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Konstruktion von Langbogen aus Oberflacht der Merowingerzeit

Holger Riesch

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Konstruktion von Langbogen aus Oberflacht der Merowingerzeit

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Holger Riesch
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Holger Riesch: Alamannische Pfeile und Bogen. In: Das Bogenbauer-Buch. Europäischer Bogenbau von der Steinzeit bis heute. Flemming Alrune, Wulf Hein, Jürgen Junkmanns, Boris Pantel, Holger Riesch, Achim Stegmeyer, Ulrich Stehli, Konrad Vögele und Jorge Zschieschang. Ludwigshafen. Verlag Angelika Hörnig. 2001. S. 104-124 Im alamannischen Gräberfeld von Oberflacht am Fuße des Berges Lupfen in der Landschaft Baar in Südwestdeutschland wurden im 19. Jh. mehrere Langbogen aus Eibenholz gefunden. Drei dieser Bogen aus dem 6. Jh. n. Chr. sind heute fast vollständig erhalten. Die größte Länge beträgt rund 183 cm. Der Beitrag von H. Riesch widmet sich den in eigener Anschauung im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart in den 1990er Jahren eingehend untersuchten Bogen aus der Merowingerzeit. Es wurden praktische Rekonstruktionen angefertigt, mit nachempfundenen Pfeilen experimentelle Tests durchgeführt und die Resultate in der archäologischen und bogenkundlichen Fachliteratur national wie international veröffentlicht. Bei der bedeutenden Landesausstellung Baden-Württemberg "Die Alamannen" in Stuttgart, Zürich und Augsburg von 1997-1998 waren zwei meiner nachgebauten Oberflacht-Bogen mit Pfeilen und eisernen Spitzen zu sehen. Die Spitzen hatte Ulrich Stehli nach Funden aus dem 6./7. Jh. n. Chr. authentisch geschmiedet. Die bogenkundlichen Hauptmerkmale der Oberflacht-Bogen sind: eine lange und abgesetzte, U-förmige Griffpartie ein leicht paddelförmiges Funktionsdesign in der Draufsicht fünfeckige Profile (hoch oder abgeflacht) der arbeitenden Wurfarme Sehnenüberstände mit Kerben oder Löchlein für einen Sehnenhalter Die konservierten und im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart ausgestellten Oberflacht-Bogen bestehen aus Eibenholz von guter Qualiät. Darüber hinaus wurde auch Ulmenholz für den Bogenbau verwendet. Hier sind jedoch lediglich Fragmente erhalten. Ein etwas längeres, fünfeckiges Bruchstück eines Bogenarms im Magazin des Landesmuseums Württemberg besteht wiederum aus Eibe. Zur Herstellung der Langbogen wurden möglichst astfreie Stämme kleinerer bis mittlerer Durchmesser bearbeitet. Die Bäume waren an schattigen Plätzen oder auch in Höhenlagen an geeigneten Standorten, womöglich im südlichen Schwarzwald, verhältnismäßig langsam gewachsen, so dass sich enge Jahresringe bildeten. Dies begünstigte werkstofflich im Biegeverhalten zähe und leistungsstarke Holzbogen selbst bei relativ geringen Gesamtlängen wie den Exemplaren aus Oberflacht. Im Lebensbild kann von einem Jagdgebrauch mit Zieldistanzen von maximal 40-50 Metern ausgegangen werden. Auch in Konfliktfällen spielte die Bogenwaffe zur Merowingerzeit eine Rolle. Die Oberflacht-Bogen verlang(t)en aufgrund ihres besonderen Funktionsdesigns einen angepassten Pfeilauszug. Die Pfeillängen betrugen bei den Originalfunden in situ lediglich etwa 65 cm ("zwei Fuß"). Das korrespondiert mit der technischen Auslegung der Bogen. Die angetroffenen Pfeilschäfte waren zur Spitze hin bis 11-12 mm verdickt mit einer kelchförmigen Nocke. Man kann hierfür fingerbasierte oder daumenunterstützte Techniken rekonstruieren. Sie gingen mit einem kurzen Auszugsweg als angerissenem und gleichzeitig kontrollierten Schuss einher. Solche hergebrachten Techniken sind beim aktuellen Bogenschießen als Sport mit zumeist laminierten Lang- oder Recurvebogen nicht mehr üblich und werden in ihrer praktischen Qualität deshalb auch selten wirklich verstanden. Man kann nur nachdrücklich darauf hinweisen, dass beim Einsatz unter Feldbedingungen in historischer Zeit selbstredend nicht der Bogen den Schaden verursachte, sondern zielballistisch der Pfeil. Die Machart der Oberflacht-Bogen erfordert im Gebrauch durch heutige Schützen eine Umstellung von der üblichen Lehrbuch-Ergonomie auf dynamischere und flexiblere Techniken mit kurzer Ankerzeit und kopflastigen, wie es die Ausgräber im 19. Jh. formulierten: "auf den Schwung berechneten" Holzpfeilen mit Blattspitzen aus Eisen. Bei ungeübter Handhabung bringen die Oberflacht-Bogen trotz oder gerade wegen ihrer spezifischen Vorteile selbst biegefreudige Hölzer wie Eibe bruchmechanisch relativ schnell an die Grenzen des Machbaren. Das zeigten die Nachbauten in der Praxis eindeutig. Maximale Zugstärken liegen bei den gegebenen Bogenlängen um 70-80 lbs. Dies war im Naturraum der Baar zwischen Südschwarzwald und Schwäbischer Alb für die genannten Zwecke völlig ausreichend. Die fünfeckigen Wurfarme machten die Bogen schnell, die langen und verstärkten Griffe wirkten Handschock beim Pfeilablass entgegen. Es spricht für die Expertise als Holzhandwerker und Bogenschützen, dass die Alamannen vom Stamm der Lentienser diese Innovationen ausprobierten und zu meistern verstanden. Anleitung zum Bogenbau: https://books.google.de/books?id=U9wA... https://opac.regesta-imperii.de/lang_...