Die Moschee In Potsdam Hat Nie Ein Gebet Gehört - Ihr Minarett Ist Ein Schornstein
Abgetauchte Epochen
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Die Moschee In Potsdam Hat Nie Ein Gebet Gehört - Ihr Minarett Ist Ein Schornstein
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Abgetauchte Epochen
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Die Havel ist dreihundertvierunddreißig Kilometer lang und überwindet dabei vierzig Komma sechs Meter Höhenunterschied — rund zwölf Zentimeter je Kilometer, weniger als die Dicke eines Ziegelsteins. Ein solcher Fluss fließt nicht, er sickert, und er legt sich als Kette von Seen in die Landschaft: Tegeler See, Wannsee, Jungfernsee, Templiner See, Schwielowsee, Beetzsee. Genau deshalb liegt hier noch alles da, was je hineingeraten ist. Unter Ketzin, keine vierzig Kilometer vom Berliner Fernsehturm entfernt, wurden zwischen Juni 2008 und August 2013 rund siebenundsechzigtausend Tonnen Kohlendioxid in porösen Sandstein in sechshundertdreißig bis sechshundertfünfzig Metern Tiefe gepresst und mit einem eigens entwickelten Spezialzement verschlossen. Auf der Pfaueninsel betrieb der Chemiker Johann Kunckel von 1686 bis 1688 ein geheimes Laboratorium für Goldrubinglas, von dem heute nur Scherben im Boden zeugen. In Potsdam steht ein Dampfmaschinenhaus in Gestalt einer Moschee, deren Minarett in Wahrheit ein Schornstein ist. In diesem Film holen wir fünfzehn Dinge aus der Havel: die slawische Burg Brennabor, die einem Bundesland den Namen gab und im Winter 928 auf 929 über den zugefrorenen Burggraben fiel, das Holzhaus in Caputh, aus dem Albert Einstein am 6. Dezember 1932 auszog und dem man ein halbes Jahr später das Segelboot einzog, Joseph Wulf und seine neun Jahre Kampf um das Haus der Wannsee-Konferenz, die Vielschleifmaschine des Rathenower Predigers Duncker, die elf Brillengläser gleichzeitig schliff, die drei Agentenaustausche auf der Glienicker Brücke von 1962, 1985 und 1986, die Heilandskirche in Sacrow, die achtundzwanzig Jahre im Todesstreifen stand, die siebzig Sperrgitter der unterirdischen Mauer im Berliner Kanalsystem, den 9. Juni 2013, als fünfzig Millionen Kubikmeter Elbewasser rückwärts in die Havel liefen, das größte Flussrenaturierungsprojekt Europas auf neunzig Kilometern, das geheime Raketenlaboratorium auf Eiswerder, das 1949 zum Filmstudio wurde, die Luxuskaserne Krampnitz, die einundzwanzig Jahre leer stand, und die sechzig Prozent Berliner Trinkwasser, die aus dem Ufer kommen.
KAPITEL:
00:00 — Was unter einem Dorf an der Havel liegt
02:56 — Brennabor: die slawische Burg, die einem Bundesland den Namen gab
06:01 — Das geheime Labor auf der Pfaueninsel
09:06 — Die Moschee, die keine ist
11:53 — Siebenundsechzigtausend Tonnen Kohlendioxid unter Ketzin
14:59 — Das Holzhaus in Caputh, aus dem ein Physiker 1932 auszog
17:52 — Der Mann, der neun Jahre um ein Haus am Wannsee kämpfte
20:45 — Ein Landpfarrer erfindet die Brille für alle
23:25 — Drei Austausche auf der Glienicker Brücke
25:58 — Die Kirche, die achtundzwanzig Jahre im Todesstreifen stand
28:36 — Die Mauer, die unter Wasser lag
31:23 — Der 9. Juni 2013, als die Havel rückwärts floss
34:15 — Neunzig Kilometer Fluss zurückbauen
37:10 — Ein geheimes Raketenlabor von 1817
40:07 — Krampnitz: die Luxuskaserne, die dreißig Jahre leer stand
42:59 — Sechzig Prozent, die aus dem Ufer kommen
Alle Geschichten in diesem Film sind real und in Quellen belegt: landesgeschichtliche Darstellungen und Grabungsberichte zur Havelburg Brennabor, zum Zug Heinrichs des Ersten im Winter 928 auf 929, zum Slawenaufstand vom 29. Juni 983 und zur Einnahme durch Albrecht den Bären am 11. Juni 1157; Arbeiten zur Namensherkunft Brandenburgs aus westslawischem Wortstamm und germanischem Burg; Publikationen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und archäologische Berichte zur Pfaueninsel, zu Johann Kunckel und zum Goldrubinglas; bau- und technikgeschichtliche Darstellungen zum Dampfmaschinenhaus von Ludwig Persius, zu den einundachtzig Komma vier Pferdestärken und zur Fontäne von achtunddreißig Metern in Sanssouci; Veröffentlichungen des Deutschen GeoForschungsZentrums Potsdam zum Pilotstandort Ketzin, zur Injektion von 2008 bis 2013, zum Rückförderversuch im Herbst 2014 und zur Verfüllung mit kohlendioxidbeständigem Spezialzement ab Juli 2015; Materialien der Einsteinhaus-Stiftung und Forschungsliteratur zu Caputh, zu den Gästen zwischen 1929 und 1932 und zu den Beschlagnahmen im Frühjahr 1933; Publikationen der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz zu Joseph Wulf, zu seinem Antrag von 1965 und zur Eröffnung 1992; stadt- und wirtschaftsgeschichtliche Arbeiten zu Rathenow, zum Privileg von 1801, zur Vielschleifmaschine und zu den einhundertdreiundsechzig optischen Betrieben um 1900; Dokumentation der Stiftung Berliner Mauer und Archivmaterial zu den Austauschen vom 10. Februar 1962, 11. Juni 1985 und 11. Februar 1986; Gemeindeunterlagen und Denkmalpflegeberichte zur Heilandskirche Sacrow; Angaben der Berliner Wasserbetriebe zu den siebzig Sperrgittern im Kanalsystem; Berichte der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung und der Länder zum Einlasswehr Neuwerben, zur Polderflutung und zum Deichbruch bei Fischbeck 2013;