Enjott Schneider BERGE DES HERZENS, Trailer, Asya Fateyeva, Sax, Süddeutscher Kammerchor, G.Jenemann
Enjott Schneider
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Enjott Schneider AUSGESETZT AUF DEN BERGEN DES HERZENS, Trailer, Asya Fateyeva (Sax), Süddeutscher Kammerchor, Ltg: Gerhard Jenemann
Zum 100. Todestag von Rainer Maria Rilke
Verlag: Ries & Erler Musikverlag Berlin
Dokumentarischer Videomitschnitt vom 24.10.2026 Katherinen-Kirche Frankfurt, Kompositionsauftrag für die 51. Fränkischen Musiktage und VocalArt Frankfurt RheinMain
SPRACHLOSIGKEIT ALS WELTVERSTEHEN
Rainer Maria Rilke (1875-1926), erhebt den „Zweifel“ zum kreativen Ausleuchten seines Inneren. Sinnkrise war für Rilke eine Sprachkrise: „Ich fürchte mich vor der Menschen Wort. Sie sprechen alles so deutlich an“, so beginnt ein Gedicht von 1897 und offenbart seine Angst vor dem definitorischen Gebrauch der Wörter. Von solcher Sprachkrise handelt auch das Gedicht von den Bergen des Herzens. Sprache, vor allem die tote, geschriebene, ist ein System von Zeichen, das seine Abbildungsfunktion verloren hat.
Alle Mystiker und Mysterienschulen wussten von der Erkenntniskraft des Schweigens und Verstummens. „Ein Narr ist an seiner Rede zu erkennen, ein Weiser an seinem Schweigen“ formulierte Pythagoras von Samos (570 v.Chr. – 495). Sprache mag in der sichtbaren Welt, der Dingwelt, eine grobkantige Hilfe sein, in der Wirklichkeit des Unsichtbaren, der geistigen Beziehungen oder vom Ineinander des holographischen Universums – ist Sprache unzureichend und musste schon immer dem Symbol, Gleichnis oder Bild weichen.
Conclusio: Leben und „Jetzt!“ sind nicht rationalisierbar, nicht mit künstlichen Metaphern oder „geradlinig“ definierten Worthülsen zu erklären. Die Form des Lebens gehorcht einer vorsprachlichen Wirklichkeit, was Immanuel Kant mit seinem „…dass alles Leben krummlinicht sei“ ausdrückte und damit die Zwielichtigkeit und fliessende Vielschichtigkeit der Frühromantik einläutete. Nach Ludwig Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus kann Sprache allenfalls zum Gemeinten heranführen, das Gemeinte selbst verweigert sich der sprachlichen Abbildungskraft. Als gesanglicher Epilog am Ende von Auf den Bergen des Herzens habe ich deshalb als finales Motto eine Wendung aus Rilkes Mir zur Feier zitiert, seine tiefe Erkenntnis: „Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest“.
Wittgensteins Traktatus schließt ja mit einer Apotheose des Verstummens oder der Stille: „…und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen“. Nur in der wortlosen Stille erfährt der Mensch jenes tiefste unsterbliche innere Selbst, das man “Goldene Kugel“ (im Märchen), Buddha-Natur, Jesus-Natur oder wie bei Franz Kafka „das Unzerstörbare“ nennen kann.