Der Bahnhof unter Stuttgart, der nicht eröffnen kann
Modellfall
0:00 / 0:00
Der Bahnhof unter Stuttgart, der nicht eröffnen kann
534 просмотра · 5 дн. назад
Modellfall
3 подписчика
534 просмотра · 5 дн. назад
Du gehst hinunter in eine weiße Halle. Über dir stehen trichterförmige Säulen, durch runde Fenster fällt Tageslicht. Die Bahnsteige liegen bereit, aber auf den Gleisen steht kein Zug. Das ist Stuttgart 21, der neue Tiefbahnhof unter dem Zentrum von Stuttgart. Geplant war seine Eröffnung für 2019. Jetzt liegt der Termin bei Dezember 2031.
Der heutige Stuttgarter Hauptbahnhof ist der Bonatzbau. Paul Bonatz plant ihn als Kopfbahnhof, gebaut wird er von 1914 bis 1928. Sechzehn Gleise enden dort an Prellböcken. Ein Zug fährt hinein, hält am Ende des Gleises und verlässt den Bahnhof auf demselben Weg, auf dem er gekommen ist. Der Plan, der 1994 vorgestellt wird, dreht die Gleise um etwa neunzig Grad. Die Bahnsteige liegen rund elf Meter unter der Stadt, und die Züge sollen dort auf acht Gleisen durchfahren. Mitte der neunziger Jahre soll das rund zweieinhalb Milliarden Euro kosten. 2009 liegt die Grenze schon bei viereinhalb Milliarden Euro. 2010 wird der Nordflügel des alten Bahnhofs abgerissen, im Schlossgarten und in der Stadt kommt es zu Protesten. Am 27. November 2011 stimmen die Menschen in Baden-Württemberg ab, und knapp 59 Prozent stimmen dafür, Stuttgart 21 weiterzuführen.
1997 gewinnt der Entwurf von Christoph Ingenhoven, Frei Otto berät ihn dabei. Das Dach ruht auf achtundzwanzig Kelchstützen, und durch siebenundzwanzig Lichtaugen fällt Tageslicht in den Tiefbahnhof. Die letzte Kelchstütze wird im Juni 2023 gegossen. Ende 2023 liegt die Rechnung bei rund elf Milliarden Euro. Die Strecke zwischen Wendlingen und Ulm ist seit Dezember 2022 in Betrieb. In der Halle hält trotzdem kein Zug.
Acht Gleise können die Aufgabe von sechzehn Gleisen nur übernehmen, wenn die Züge enger aufeinanderfolgen. Dafür muss das System genau erkennen, wo ein Zug ist, welche Strecke frei bleibt und wann der nächste Zug weiterfahren darf. Diese Aufgabe übernimmt ein digitales Zugsicherungssystem namens ETCS, der Zug bekommt seine Fahrerlaubnis per Funk. Das ganze Vorhaben heißt Digitaler Knoten Stuttgart. Dazu gehören digitale Stellwerke und ETCS in der Stufe zwei, in der ersten Ausbaustufe auf rund 125 Kilometern Strecke. Genau dieser Digitale Knoten ist der verspätete Teil.
Am 19. November 2025 sagt die Bahn die Eröffnung im Dezember 2026 ab. Am 26. Juni 2026 erklärt Bahnchefin Evelyn Palla, warum. Der neue Plan geht in Stufen vor. Ab Dezember 2027 geht eine erste Stufe in Betrieb, noch über den alten Bahnhof. Der neue Hauptbahnhof soll im Dezember 2031 öffnen. Neuer Projektchef ist Klaus Müller, ein Spezialist für Digitalisierung. Die Eröffnung war zuerst für 2019 geplant, dann für Dezember 2025, danach für Dezember 2026. Die Kosten liegen inzwischen bei rund 14,5 Milliarden Euro, und jedes Jahr Verzögerung kostet rund 300 Millionen Euro, schätzt die Bahn.
Zuerst entsteht, was man sehen kann. Die Halle ist fertig. Das System, das die Züge durch sie schickt, ist es nicht.
Wir haben den Bonatzbau, den Tiefbahnhof und seine Kelchstützen aus Pappe nachgebaut, um zu zeigen, wie aus einem Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof wird und warum in der fertigen Halle noch kein Zug hält.
Kapitel
0:00 Die leere Halle
0:42 Ein Bahnhof mit Ende
1:16 Um 90 Grad gedreht
2:22 Achtundzwanzig Kelche
3:11 Was fehlt
4:35 Der geplatzte Termin
6:44 Ein Bahnhof ohne Gehirn
Modellfall: Große Geschichten, klein gebaut.
@ModellfallTV
#Stuttgart21 #Stuttgart #DeutscheBahn