Sabine Schiffer: Wie Medien uns auf Krieg einstimmen
Patrik Baab
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Sabine Schiffer: Wie Medien uns auf Krieg einstimmen
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Werden die Medien zur Kriegspartei?
Die Bundesregierung fordert Kriegstüchtigkeit, die Rüstungsausgaben steigen und die öffentliche Debatte wird zunehmend von militärischen Bedrohungsszenarien bestimmt. Doch welche Rolle spielen die Medien dabei?
Die Medienwissenschaftlerin Prof. Sabine Schiffer kritisiert, dass Journalisten in Kriegs- und Krisenzeiten häufig die strategische Kommunikation von Regierungen, Thinktanks und Lobbygruppen übernehmen, statt deren Aussagen unabhängig zu überprüfen.
Ihre These: Viele Journalisten betreiben nicht bewusst Propaganda. Sie haben politische Deutungsmuster so weit verinnerlicht, dass sie diese kaum noch hinterfragen.
Im Gespräch mit Patrik Baab erklärt Sabine Schiffer, wie Kriegspropaganda funktioniert, warum kritische Stimmen aus Redaktionen verschwinden und weshalb wirtschaftliche Abhängigkeiten die journalistische Unabhängigkeit gefährden.
Ein Schwerpunkt ist die Berichterstattung über den Ukraine-Krieg und andere militärische Konflikte. Warum werden vergleichbare Ereignisse unterschiedlich bewertet? Welche Rolle spielen Feindbilder, Geheimdienstinformationen und die Auswahl bestimmter Begriffe?
Sabine Schiffer kritisiert zudem die Macht professioneller PR-Apparate. Regierungen, Unternehmen und Lobbygruppen verfügen über erhebliche Mittel, um öffentliche Debatten zu beeinflussen. Der Journalismus müsste diese Interessen kritisch prüfen, übernimmt nach ihrer Einschätzung jedoch zu häufig deren Sichtweisen.
Im Gespräch geht es unter anderem um:
– Medien als Treiber oder Getriebene der Kriegspolitik
– Kriegspropaganda und journalistische Verantwortung
– Die Berichterstattung über Russland und die Ukraine
– Politische Feindbilder und doppelte Maßstäbe
– Geheimdienste, Thinktanks und strategische Kommunikation
– Selbstzensur und wirtschaftlichen Druck in Redaktionen
– Die Macht von Lobbyismus und Public Relations
– Die Rolle von Sprache, Bildern und Framing
– Politische Inszenierungen in Talkshows
– Die Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
– Medienkonzentration und wirtschaftliche Abhängigkeiten
– EU-Regulierung, Desinformation und Meinungsfreiheit
– Medienkompetenz und demokratische Kontrolle
Besonders anschaulich beschreibt Sabine Schiffer, wie Selbstzensur entsteht: Journalisten lernen im Berufsalltag, welche Themen erwünscht sind und welche Fragen besser nicht gestellt werden. Eine ausdrückliche Anweisung ist dafür häufig gar nicht notwendig.
Auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sieht sie kritisch. Sie hält die Idee einer unabhängigen öffentlichen Finanzierung weiterhin für sinnvoll, fordert aber grundlegende Reformen seiner Strukturen und Kontrollgremien.
Zum Abschluss erklärt Sabine Schiffer, wie Zuschauer und Leser Manipulation erkennen können. Entscheidend seien die kritische Prüfung von Quellen, Wortwahl, Bildern und Auslassungen sowie eine systematische Medienbildung.
Ihr Ziel: Medien, die nicht Partei ergreifen, sondern als unabhängige Instanz gesellschaftliche Debatten ermöglichen.
Ein Gespräch über Kriegspropaganda, Medienmacht, journalistische Verantwortung und die Zukunft der Demokratie.
Kapitel:
00:00 - Intro
01:22 - Medien auf dem Weg in den Krieg?
03:25 - Treiber oder Getriebene?
06:53 - Feindbilder & Grundgesetz
13:33 - Journalismus als Kriegspartei
16:27 - Strategische Kommunikation & Geheimdienste
22:42 - Kriegsberichterstattung & Aktualisierung
27:11 - Ökonomischer Druck & Konformismus
33:40 - Symptomberichte & Tabuthemen
39:10 - Think Tanks & Medienpräsenz
44:10 - PR-Apparate vs. freier Journalismus
52:13 - Besitzverhältnisse & Rundfunkkrise
55:15 - Versagen des öffentlich-rechtlichen Systems
01:00:13 - Soziale Selektion im Journalismus
01:07:54 - Transatlantische Netzwerke & Politiknähe
01:12:30 - Zensur & Desinformationsdebatte
01:16:17 - Manipulation & kritisches Lesen
01:21:00 - Medienkompetenz an Schulen
01:26:30 - Fazit: Demokratisierung der Medien
Hinweis:
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