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Hier wurde Audi gegründet — und 1991 lief der letzte Trabant vom Band: Zwickau, Sachsen

Verlorener Glanz

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Hier wurde Audi gegründet — und 1991 lief der letzte Trabant vom Band: Zwickau, Sachsen

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Verlorener Glanz
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Am 10. Mai 1904 ließ August Horch in Zwickau seine Motorwagenwerke eintragen — in einer ehemaligen Textilfabrik. Fünf Jahre später warf ihn der eigene Aufsichtsrat hinaus. Horch kaufte eine leerstehende Holzwarenfabrik in der Nachbarstraße, durfte seinen Namen aber nicht mehr verwenden: Der gehörte jetzt der Firma, aus der man ihn entlassen hatte. Also übersetzte er ihn ins Lateinische. Horch heißt hör hin. Auf Latein: audi. Am 25. April 1910 kam die Audi Automobilwerke mbH ins Register. In Zwickau. Nicht in Ingolstadt. Diese Folge erzählt eine Stadt, die dreimal ihre Grundlage verlor — und dreimal derselbe Ort blieb: einer, an dem Autos gebaut werden. Der erste Verlust liegt unter der Stadt. Die Nutzung der Zwickauer Steinkohle ist seit 1348 urkundlich belegt; die früheste Erwähnung ist ein Verbot in den Schmiedeartikeln des Stadtrechtsbuchs. Am 29. September 1978 wurde im Steinkohlenwerk Martin Hoop die letzte Tonne gefördert — mehr als sechshundert Jahre Bergbau waren zu Ende. 1969 arbeiteten dort über 7.200 Menschen, 1981 noch 150. Geblieben ist ein Hohlraum: Der Dom St. Marien sank durch den Abbau ab, hob sich nach 1989 wieder und musste gesichert werden. Der zweite Verlust ist ein Verwaltungsakt. 1932 gingen Audi, Horch, DKW und Wanderer in der Auto Union AG auf — vier Marken, vier Ringe. 1938 kam jeder fünfte Neuwagen Deutschlands aus Zwickau. Nach 1945 wurden die Werke demontiert und enteignet; im August 1948 wurde die Auto Union AG aus dem Chemnitzer Handelsregister gelöscht und am 3. September 1949 in Ingolstadt neu gegründet. Die Marke ist nicht umgezogen. Sie wurde hier gestrichen und dort neu geschrieben. Der dritte Verlust hat eine Uhrzeit. Am 30. April 1991 um 14:51 Uhr lief in Zwickau-Mosel das Fahrzeug mit der Nummer 3.096.099 vom Band: ein rosafarbener Trabant 1.1 Universal. Seit dem 7. November 1957 waren hier gut drei Millionen Trabant entstanden. Bis 1991 arbeiteten im Werk rund 11.000 Menschen; am alten Standort blieben danach etwa 600. Wir reden über Duroplast, Wartezeiten und Preise — ohne Witze über ein Auto, für das Familien zehn Jahre sparten. Und dann kam die Wendung. Am 26. Juni 2020 verließ das letzte Fahrzeug mit Verbrennungsmotor das Werk in Mosel, nach 116 Jahren Automobilbau in dieser Stadt. Das Werk schloss nicht. Es fertigt seither ausschließlich elektrisch — sechs Modelle dreier Marken, darunter zwei Fahrzeuge jener Marke, die 1910 hier gegründet und 1948 hier gelöscht wurde. Die Einwohnerzahl fiel derweil von 138.844 (1950) auf 87.935 (Ende 2024). Zwickau ist keine Geisterstadt, sondern ein Ort, der dreimal den Inhalt wechselte, nicht den Beruf. Was du in dieser Folge erfährst: — Wie aus einer Tuch- und Bergstadt eine Autostadt wurde: 1348 die erste Erwähnung der Kohle, 1470 das Silber vom Schneeberg, 1838 der industrielle Bergbau, ab 1904 August Horch — und warum 1910 in Zwickau der Name Audi entstand — Wie die vier Ringe nach Bayern kamen: die Auto Union von 1932, der Höhepunkt 1938, Zwangsarbeit im Konzern 1939 bis 1945, Demontage und Enteignung, das Ingolstädter Ersatzteildepot von 1945 und die Neugründung 1949 — Was der Trabant technisch wirklich war: Duroplast aus Baumwollresten und Phenolharz auf einem Stahlgerippe, der P 70 ab 1955, der P 50 ab 1957, der 601 und der 1.1 — und was Wartezeiten von zehn bis sechzehn Jahren für eine Familie bedeuteten — Was heute da ist: das August-Horch-Museum in der Audi-Halle von 1912, das Robert-Schumann-Haus mit über 4.000 Handschriften, die Bergbausanierung — und ein Werk mit rund 8.000 Beschäftigten, das nur noch elektrisch baut Bildungsinhalte zur Geschichte. Quellen — Sächsisches Staatsarchiv, Bestand 31076: VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau (archiv.sachsen.de) — Sächsisches Staatsarchiv, Bestand 40124: VEB Steinkohlenwerk Martin Hoop (archiv.sachsen.de) — Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie: Die Steinkohlenlagerstätte Zwickau (publikationen.sachsen.de) — Stadt Zwickau: Industriekultur Audiwerke, Stadtchronik, Pressemitteilung zum 21. Mai 1990 (zwickau.de) — Deutsche Bundesstiftung Umwelt: Dom St. Marien Zwickau, Projekt 07435/01 (dbu.de) — und weitere Quellen #Geschichte #Sachsen #Zwickau #Trabant #Industriekultur ℹ️ Über dieses Video Dieses Video dient Bildungs- und Informationszwecken und behandelt historische Inhalte. Recherche, Skript und Schnitt stammen vom Autor und beruhen auf den in der Beschreibung genannten Quellen. Die Bildrekonstruktionen und die Stimme des Erzählers — einer erfundenen Figur — wurden mithilfe von KI erstellt und dienen der Veranschaulichung; es handelt sich nicht um echte Aufnahmen oder um authentisches Archivmaterial. Die Darstellung ist für ein breites Publikum vereinfacht, einzelne Angaben sind gerundet oder angenähert. Ziel ist es, zu informieren und zu erinnern.