Hammelwarden (D), evang. Friedrichskirche - "Vollgeläute"
Engerlingraucher
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Hammelwarden (D), evang. Friedrichskirche - "Vollgeläute"
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Eine bedeutende Glocke der Barockzeit erklingt vom Turm der Hammelwarder Friedrichskirche.
Der Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses soll im 13. Jahrhundert errichtet worden sein. Es handelte sich hierbei wohl um eine Holzkirche, die im Laufe des 18. Jahrhunderts baufällig wurde. An ihrer statt errichtete man zwischen 1760 und 1764 die heutige, nach König Friedrich V. von Dänemark und Norwegen benannte Kirche. Besonders ist hierbei, dass die Friedrichskirche nach wie vor über einen Großteil ihrer originalen Innenausstattung verfügt. Aus der alten Kirche wurde lediglich der Corpus einer mittelalterlichen Christusfigur übernommen. Bemerkenswert ist neben dem gewaltigen Kanzelaltar vor allem der im Jahr 1771 gefertigte 24-armige Kronleuchter in der Mitte des Kirchenschiffs. Die noch heute zu sehende helle Marmorbemalung des Innenraumes geht zurück auf das 19. Jahrhundert. Besonders erwähnenswert ist auch die 1766 vom Oldenburger Orgelbauer Johann Hinrich Klapmeyer erbaute Orgel. Nach einem 1880 erfolgten Umbau, der eine Anlehnung an das zu dieser Zeit favorisierte romantische Klangbild zum Ziel hatte, wurde die Orgel im Jahr 1935 erstmals durch Alfred Führer aus Wilhelmshaven restauriert. Dabei versuchte dieser, die ehemalige Disposition des Instrumentes wiederherzustellen. Ein umfassender Umbau im Jahr 1969 hatte den Verlust weiterer Originalsubstanz zur Folge. Auch die 1993 erfolgte Restaurierung durch die Orgelbaufirma Führer brachte die Orgel keineswegs wieder in einen adäquaten Zustand. So sind heute von den insgesamt 24 Registern auf zwei Manualen und Pedal immerhin noch elf aus der Hand Klapmeyers erhalten und lassen die eigentliche Qualität des Orgelwerkes erahnen.
Der Turm beherbergt seit jeher nur eine Glocke. Das namenlose Instrument ist im Jahr 1786 durch den Glockengießer Lieder Ahlers in Bremen aus dem Material der 1655 durch Claudius Gage geschaffenen Vorgängerglocke gegossen worden. Die Glocke ist eine von insgesamt vier erhaltenen von Ahlers und zudem dessen größtes erhaltenes Werk. Seit ihrem Guss hängt sie in einem massiven Bockstrebenstuhl, der wohl noch aus der Bauzeit des Turmes stammt. In der Nachkriegszeit wurde sie schließlich mit einem geraden Stahljoch versehen und elektrifiziert. Die Glocke ist ein musikalisch durchaus ansprechendes Stück, handelt es sich dabei doch um eine Septimglocke mit ganztonvertieftem Prim-Vertreter. Durch die nicht besonders hohe Resonanzfreudigkeit entwickelt sie einen sehr rauchigen, ausgesprochen dunklen Klang, der jedoch nicht ohne Reiz ist.
Sine nomine, Schlagton e'+1, Gewicht ca. 1.025 kg, Durchmesser 1203 mm, gegossen im Jahre 1786 von Lieder Ahlers.
Ein herzlicher Dank für die Einladung und die Ermöglichung der Dokumentation gebührt André sowie Julian für seine ausgiebige Geduld!