Underground Techno Mix | Afterhours A.2 | Flashback
Andi Saiten
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Underground Techno Mix | Afterhours A.2 | Flashback
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Andi Saiten
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Jan kam einmal im Jahr nach Kattel, um die Rinnen zu machen. Das war sein Beruf, oder ein Teil davon — Dachdecker, Wartung, Reparaturen, Leute riefen an, wenn etwas kaputt war, oder wenn der Frost wieder das Blech verbogen hatte, und er fuhr hin und machte es wieder heil, ohne viel Aufheben. Das Studio in der alten Halle kannte er seit Jahren. Kleiner Eigentümer, bezahlte pünktlich, stellte manchmal Kaffee raus. Diesmal war der Eigentümer nicht da, nur eine Notiz an der Tür: Kaffee in der Kanne, Schlüssel liegt. Jan nahm den Kaffee, stieg auf das Dach, fing an. Das Blech war in Ordnung, besser als erwartet. Er arbeitete sich von links nach rechts, methodisch, wie er alles tat, ohne Eile, ohne Abkürzung, weil Abkürzungen beim Dach bedeuteten, dass man im nächsten Winter wieder hier stand. Unten lief Musik. Das war normal, im Studio lief immer Musik, aber diesmal war sie anders, nicht das übliche laute Testen. Das hier war langsam, tief, mit einem Puls, der sich anfühlte wie der Herzschlag eines Gebäudes, das lebt. Jan hörte nicht bewusst zu. Er hatte nie viel mit Musik anfangen können, nicht mit dieser Art, seine Frau hörte Schlager, seine Kinder irgendwas mit Gitarren, und er selbst hörte im Auto meistens nichts. Aber diese hier ging durch das Blech durch, durch die Handschuhe, durch die Stiefel, direkt in den Boden unter seinen Füßen, und er merkte, dass er langsamer wurde, methodischer noch als sonst, als wäre die Musik ein Metronom. Er sah durch das schmale Fenster, das er von dieser Position gerade erreichen konnte. Unten standen zwei Menschen, nebeneinander, dicht, nicht berührend, aber fast. Einer hatte die Hand auf dem Plattenrand. Der andere hörte zu. Jan konnte ihre Gesichter nicht sehen, nur ihre Körper, diese bestimmte Art zu stehen, wenn man konzentriert war und gleichzeitig entspannt, wenn man aufgehört hatte, sich selbst zu beobachten. Er arbeitete weiter. Die Musik lief. Dann plötzlich Stille — ein Track endete, eine Sekunde Pause, in der Jan aufschaute, ohne es zu wollen. Die zwei Menschen unten bewegten sich nicht. Warteten. Dann kam der nächste Ton, und Jan merkte, dass auch er gewartet hatte, und das war seltsam, das war nicht seine Art. Er beschleunigte sein Tempo wieder, aber die Stille hatte sich gesetzt, irgendwo in ihm. Das Blech war repariert, eine Stunde Arbeit, vielleicht anderthalb. Als er die Leiter herunterkam, blieb er einen Moment vor der Tür stehen. Er klopfte. Niemand antwortete. Er ließ den Schlüssel wieder rein, trank den letzten Kaffee, schrieb: Rinnen erledigt, alles dicht. Dann fuhr er weiter zum nächsten Auftrag. Er dachte auf dem Weg daran, dass er seit zwanzig Jahren Dächer reparierte und in dieser Zeit wenig gehört hatte, das ihn so erwischte wie diese Viertelstunde auf dem Blech. Nicht weil die Musik so besonders war, sondern weil der Puls durch das Metall gegangen war, durch die Handschuhe, durch ihn, und weil er kurz aufgehört hatte, Dachdecker zu sein, und einfach jemand gewesen war, der stand und hörte. Das passierte ihm nicht oft. Er fuhr die nächste Auffahrt auf die Landstraße, das Radio aus, weil er die Stille wollte, noch ein paar Minuten, bevor der nächste Auftrag anfing, bevor er wieder Dachdecker war und nichts anderes. Irgendwo bellte ein Hund. Die Felder lagen flach und braun. Kattel war drei Kilometer zurück, und der Puls war noch da.
[ The Story behind the Cow! ist ein fortlaufendes Konzept, das Techno, Atmosphäre und Kapitel zu einer zusammenhängenden Geschichte verbindet. Jede Session steht für einen eigenen Abschnitt dieser Reise und entsteht aus Momenten und Stimmungen, die sich bewusst entfalten. Dabei geht es nicht nur um einzelne Tracks, sondern um ein durchgehendes Gefühl, das sich von Episode zu Episode weiterentwickelt und vertieft. Jede Veröffentlichung ist Teil dieses größeren Ganzen und trägt dazu bei, die Story Schritt für Schritt weiterzuerzählen. Andi Saiten ]