatur in der Vegetationsperiode (= Mai bis September) entspricht. Die vergangen 10 Jahre mit ihren XXL-Sommern dürften also den Verhältnissen im Holozän Maximum geähnelt haben. Sollte, modellhaft angenommen, das Klima der vergangenen 12 Monate für die nächsten 30 Jahre andauern, würde von den heutigen Resten des Rotmoosferners praktisch nichts mehr übrig bleiben, weil der Rotmoosferner längst kein Nährgebiet mehr hat. Wir sind also heute temperaturmäßig nah dran an den Minimalständen der Alpengletscher im Holozän, es braucht nur noch einige Jahrzehnte, bis die Gletscher bis zum Gleichgewichtsstand abgetaut sind. Auch die ehemaligen Wälder, deren Reste wir in den zurückweichenden Gletschern finden, könnten im aktuellen Klima wieder wachsen. Sie brauchen dafür keine zusätzliche Erwärmung, sondern nur einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte Zeit. Erdgeschichtlich wäre das nur ein Fingerschnipsen. Und dann gibt es noch die Klimaprojektionen, die für die kommenden Jahrzehnte von einer weiteren, zusätzlichen Erwärmung ausgehen: Sollten diese Projektionen eintreten, würden wir die bisherigen Temperatur-Leitplanken des Holozän verlassen. Ich selbst kann zur Zukunft nichts sagen, weil ich weder Glaziologe noch Atmosphärenphysiker bin. Aber ich versuche als Skitourismusforscher Wissen zusammenzutragen und zu verbinden. Es wäre spannend, eine Zeitreise zu machen, 500 Jahre in die Zukunft. Dann könnte man rückblickend die aktuelle globale Erwärmung ohne Emotionen analysieren, einordnen und bewerten. Literatur: Patzelt, Gernot (2019): Gletscher. Klimazeugen von der Eiszeit bis zur Gegenwart. Hatje Cantz Verlag GmbH, Berlin.