In schwindelnder Höhe .. von Lupoglav (Kroatien) über Buzet nach Divača (Slowenien)
Jochen Pursche's Rock'n'Rail Channel
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In schwindelnder Höhe .. von Lupoglav (Kroatien) über Buzet nach Divača (Slowenien)
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Daß Ex-Jugoslawien zu Sozialismuszeiten ein ideales Land war, um Wildwest- und Indianerfilme zu drehen, läßt sich hier wohl ein wenig erahnen. Diese atemberaubenden Landschaften kommen dem Flair des amerikanischen Westens tastsächlich nahe.
2003, im Jahr der Handlung dieses Films, hatte der Autor streckenbereisungsmäßig Tschechien, Polen, die Slowakei und Ungarn weitestgehend 'erledigt' und weitete sein Betätigungsfeld auf die Balkanregion aus. Daß er damit bis heute nicht komplett 'durch' ist, hat viele Ursachen, die oft auch in der Entwicklung der Eisenbahnen dieser Länder nach dem Jugoslawienkrieg zu suchen sind. Dabei sind die 'Lücken' nach Süden zu größer als z.B. in Slowenien (gar nichts mehr offen) oder Kroatien.
Eine der ersten Balkanreisen startete im Frühjahr 2003, und dabei stand auch die Istrien-Bahn nach Pula auf dem Programm. Das war schon damals gar nicht so einfach, obwohl es da noch zweimal täglich die grenzüberschreitenden Personenzüge Divača - Buzet gab, jedoch zu nicht gerade günstigen Zeiten. So wurde gleichzeitig die Gelegenheit zum erstmaligen Bereisen der Strecke Pivka - Rijeka genutzt, und von dort der Schnellbus nach Lupoglav genommen. Dann ging's nach Pula, und auf der Rückfahrt durch bis Divača.
Ein Jahr später bereisten wir im Rahmen einer Sonderfahrt dann auch die Strecke Lupoglav - Luka Bršica, und so entstand Videomaterial, das locker für drei separate Filme reicht. Pula kommt also später, wir reisen heute virtuell von Lupoglav nach Divača - definitiv der spektakulärste Abschnitt der Istrienbahn.
Wir haben es hier mit einer Region zu tun, die eine bewegte jüngere Geschichte hinter sich hat. Als diese Bahn entstand, war hier Österreich. Am 20.09.1876 wurde die in Divača von der österreichischen Südbahn Wien - Triest abzweigende Strecke in einem Sück eröffnet. Sie ist also kürzlich 150 Jahre alt geworden. 1860 kam noch eine Zweigstrecke von Hrpelje-Kozina nach Triest-St. Andrae hinzu, die jedoch im Zuge der politischen Veränderungen bereits 1960 wieder eingestellt wurde.
Die Bedeutung des Baus dieser Strecke lag im Hafen Pula, der zu jener Zeit zum österreichischen Hauptkriegshafen ausgebaut wurde. Doch später, mit dem immer mehr erstarkenden Tourismus, ging die Bedeutung mehr und mehr in diese Richtung.
Im Oktober 1918 gab es die erste einschneidende Veränderung. Nach dem 1. Weltkrieg und dem Zerfall Österreich-Ungarns kam die gesamte Region an Italien, den Betrieb führte nun die italienische Staatsbahn FS. Aus dieser Zeit rührt her, daß viele Orte in Istrien heute noch italienische Zweitnamen haben, weil es hier immer noch eine italienische Minderheit gibt.
Die italienische Ära währte nur bis nach dem zweiten Weltkrieg, dann wurde Istrien fast vollständig Jugoslawien zugesprochen. Lediglich ein Streifen mit Triest im Zentrum blieb italienisch. Damit tat sich aber ein neues Problem auf, denn Jugoslawien fehlte nun der florierende Triester Hafen! Deshalb wurde intensiv das benachbarte Koper als neuer jugoslawischer Hafen ausgebaut und 1967 eine Neubaustrecke dorthin eröffnet. Diese wurde bei Prešnica aus der Istrienbahn ausgefädelt, welche dafür auch von Divača bis dorthin elektrifiziert wurde. Dieser Hafen boomt heute derart, daß die Koperbahn längst am Limit fährt, weswegen schon eine Neubaustrecke von Divača nach Koper im Bau ist, die deutlich mehr Kapazität haben wird. Wer also noch nicht in Koper war und die Bestandsstrecke noch bereisen möchte, sollte nicht lange warten.. Denn die kommt nach Eröffnung der Neubaustrecke weg.
In der jugoslawischen Zeit stieg der Tourismus in Istrien weiter sprunghaft an. Internationale Kurswagenläufe, auch aus Deutschland, erreichten Pula mit innerjugoslawischen Schnellzügen. Und natürlich überquerte die Strecke auch in dieser Zeit schon die slowenisch - kroatische Grenze, die aber unbedeutend war, denn es war ja ein Land..
Der Zerfall Jugoslawiens 1991 machte daraus plötzlich eine Staatsgrenze mit Paß- und Zollkontrolle. Buzet war nun Grenzbahnhof. Nach und nach wurde der Reiseverkehr ausgedünnt. Es gab (und gibt) nur noch einen durchgehenden Schnellzug Ljubljana - Pula in der Hauptsaison. Wie erwähnt, gab es lange Zeit zusätzlich 2 grenzüberschreitende tägliche Personenzugpaare Divača - Buzet, wo man in den kroatischen Zug umsteigen konnte und umgekehrt. Auf kroatischer Seite gab und gibt es zwei weitere Personenzugpaare zwischen Lupoglav und Pula. In Lupoglav wird mittels einer Schnellbuslinie die Verbindung zum kroatischen Binnennetz über Rijeka hergestellt.
Der Güterverkehr war in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Inzwischen gibt es aber Hoffnung, denn die Luka Bršica-Strecke wird reaktiviert, und erste Verkehre laufen schon.
Inzwischen sind beide Länder EU-Mitglieder und in der Euro-Zone, so daß zumindest die Grenzkontrollen nicht mehr stattfinden. Vielleicht ist das ja ein Signal für zukünftig wieder mehr Reiseverkehr auf der Strecke..
Doch nun - auf in 'schwindelnde Höhen'.. Gute Fahrt!
Daten aus Wikipedia.