DIE HELLER DYNASTIE, DIE AUS UHRMACHERWERKZEUG DIE MOTORENFERTIGUNG DER WELT BAUTE
Die Zweite Reihe
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DIE HELLER DYNASTIE, DIE AUS UHRMACHERWERKZEUG DIE MOTORENFERTIGUNG DER WELT BAUTE
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Im Februar 1894 liegen in einer Werkstatt in Nürtingen Uhrmacherzangen, Kaminaufsätze aus Blech und das Geländer einer Wendeltreppe. Sieben Gesellen, drei Lehrlinge, kein Konstrukteur im Haus. Der Mann, dem das gehört, ist 25 Jahre alt, heißt Hermann Heller und verkauft zum Teil Ware, die andere für ihn bauen. 130 Jahre später stehen in Motorenwerken auf mehreren Kontinenten Maschinen, auf denen sein Nachname steht.
Diese Folge erzählt, wie aus einem Handelsgeschäft für geschützte Artikel und Uhrmacherwerkzeug einer der bekanntesten deutschen Werkzeugmaschinenbauer wurde. Es ist keine Geschichte vom genialen Einfall. Es ist die Geschichte einer Reihe von Entscheidungen, von denen jede einzelne gegen die bequemere Möglichkeit fiel.
Wir gehen den Weg Schritt für Schritt. Die ersten Adressen in der Wörthstraße und der Alleenstraße, die Parallelschraubstöcke, die zunächst bei einem fremden Mechanikermeister entstanden, und der Umzug von 1895 in den Steinernen Bau, das ehemalige Gebäude einer Strickwarenfabrik. Dann das Jahr 1898, in dem HELLER mit Kaltkreissägen zum Sägen von Metallen, mit Sägeblattschärfmaschinen und mit Gewindeschneidapparaten in den Maschinenbau einsteigt. Wer diese drei Erzeugnisse nebeneinanderlegt, erkennt den eigentlichen Griff dieser Firma: Sie baute zuerst nicht Maschinen für Werkstücke, sondern Maschinen, die Werkzeug in Form halten.
Dazu kommt die erste aufsehenerregende Entwicklung von Hermann Heller, die tragbare Oscillirsäge für den Gleisbau, eine Maschine, die zur Arbeit getragen wird und nicht umgekehrt. Und dann der Tag, den mehrere Quellen die eigentliche Geburtsstunde des Unternehmens nennen, obwohl die Firma da schon sechs Jahre existiert: der 5. Januar 1900, Handelsregistereintragung der Gebrüder Heller Werkzeug- und Maschinenfabrik in Nürtingen. Teilhaber sind zwei Brüder, Ernst Heller als gelernter Kaufmann und Hermann Heller als Techniker. Diese Arbeitsteilung ist der Bauplan der ganzen Firma.
Ab 1908 folgen die Radialbohrmaschinen, mit denen HELLER zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt wird, weit über Schwaben hinaus, bis zu Anfragen von überseeischen Kunden. In den fünfziger Jahren kommt der Schritt, der den Titel dieser Folge erklärt: Sondermaschinen und Transferstraßen für die Fahrzeugindustrie. Ab da liefert Nürtingen nicht mehr einzelne Maschinen, sondern die Bearbeitung eines Motorbauteils als Ganzes. In den sechziger Jahren übernehmen Hubert und Berndt Heller als dritte Generation und machen aus der Maschinenfabrik eine internationale Gruppe mit Werken in mehreren Märkten, darunter Produktionswerke in England.
Am Ende steht die heutige HELLER Gruppe mit CNC-Werkzeugmaschinen und kompletten Fertigungssystemen, ein Umsatz von 537 Millionen Euro im Jahr 2024 und das 130-jährige Jubiläum am 7. Februar 2024. Und dann kommt der Bruch, mit dem keine Jubiläumsschrift gerechnet hatte. Was am 28. Januar 2026 passiert ist und was es für Marke und Standort bedeutet, steht am Schluss der Folge.
Wo die Quellen auseinandergehen, sagen wir das offen: beim exakten Firmennamen von 1894 und bei der Zahl der Mitarbeitenden. Und eine verbreitete Behauptung über den Anfang dieser Firma halten wir nicht aufrecht, weil sich für sie kein Nachweis findet.
Wenn dich Industriegeschichte interessiert, die niemand im Laden kaufen kann und von der trotzdem fast alles abhängt: abonnieren, Daumen hoch und in die Kommentare schreiben, welchen Werkzeugmaschinenbauer wir uns als Nächstes ansehen sollen.