Dieses Wohnmobil ist 34 Jahre alt und steckt alle in die Tasche 😱 Niesmann Clou Liner FOREVER YOUNG
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itten im lebendigen Treiben von Bad Kissingen, dem Sehnsuchtsort für Fernreisemobilisten und Individualisten, begegnen wir Wolfgang und seinem beeindruckenden Niesmann+Bischoff Clou Liner 700B. Es ist eine jener Begegnungen, die uns vor Augen führen, was echte Beständigkeit im Fahrzeugbau bedeutet. Dieses Reisemobil ist bereits seit 34 Jahren auf den Straßen der Welt zu Hause, und Wolfgang führt es seit nunmehr 14 Jahren mit einer Hingabe, die man heute nur noch selten findet. In einer Branche, die oft von schnellen Modellwechseln und kurzlebigen Trends geprägt ist, steht dieser Clou Liner als monumentales Beispiel für die Qualität Made in Polch. Er ist ein Vorreiter des modernen Luxussegments, ein technisches Denkmal, das beweist, dass eine Investition in hochwertige Substanz auch nach über drei Jahrzehnten nichts von ihrer Relevanz und ihrem Charme verloren hat. Die emotionale Bindung zwischen Besitzer und Fahrzeug ist hier kein Marketingbegriff, sondern gelebte Realität, die sich in jedem sorgsam gepflegten Detail widerspiegelt.
Das technische Rückgrat dieses Liners bildet ein Mercedes-Benz 817 Fahrgestell, das von Kennern oft als der unverwüstliche Vorläufer des heutigen Atego bezeichnet wird. Unter der Haube arbeitet der legendäre OM 366 Sechszylinder-Saugmotor, der mit seinen aktuell 250.000 Kilometern Laufleistung gerade erst als eingefahren gelten darf. Als ehemaliger Maschinenschlosser weiß Wolfgang die mechanische Ehrlichkeit dieses Triebwerks zu schätzen. Besonders beeindruckend ist der Zustand des Aufbaus in der klassischen Sandwich-Bauweise. Während viele Mobile dieses Alters mit Feuchtigkeitsproblemen kämpfen, weist der Boden dieses Clou Liners keinerlei Schwachstellen oder morsche Stellen auf – ein Zeugnis für die exzellente Verarbeitung der damaligen Zeit. Dennoch ist auch ein solcher Klassiker nicht immun gegen die Zeit. Der typische Alufraß an den Kanten ist ein bekanntes Thema bei diesen Fahrzeugen. Eine professionelle Instandsetzung in einer spezialisierten Lackiererei in Polch würde Schätzungen zufolge zwischen 4.000 und 5.000 Euro kosten, wobei die Langzeitprognose bei solchen Korrosionsschäden oft ungewiss bleibt. Eine weitere technische Herausforderung betrifft die erblindeten Seitenscheiben im Fahrer- und Küchenbereich. Hier zeigt sich die Expertise der Oldtimer-Community: Ein Spezialbetrieb in Saarbrücken hat sich darauf spezialisiert, diese Scheiben aufzuschneiden, zu reinigen und wieder fachgerecht zu versiegeln, was für Besitzer dieses Typs oft die einzige Rettung vor der optischen Trübung darstellt.
Ein Blick in das Interieur offenbart den Geist der Pioniere. Ein besonderes Juwel ist der im Schrank verborgene Qualitätspass, auf dem sämtliche Mitarbeiter, die an diesem spezifischen Fahrzeug mit der Box-Nummer 242 gearbeitet haben, mit ihrer Unterschrift für die Güte ihrer Arbeit bürgen. Die Innenausstattung war ihrer Zeit weit voraus. Statt klappernder Pushlocks setzte Niesmann damals bereits auf eine elegante Push-to-open-Mechanik mit Magnet-Unterstützung. Das schräge Küchendesign bricht die engen Raumstrukturen klassischer Mobile auf und schafft eine Großzügigkeit, die durch die Siemens-Mikrowelle aus der Ära ihrer Erfindung und das autarke Technikpaket ergänzt wird. Auf dem Dach verrichten vier originale, 34 Jahre alte Solarpanels von Esso ihren Dienst und liefern bei direkter Sonneneinstrahlung noch immer beachtliche 9 Ampere. Mit einem 200-Liter-Dieseltank, 300 Litern Frischwasser sowie jeweils 150 Litern Kapazität für Abwasser und die Festtank-Toilette ist der Clou Liner eine Festung der Unabhängigkeit. Selbst kleine Luxus-Gimmicks wie das Geheimfach für den Fernseher und die integrierte Bar zeigen, wie detailverliebt in Polch geplant wurde.
Doch der Alltag mit einem solchen Chassis-Mix bringt auch bürokratische Hürden mit sich. Erst kürzlich verweigerte ein Prüfer die TÜV-Plakette wegen der Leuchtweitenregulierung. Das Kuriose dabei: Niesmann kombinierte damals Komponenten verschiedener Hersteller, und in diesem Fall waren Scheinwerferteile von MAN auf dem Mercedes-Rahmen verbaut, was nach 34 Jahren plötzlich als unzulässig moniert wurde. Auch der massive Gastank musste nach drei Jahrzehnten klagloser Nutzung plötzlich offiziell in die Fahrzeugpapiere nachgetragen werden. Diese Anekdoten verdeutlichen, dass der Betrieb eines solchen Klassikers nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Nervenstärke im Umgang mit modernen Zulassungsregeln erfordert.