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Die Glocke der Martin-Luther-Kirche zu Klein Vahlberg

Engerlingraucher

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Die Glocke der Martin-Luther-Kirche zu Klein Vahlberg

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...und ihre Restaurierung... Klein Vahlberg ist eine Ortschaft mit nicht einmal 220 Einwohnern im Landkreis Wolfenbüttel. Seit Jahrhunderten bildet die Martin-Luther-Kirche das Herz des Dorfes. Ihr Turm stammt noch aus dem frühen 16. Jahrhundert, während das Kirchenschiff im Jahr 1804 in schlichten, spätbarocken Formen neu errichtet wurde. Die gesamte klassizistische Ausstattung aus dieser Zeit ging bei einer Kirchenrenovierung Mitte der 1970er-Jahre vollständig verloren. Zwei spätbarocke Gemälde im Kircheninneren wurden 1987 erworben. Sie befanden sich früher in der Schlosskapelle zu Salzdahlum. Auch wenn in Bezug auf die historische Ausstattung ein radikaler Einschnitt vorgenommen wurde, besitzt die Kirche dennoch ein immerhin deutlich hörbares Relikt der Vergangenheit. Die heute vorhandene Glocke ist ein Werk des Wolfenbütteler Glockengießers Michael Appe aus dem Jahr 1657. Eine einst zweite vorhandene Glocke, die ursprünglich 1649 gegossen und 1802 umgegossen wurde, ist ein Opfer des Ersten Weltkrieges geworden. Die Klein Vahlberger Glocke ist eines von nur wenigen erhalten gebliebenen Instrumenten Appes. Für den Guss dieser Glocke verwendete er offenkundig zu wenig Metall, sodass die Krone nicht zur Gänze ausgegossen wurde. Stattdessen entfernte man die Reste nach dem Guss und versah die Glocke mit einer aus drei Teilen bestehenden geschmiedeten Eisenkrone, die von innen mit Splinten befestigt war. Noch vor der großen Kirchenrenovierung im Jahr 1975 entfernte man den einst vorhandenen Holzglockenstuhl und ersetzte diesen durch eine Stahlkonstruktion. Die Glocke wurde in diesem Zuge an ein ästhetisch fragwürdiges Stahljoch gehängt. Immerhin behielt man den vermutlich originalen Klöppel bei! Bis auf den Austausch der Läutemaschine in den 1990er-Jahren blieb die Läuteanlage unangetastet. Und das nicht nur in Bezug auf die gesamte Technik, sondern auch auf die jährlich stattfindende Wartung, die hier wohl mehr einen dekorativen Zweck verfolgte. Im Septmeber 2025 stellte der Verfasser diesen Zustand in einem Gutachten fest. Beim Ortstermin traten noch mehr Mängel zu Tage. Der eiernde Klöppel war dabei noch das geringste Problem. Die Splinte, welche die Krone hielten, waren völlig korrodiert und ein Eisenhenkel bereits gelockert. Ebenso hat der viel zu schwere Uhrschlaghammer Schäden am äußeren Schlagring hinterlassen. Der Zustand des Glockenstuhls und der Armaturen war nicht minder fragwürdig. Glücklicherweise lag im Schutt in der Glockenstube noch das alte, originale Eichenholzjoch, an dem die Glocke jahrhundertelang hing. Dieser Fund und der allgemeine Zustand der Läuteanlage waren der Anlass, dass die Verantwortlichen vor Ort schnell eine Lösung dieses Problems in Angriff nehmen wollten und eine Sanierung auf Grundlage der Empfehlungen des Verfassers in Auftrag gaben. Der Sanierungsplan sah folgende Punkte vor: Guss und Einschweißen einer neuen Krone nach historischem Vorbild (dabei konnte die Appe-Glocke im nahegelegenen Mascherode Hilfestellung leisten) Restaurierung des historischen Eichenholzjoches mit Anfertigung neuer Beschläge Sanierung, Umbau und Verzinken des Stahlglockenstuhls Überholung des originalen Klöppels Umbau des viel zu schweren Uhrschlaghammers Beibehaltung der Läutemaschine, jedoch Einbau einer neuen elektronischen Steuerung Einbau einer neuen Holzunterkonstruktion für den überarbeiteten Glockenstuhl Für diese Arbeiten konnte die Glockengießerei Scherler aus Wiesmoor gewonnen werden, während sich für die Neuanfertigung und das Einschweißen der Bronzekrone die niederländische Glockengießerei Eijsbouts verantwortlich zeichnete. Im Februar 2026 wurde die Glocke ausgebaut und in die Niederlande gebracht, während alle anderen Teile ein zeitlich begrenztes Refugium in Ostfriesland erhielten. Als Ersatz erhielten die Klein Vahlberger eine kleine, läutefähige Leihglocke aus dem Bestand der Glockengießerei Scherler, die immerhin bis zum September 2026 treu ihren Dienst verrichtete. Die nun sanierte Anlage zeigt sich in schönster Manier. Es ist gelungen, sowohl historische als auch neuere Teile zu einem sehr überzeugenden Gesamtergebnis zusammenzuführen, was nicht immer gut funktioniert. Aufgrund des relativ schwer konstruierten Klöppels kann die Glocke nur auf einem Schwungwinkel von etwa 50° läuten. Erstaunlicherweise verfügt die Glocke dennoch über ein gesundes Maß an Dynamik. Durch die schweißtechnische Reparatur erhöhte sich die Gesamtabklingdauer von 23 auf 52 Sekunden, was der Klangentfaltung des relativ schwerrippigen Instrumentes zugutekommt. Allen Verantwortlichen vor Ort sei herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen sowie den ausführenden Handwerksbetrieben für die professionelle Umsetzung sämtlicher Arbeiten gedankt! Zuständigkeiten: Martin-Luther-Kirchengemeinde Klein Vahlberg - Auftraggeber Glockengießerei E. Scherler - Sanierung der gesamten Läuteanlage Royal Eijsbouts - Guss und Einschweißen der neuen Krone Matthias Dichter - Glockensachverständiger