DIE SCHWÄBISCHE DYNASTIE, DIE AUS HOLZFRÄSEN DIE AUTOMATISIERUNG DER FABRIKEN MACHTE
Die Zweite Reihe
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DIE SCHWÄBISCHE DYNASTIE, DIE AUS HOLZFRÄSEN DIE AUTOMATISIERUNG DER FABRIKEN MACHTE
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April 1925, Esslingen am Neckar. Ein Kilo Brot hatte in Berlin kurz zuvor 200 Milliarden Mark gekostet, bis Ende 1924 zahlten die Leute mit Scheinen über 100 Billionen, und genau in diesem Moment mieten zwei Männer einen Anbau in der Olgastraße und machen sich selbständig. Sie reparieren fremde Holzbearbeitungsmaschinen, fertigen Werkzeuge und bauen Kugellager in Maschinen ein, die anderen Leuten gehören. Kein eigenes Produkt, kein Patent, keine Marke. Nach einem vernünftigen Grund gefragt, erinnerte sich einer der beiden später, habe es keinen gegeben, nur einen starken inneren Antrieb: selbständig werden.
Die beiden heißen Albert Fezer und Gottlieb Stoll. Aus den ersten Silben ihrer Nachnamen wird ein Kunstwort, das heute in rund 60 Ländern an Fabrikhallen steht: Festo. Und darin liegt der Widerspruch, um den es in diesem Video geht. Wer den Namen heute in einer Fabrik hört, denkt an Druckluft, an Zylinder, Ventile und Automatisierung. Gegründet wurde die Firma für Holz: Fräsen, Bohren, Schleifen, Sägen, Zapfenlöcher, Treppenwangen. Der Mann, der sie aufbaute, hat Werkzeuge für Zimmerleute gebaut, nicht Bauteile für Montagelinien.
Wir erzählen diese Geschichte von Anfang an. Holzmaden am Rand der Schwäbischen Alb, Handelsschule statt technischer Schule, Lehr- und Gesellenjahre bei den Maschinenfabriken Weil & Meyer in Kirchheim an der Teck und Bohley & Leinen in Esslingen, Militärdienst im Ersten Weltkrieg, 1922 die Meisterprüfung. Dann die Jahre, in denen die junge Firma nur von fremden Reparaturen lebt, und die Beobachtung, die alles ändert: In den Zimmereien gibt es für die Bearbeitung des Werkstücks kaum geeignete Maschinen, weil die passende Maschine immer in der falschen Halle steht. Die Antwort darauf ist 1926 das erste Patent und 1927 die Zimmerei-Universal-Maschine, kurz ZUM, die Zapfenlöcher fräsen, bohren und Treppen fräsen kann und die man zum Balken tragen kann. Mit ihr geht der Markenname Festo zum ersten Mal an den Markt. Danach die transportable Kreissäge AS 70 und der Elektrokettenstemmer ZB 140, Maschinen, die Sägen und Stemmen direkt auf der Baustelle möglich machten.
Der Preis dafür steht in keiner Festschrift: Der Partner geht nach wenigen Jahren, die Quellen nennen unterschiedliche Jahre, die Anteile müssen bezahlt werden, und das Risiko trägt ein Mann mit seinem eigenen Namen in der Firma. Erst 1939 entsteht der erste eigene Unternehmenssitz in der Ulmer Straße.
Und dann kommt die Wendung, die niemand in Esslingen geplant hatte. 1950 steht der älteste Sohn des Gründers auf einer Handelsmesse in Chicago vor einer Technik, die in Deutschland kaum jemand verkauft, und erkennt, was sie für die Automatisierung bedeutet. Was danach passiert, macht aus einem Holzmaschinenhersteller einen Lieferanten der Weltindustrie, mit einem ersten vollständigen Pneumatikprogramm von 166 Positionen und einer Firma, die heute über 20.000 Menschen beschäftigt. Am Ende steht ein Schnitt mitten durch das Haus, aus dem zwei Weltmarken hervorgehen, die bis heute derselben Familie gehören.
Wo die Quellen auseinandergehen, sagen wir das im Video offen, statt eine Zahl als die einzig wahre zu verkaufen.
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