Ab 1945 nahm die Sowjetunion 11.800 Kilometer Gleise mit – der Osten fährt bis heute eingleisig
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Ab 1945 nahm die Sowjetunion 11.800 Kilometer Gleise mit – der Osten fährt bis heute eingleisig
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Am 15. Mai 1933 fuhr der Fliegende Hamburger in zwei Stunden und 18 Minuten von Berlin nach Hamburg. Gut dreißig Jahre später standen für dieselbe Strecke fast sieben Stunden im Kursbuch. Dazwischen lagen eine Grenze, ein Umweg und ein Gleis, das nicht mehr da war. Ab 1945 baute die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone rund 11.800 Kilometer Gleise ab, fast die Hälfte der gesamten Gleislänge, und so gut wie jede zweigleisige Hauptstrecke verlor ein Gleis. Berlin–Hamburg hat sein zweites Gleis längst zurück. Doch an vielen anderen Stellen fährt der Osten bis heute eingleisig.
Abbauen mussten Reichsbahner und Hilfskräfte selbst. Mit Befehl Nr. 95 der Sowjetischen Militäradministration endete im März 1946 der elektrische Zugbetrieb in Mitteldeutschland: Fahrleitungen, Unterwerke, das Bahnkraftwerk Muldenstein und 186 Elektrolokomotiven mussten binnen drei Wochen abgeliefert werden. Rund tausend Kolonnenloks fuhren die Reparationszüge nach Osten, bis Ende 1953 schätzungsweise 20.000 Fahrten. Thüringens Ministerpräsident Rudolf Paul rang um Betriebe und Eisenbahnstrecken und floh 1947 in den Westen.
Warum ein einzelnes Gleis nicht die Hälfte von zweien leistet, sondern viel weniger, zeigt der Film an einem schmalen Hausflur mit Türnischen. Die DDR baute zuerst den Berliner Außenring, erst ab den siebziger Jahren kam das zweite Gleis Strecke für Strecke zurück. Als die Mauer fiel, war weniger als ein Drittel des Reichsbahnnetzes mehrgleisig, bei der Bundesbahn fast 46 Prozent. Nach der Einheit kamen die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, aber nicht überall: Zwischen Lübeck und Bad Kleinen wird bis 2028 elektrifiziert, laut Vorplanung ausdrücklich „unter Erhaltung der Eingleisigkeit“.
Mittendrin liegt Menzendorf, ein Bahnhof mit zwei Gleisen und einem Fahrdienstleiter, an dem niemand ein- oder aussteigt. Seine einzige Aufgabe ist, dass sich zwei Züge begegnen können. Auch zwischen Angermünde und Stettin, zwischen Cottbus und Görlitz und auf der alten Strecke Halle–Kassel fehlt das zweite Gleis bis heute oder kommt gerade erst zurück. Wie viele Kilometer im Osten genau wegen der Demontage eingleisig sind, weiß bis heute niemand amtlich.
Dieser Film erzählt die Geschichte der Gleisdemontage in der Sowjetischen Besatzungszone von 1945 bis 1948 und ihrer Folgen bis ins Jahr 2026: vom Fliegenden Hamburger über die Kolonnenloks bis zu den Strecken, auf denen Züge heute noch aufeinander warten. Außerdem: warum die Legende von den nutzlosen Schienen wegen der sowjetischen Breitspur nicht stimmt, warum der Osten nicht nur wegen der Demontage eingleisig ist, wo der Fliegende Hamburger heute steht und was man zwischen Lübeck und Bad Kleinen mit eigenen Augen sehen kann.
#Demontage #Reparationen #DeutscheReichsbahn #DDR #Eisenbahngeschichte