Alfred Escher: Warum er noch auf dem Sockel steht
Vom Sockel geholt
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Alfred Escher: Warum er noch auf dem Sockel steht
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Alfred Escher gilt als der Mann, der die moderne Schweiz gebaut hat: Eisenbahn, Gotthard, Kreditanstalt, Polytechnikum. Vier Fundamente, ein Lebenslauf. Nur wurde derselbe Mann vier Jahre vor der Eröffnung des Gotthardtunnels aus dem eigenen Projekt hinausgedrängt, und zwar nicht von Feinden, sondern von seinen eigenen Leuten. Das steht nicht auf dem Sockel vor dem Hauptbahnhof Zürich.
Wir holen Alfred Escher vom Sockel. Nicht mit dem Kran, sondern mit den Akten. Es geht um das «System Escher»: Zürcher Regierungsrat, Nationalrat von 1848 bis zu seinem Tod 1882, Direktionspräsident der Nordostbahn, Mitbegründer der Schweizerischen Kreditanstalt und der Rentenanstalt, alles gleichzeitig. Er beschloss als Politiker die Regeln einer Branche und leitete als Direktor das grösste Unternehmen genau dieser Branche. Nach heutigen Massstäben unvereinbar, nach damaligem Recht völlig zulässig. Die Zeitgenossen hatten trotzdem Namen dafür: «Der Prinzipal». «König Alfred der Erste».
Dazu die Entscheidung, die dieses Land bis heute prägt: das Eisenbahngesetz von 1852. Escher lobbyierte erfolgreich gegen die Staatsbahn, und das Ergebnis war ein privates Konkurrenznetz mit Doppelspurigkeiten, das 1898 per Volksabstimmung verstaatlicht werden musste. Das Herzstück der Schweizer Bahnromantik, die SBB, entstand als Korrektur an Eschers Grundsatzentscheid. Auch die ETH ist nur die halbe Geschichte: Die gleichzeitig geplante eidgenössische Universität scheiterte.
Und dann die Fragen, die auf keiner Bronzetafel stehen: die Toten beim Tunnelbau in Göschenen 1875 und die Schüsse auf die Streikenden. Die Herkunft des Familienvermögens und die Kuba-Plantage, ein Punkt, bei dem sich die Forschung uneinig ist. Der Grund, warum 2020 in Zürich ernsthaft diskutiert wurde, dieses Denkmal zu entfernen. Entfernt wurde es nicht. Interessanter ist die andere Frage: Warum will man ihn dort oben eigentlich haben?
Ein Kanal ohne Anästhesie, trocken, fies genau, im Dialog. Zwei Erzähler, keine Heldenverehrung, keine billige Abrechnung. Nur die Akten und die Frage, was Denkmäler systematisch verschweigen.
Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Artikel «Escher, Alfred», «Eisenbahnen», «Nordostbahn», «Credit Suisse»
Joseph Jung: Alfred Escher 1819-1882. Der Aufstieg der neuen Schweiz. NZZ Libro, 2006
Alfred-Escher-Stiftung, Briefedition (briefedition.alfred-escher.ch)
Hans Fässler: Reise in Schwarz-Weiss. Schweizer Ortstermine in Sachen Sklaverei, 2005
Stadt Zürich, Denkmalinventar / Kunst im Stadtraum
ETH Zürich, Institutionsgeschichte zum Eidgenössischen Polytechnikum
KAPITEL:
00:00 Der Mann auf dem Sockel
03:19 Eschers heimliche Machtfülle
06:34 Der Gotthard-Deal
09:51 Das Geld der Villa Belvoir
13:06 Warum er trotzdem dasteht
Hinweis: Die Stimmen dieser Folge sind mit KI erzeugt (geklonte bzw. synthetische Stimme). Recherche, Skript und Schnitt sind menschliche Arbeit.
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„Vom Sockel geholt“, Geschichte ohne Anästhesie. Die Zeit ist der Faktor. Am Ende hat sie immer recht.