Die Deutschen liehen dem Reich 98 Milliarden Mark — wer hat sie zurückbekommen?
Deutschlands Geist
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Die Deutschen liehen dem Reich 98 Milliarden Mark — wer hat sie zurückbekommen?
Quellen und weiterführende Literatur:
— Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen
(Aufwertungsgesetz), RGBl. 1925
— Gesetz über die Ablösung öffentlicher Anleihen
(Anleiheablösungsgesetz), RGBl. 1925
— Ermächtigungsgesetz und Darlehenskassengesetz vom 4. August 1914, RGBl. 1914
— Carl-Ludwig Holtfrerich, Die deutsche Inflation 1914–1923
Im November 1923 kostete ein Brot Milliarden. Schubkarren voller Geldscheine,
Kinder, die mit Tausendmarkscheinen spielen — so erinnert Deutschland den Tag,
an dem sein Vermögen verschwand. Das Bild stimmt. Der Zeitpunkt nicht.
Das Geld der deutschen Mittelschicht war 1923 längst weg. Es war neun Jahre
vorher verliehen worden. Zwischen 1914 und 1918 zeichneten Lehrer, Handwerker,
Beamte und Witwen neun Kriegsanleihen über rund 98 Milliarden Mark — etwa
sechzig Prozent aller deutschen Kriegsausgaben. Verzinst mit fünf Prozent, und
zahlen sollte diese Zinsen der besiegte Gegner. Die Inflation hat dieses Geld
dann nicht zerstört. Sie hat nur verhindert, dass es zurückgezahlt werden
musste. Denn eine Entwertung vernichtet kein Vermögen, sie vernichtet
Forderungen: Wer Geld zu bekommen hatte, verlor. Wer Sachwerte besaß, behielt
sie. Wer Schulden hatte, wurde befreit.
Dieses Video erzählt die vollständige Geschichte hinter den Kriegsanleihen:
warum am 4. August 1914 die Goldeinlösepflicht der Reichsbank aufgehoben wurde
und was das bedeutete. Warum Großbritannien und Frankreich den Krieg über
Steuern finanzierten und das Reich nicht — und welche Rolle die französische
Reparation von 1871 bei dieser Entscheidung spielte. Wie neun Zeichnungs-
kampagnen organisiert wurden, von der Kanzel bis zur Schulklasse, und was es
mit „Gold gab ich für Eisen" auf sich hatte. Warum die Zeichnungssummen bis
1918 stiegen, obwohl die Begeisterung längst gefallen war. Und was am 16. Juli
1925 geschah, als der Reichstag an einem einzigen Tag zwei Gesetze beschloss:
das Aufwertungsgesetz, das private Hypotheken auf 25 Prozent aufwertete — und
das Anleiheablösungsgesetz, das die eigenen Kriegsanleihe-Zeichner des Staates
mit 2,5 Prozent abfand.
Wir zeigen die vier Gewinner dieser Jahre — den Schuldner, dessen Hypothek
verdampfte, den Industriellen, der Kredite aufnahm, um Sachwerte zu kaufen,
den Hausbesitzer, der nichts tun musste, und den größten Schuldner von allen:
das Reich selbst, das zugleich darüber entschied, wie viel es zurückzahlen
musste. Wir zeigen, was aus den 2,5 Prozent wurde — eine Ablösungsanleihe mit
Laufzeit bis 1956, unkündbar, deren Verzinsung erst nach dem Ende der
Reparationszahlungen beginnen sollte. Und wir zeigen, warum ein Teil dieser
Schuld am Ende verlost wurde.
Am Ende steht eine Frage, die jeder für sich beantworten muss: Wenn der Staat
morgen eine Anleihe auflegt und sie eine nationale Aufgabe nennt — zeichnen Sie?
Schreiben Sie in die Kommentare, wer aus Ihrer Sicht am meisten gewann — der
Schuldner, der Industrielle, der Hausbesitzer oder das Reich. Und ob in Ihrer
Familie jemand gezeichnet hat.
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