Die Stollen unter dem Harz reichen tiefer, als es je ein Grubenriss verzeichnet hat
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Die Stollen unter dem Harz reichen tiefer, als es je ein Grubenriss verzeichnet hat
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Im Frühjahr 1873 stieg ein Bergvermesser namens Adolf Wenzel bei Sankt Andreasberg einen Leiterschacht hinab — und maß einen Stollen, der auf keinem Plan des Bergamts in Clausthal verzeichnet war. Jemand war bereits dort gewesen, und kein Riss hielt fest, wer. Über sechshundert Jahre lang wurde der Oberharz von Dutzenden Gewerkschaften abgebaut. Niemand legte je eine einzige Karte an, die all diese Stollen miteinander in Einklang brachte.
Zwei Aufzeichnungen beschreiben dieselbe Lücke. Die schriftliche: die Grubenrisse der vereidigten Markscheider, die Akten der Preußischen Geologischen Landesanstalt, das Verzeichnis des heutigen Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie — präzise in dem, was sie zeigen, und stumm über den Rest. Die mündliche: die Überlieferung der Harzer Bergbaufamilien, die seit Generationen genau die Wiesen benennen, unter denen der Boden nachgibt — dort, wo die Pläne festen Grund zeigen.
Wo die Pläne schweigen, sprechen die Familien weiter. Wo die Familien hinweisen, zeigen die Pläne festen Boden. Beide Aufzeichnungen werden hier nebeneinandergelegt. Ein Ergebnis wird nicht behauptet.
Was von beidem, glauben Sie, hat bisher Recht gehabt? Schreiben Sie es in die Kommentare.