Geheime Figuren von Altona: Ein Buch, das älter sein will, als es ist | Licht der Erkenntnis
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Geheime Figuren von Altona: Ein Buch, das älter sein will, als es ist
Das schönste und am häufigsten nachgedruckte Bildwerk der Rosenkreuzer trägt zwei Jahrhunderte im Titel, die es nie gesehen hat. Die Geheimen Figuren der Rosenkreuzer aus dem 16ten und 17ten Jahrhundert wurden in Altona gedruckt, vor den Toren Hamburgs, in den Jahren 1785 und 1788. Kein Blatt darin ist älter. Es ist ein Tafelwerk des späten 18. Jahrhunderts, großformatig gestochen, viele Exemplare von Hand koloriert — und es tritt auf als Erbe einer Zeit, die es nur behauptet.
Diese Dokumentation nimmt das Buch als Gegenstand und nicht als Beleg: warum es ausgerechnet in Altona entstehen konnte, wo dänische Duldung eine lockerere Zensur bedeutete als in Hamburg; was ein Tafelwerk in Arbeit kostete, von der Kupferplatte über die Walzenpresse bis zur Kolorierung, die pro Exemplar von Hand erfolgte; warum ein Kupferstich kein Grau kennt und warum gerade das für ein Diagramm ideal ist; wie diese Figuren gebaut sind — Mitte, Ringe, senkrechte Achse, Farbe, Rand — und wie man sie in fünf Schritten liest; die Stiftshütte aus dem Buch Exodus als das meistgenutzte Schema des Werkes; die Farbfolge Schwarz, Weiß, Rot als Lehre und nicht als Schmuck; woher die Bilder stammen, von den alchemistischen Emblembüchern nach 1600 bis zu Jakob Böhme; und warum ein Buch von 1785 sich selbst rückwärts datiert.
Die Antwort auf die letzte Frage ist der Kern: In dieser Tradition ist Alter keine Angabe, sondern die Beglaubigung selbst. Eine Lehre gilt, weil sie alt ist und weitergegeben wurde. Genau dieselbe Bewegung macht der Text im Zentrum dieser Bildwelt — die Tabula Smaragdina, dem Hermes Trismegistos zugeschrieben, deren älteste erhaltene Fassung aus einer arabischen Handschrift des 9. Jahrhunderts stammt. Das Buch aus Altona ist kein Fälschungsfall. Es ist ein Erbstück, das seine Herkunft selbst erzeugt.
Zur Einordnung: Über die Menschen hinter dem Werk ist wenig gesichert. Wer die Blätter auswählte, wer sie stach, wie viele Exemplare entstanden und wer sie kaufte, ist in den allermeisten Fällen offen. Das Werk ist beredt in der Sache und stumm in der Person. 1888 brachte Franz Hartmann in Boston eine englische Ausgabe heraus; von da an wurden die Figuren immer weiter reproduziert, verkleinert und neu eingefärbt, bis sie populärer wurden als jede Lehre, die sie tragen sollten.
Quellen:
– Geheime Figuren der Rosenkreuzer aus dem 16ten und 17ten Jahrhundert, Altona 1785 und 1788
– Franz Hartmann (Hrsg.), Secret Symbols of the Rosicrucians of the 16th and 17th Centuries, Boston 1888
– Christopher McIntosh, The Rosicrucians: The History, Mythology, and Rituals of an Esoteric Order, Samuel Weiser, York Beach 1997
– Tabula Smaragdina, lateinische Standardfassung, Nürnberg 1541
– Jakob Böhme, Aurora oder Morgenröte im Aufgang, Handschrift 1612
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0:00 Die Jahreszahl im Titel
1:26 Altona, vor den Toren
2:58 Was ein Tafelwerk kostete
4:15 Die Kunst der Platte
5:18 Die Farbe kam zuletzt
6:36 Das erste Blatt
7:35 Oben und unten
8:42 Der Tabernakel
10:01 Die Siegel
11:19 Wie ein Diagramm eine Lehre trägt
12:53 Farbe als Aussage
14:09 Woher die Blätter kamen
15:36 Ein Buch, das sich selbst datiert
17:09 Die Wirkung
18:26 Was das Blatt nicht sagt
19:29 Das aufgefaltete Blatt
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