„Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?" – Kristina Lunz über Hass im Netz
ASK – Die Kommunikationsagentur
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„Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?" – Kristina Lunz über Hass im Netz
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In dieser Folge von „Damit die Guten gewinnen" spricht Thomas Mühlnickel mit Kristina Lunz, Politikwissenschaftlerin, Autorin und Mitgründerin des Centre for Feminist Foreign Policy, über Frauenhass im Netz, organisierte Mobs und die Frage, was jede und jeder Einzelne dagegen tun kann.
Kristina Lunz kommt aus einem Dorf mit 60 Einwohner*innen, studierte in London und Oxford und war die erste in ihrer Familie, die studiert hat. 2014 legte sie sich mit einer Kampagne gegen Sexismus in der Bild-Zeitung mit dem größten Medienkonzern Deutschlands an. 2016 gehörte sie zu den Stimmen, die die Änderung des Sexualstrafrechts nach dem Prinzip „Nein heißt Nein" durchgesetzt haben. Acht Jahre lang baute sie das Centre for Feminist Foreign Policy auf, mit über 60 internationalen Projekten zu Abrüstung, Menschenrechten und Klimagerechtigkeit.
Im Gespräch geht es nicht um abstrakte Debatten über Hass im Netz, sondern um die Mechanik dahinter: Wie aus wenigen Accounts ein scheinbarer Massenprotest wird, warum Extreme belohnt werden und was das mit Frauen macht, die sich öffentlich äußern.
Kristina Lunz beschreibt Frauenverachtung als Glut, die in patriarchalen Gesellschaften ohnehin überall liegt. Es brauche wenig, um daraus ein Feuer zu machen. In ihrem Buch zieht sie gemeinsam mit ihrer Co-Autorin die Parallele zu den Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit — mit dem Unterschied, dass ein Mob heute an einem Nachmittag organisiert ist.
In dieser Folge geht es unter anderem um:
Digitale Gewalt gegen Frauen in Deutschland
Der Unterschied zwischen Shitstorm und orchestriertem Mob
Algorithmic Literacy und wie kleine Accounts Reichweite erzeugen
Aufmerksamkeitsökonomie, Desinformation und moralisches Kapital
Der Silencing-Effekt: Warum sich Frauen aus Politik und Öffentlichkeit zurückziehen
Die Solidaritätsaktion mit über 250 Frauen aus Kultur, Politik und Medien
Zehn Forderungen: Femizid als Straftatbestand, sexualisierte Deepfakes, „Ja heißt Ja"
Feministische Außenpolitik zwischen Koalitionsvertrag 2021 und heutiger Bedeutungslosigkeit
Klassendynamiken in Oxford und die Rolle von Fürsprecher*innen
Rechtsextremismus, Ungleichheit und der Kampf um gesellschaftlichen Zusammenhalt
Hoffnung als Haltung: der Havel-Satz und ein Blick ins Jahr 2050
Kernthese des Gesprächs: Digitale Gewalt gegen Frauen ist kein Nebeneffekt sozialer Medien, sondern ein Anreizsystem. Wer sie eindämmen will, braucht Gesetze, Schutzstrukturen und Menschen, die die Verteidigungslinie halten.
Über Kristina Lunz
Kristina Lunz ist Autorin, Aktivistin und Mitgründerin des Centre for Feminist Foreign Policy. Sie schrieb das erste deutschsprachige Buch zu feministischer Außenpolitik, arbeitete für die Vereinten Nationen in New York und Myanmar sowie als Beraterin im Auswärtigen Amt. Zuletzt erschien ihr gemeinsames Buch „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?", entstanden in nur zweieinhalb Monaten nach der Solidaritätsaktion für Coline Fernandes.
Über den Podcast
„Damit die Guten gewinnen" ist der Podcast mit Thomas Mühlnickel über Menschen, Ideen und Entscheidungen, die unsere Zukunft prägen. Es geht um Haltung, Verantwortung, Politik, Wirtschaft, Technologie und die Frage, wie Fortschritt gelingen kann.
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Kapitelmarken
0:00 Wer sind die Guten? Integrität und Beispiel statt Meinung
2:44 Vom Dorf mit 60 Einwohner*innen nach Oxford
8:16 Klassendynamik, Habitus und unfaire Vorteile
10:27 Wie feministische Außenpolitik vom Nischenthema zur Debatte wurde
14:22 Die Kampagne gegen die Bild-Zeitung und der erste Gegenwind
18:24 Drohungen, Rückzug und die Frage, ob es weitergeht
20:48 Warum Trolle sich immer Frauen aussuchen
22:04 Die Glut der Frauenverachtung und die digitalen Hexenjagden
25:18 Ein Wochenende, 250 Frauen, zehn Forderungen
29:09 Shitstorm oder orchestrierter Mob? Die Mechanik dahinter
35:07 Sind soziale Medien noch zu retten?
39:21 Fünf Sätze zum Vervollständigen
43:17 Annalena Baerbock und der Koalitionsvertrag 2021
50:27 Verteidigungslinie halten: Was jede und jeder tun kann
55:26 Havel, Hoffnung und das Jahr 2050