DIE HEIDENHAIN-DYNASTIE, DIE AUS EINER BERLINER ÄTZEREI DIE MASSSTÄBE DER WELT MACHTE
Die Zweite Reihe
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DIE HEIDENHAIN-DYNASTIE, DIE AUS EINER BERLINER ÄTZEREI DIE MASSSTÄBE DER WELT MACHTE
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Ein Mann steht 1948 vor einer leeren Halle in einem oberbayerischen Dorf, das damals kaum jemand auf der Karte fand. Hinter ihm: ein zerstörtes Berlin, ein verlorener Betrieb, das Grab seines Vaters. Vor ihm: nichts. Kein Kapital, keine Maschinen, keine Aufträge. Nur eine einzige Idee, die er seit zwanzig Jahren mit sich herumträgt – dass man Striche kopieren kann. Feine Linien in Metall. Es klingt nach nichts. Und doch entsteht daraus die Genauigkeit, mit der heute weltweit Werkzeugmaschinen arbeiten.
Dieses Video erzählt die Geschichte der DR. JOHANNES HEIDENHAIN GmbH – eines der stillsten und zugleich einflussreichsten Unternehmen der europäischen Industrie. HEIDENHAIN baut keine Werkzeugmaschine. HEIDENHAIN gibt ihr die Augen.
Alles beginnt 1889 in Berlin, wo der Mechaniker Wilhelm Heidenhain eine Metallätzerei gründet. Schablonen, Firmenschilder, Typenschilder – und, fast nebenbei, Skalen. Niemand ahnt, dass ausgerechnet dieses Nebenprodukt einmal wichtiger sein wird als alles andere. Denn Teilungen, also die feinen Striche auf einer Skala, wurden damals mit dem Diamanten geritzt: Linie für Linie, tagelang, jedes Stück ein Unikat. Ein einziger falscher Strich – und die Arbeit von Tagen wandert in den Schrott.
1923 tritt der Sohn in das väterliche Unternehmen ein. Dr. Johannes Heidenhain stellt eine Frage, die vor ihm niemand stellte: Warum jedes Mal neu schneiden, wenn es doch bereits ein perfektes Original gibt? Warum kann man eine Teilung nicht einfach kopieren – so wie ein Foto?
Die Antwort kostete ihn Jahre. Sie führte über eine hauchdünne Schicht aus Bleisulfid, über eine lichtempfindliche Schicht aus chromiertem Hühnereiweiß und über unzählige verlaufene, unscharfe Linien. Am 17. Juni 1928 erteilte das Reichspatentamt das Patent Nr. 486392: das METALLUR-Verfahren. Zum ersten Mal ließ sich eine Originalteilung exakt auf Metall reproduzieren – industriell, in Serie, wiederholbar. Genau an diesem Punkt hört Handwerk auf und Industrie fängt an.
Was danach folgt, ist eine Achterbahn: der Tod des Vaters 1932, Glasskalen mit 15 Tausendstel Millimeter Genauigkeit, 700 Beschäftigte zum 50-jährigen Jubiläum – und dann der vollständige Verlust im Krieg. Der Neuanfang 1948 in Traunreut mit einer Handvoll Leuten (die Quellen sind sich bis heute nicht einig, ob es fünf oder drei waren – wir sagen es im Video offen). Das DIADUR-Verfahren von 1950. Der entscheidende Sprung 1961, als der Strich aufhört, ein Bild zu sein, und anfängt, ein elektrisches Signal zu sein. Und schließlich 1976, als HEIDENHAIN nicht mehr neben der Werkzeugmaschine steht, sondern in ihr.
Heute: über 135 Jahre Geschichte, rund 8.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Traunreut als Zentrum, Technik in Halbleiterfertigung, Elektronik, Werkzeugmaschinenbau, Automatisierung, Robotik und Medizintechnik. Und ein Eigentümerverhältnis, das fast einmalig ist: Das Unternehmen gehört zu 100 % einer Stiftung, die den Namen des Gründers trägt. Kein Konzern, kein Fonds, keine Börse.
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