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„Meine Schwester spottete über meine „Nähstube" — dann kam der Minister …

Patrizia Hartmann и ещё 2

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„Meine Schwester spottete über meine „Nähstube" — dann kam der Minister …

121 просмотр · 1 день назад
Patrizia Hartmann и ещё 2
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„Deine kleine Nähstube!" — ich konnte Elkes Stimme noch immer hören, obwohl sie an diesem Morgen gar nicht in meinem Atelier war. Es war kurz nach acht, und es roch nach frischem Kaffee und nach Seide, diesem ganz besonderen Duft, den nur teurer Stoff hat, wenn man ihn morgens ausbreitet. Um meinen Hals hing das Maßband, wie jeden Morgen seit über vierzig Jahren, und zwischen meinen Lippen steckten drei Stecknadeln. Vor mir stand die Schneiderpuppe, und an ihr hing das mitternachtsblaue Kleid — die Robe für die große Premierenfeier, heute die letzte Anprobe vor der Abholung. An der Puppe hing ein kleiner Zettel in meiner Handschrift: „Falkenau — Premiere — Abholung Freitag." Ich kniete mich hin und steckte den Saum, Zentimeter für Zentimeter, so ruhig und so genau, wie ich es immer getan habe. 8.500 Euro würde dieses eine Kleid kosten, wenn es fertig war. Achttausendfünfhundert Euro für ein einziges Kleid — und meine Schwester Elke glaubte allen Ernstes, ich würde den ganzen Tag Knöpfe annähen und Hosenbeine kürzen. Ich musste lächeln, mitten in der Arbeit. Unter der Theke, in der linken Schublade, lag mein schwarzes Bestellbuch. Darin stand alles: jeder Auftrag, jeder Name, jede Zahl — die ganze Wahrheit über das, was in dieser angeblichen „Nähstube" wirklich geschah. Aber das wusste Elke nicht. Niemand aus meiner Familie wusste es. Und an jenem Morgen ahnte ich noch nicht, dass sich das schon in wenigen Tagen ändern sollte — auf eine Weise, die ich mir selbst in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt hätte. Doch bevor ich euch erzähle, was an jenem Freitagvormittag geschah, muss ich euch von Elkes Gartenfest erzählen. Denn dort begann alles.