Der Drogenkrieg in Ecuador: Fito, Los Choneros und die Bananen-Kokain-Mafia
Blutmacht
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Ecuador galt jahrzehntelang als die unberührte „Insel des Friedens“ Lateinamerikas – ein stabiler, friedlicher Staat zwischen den beiden weltgrößten Kokainproduzenten Kolumbien und Peru. Heute versinkt das Land in einem offenen, brutalen Krieg, den sechs skrupellose Kartelle gegen die Streitkräfte und die Zivilgesellschaft führen. Los Choneros, Los Lobos, Los Tiguerones, Los Lagartos, die abtrünnigen FARC-Guerilleros der Comandos de la Frontera und serbische Balkanmafien haben den weltweit führenden Bananenexporteur in die wichtigste logistische Drehscheibe des globalen Kokainschmuggels nach Europa und in die USA verwandelt. Über den gigantischen Seehafen von Guayaquil, der siebzig Prozent des ecuadorianischen Außenhandels abwickelt, schleusen die Syndikate tonnenweise Kokain, indem sie Kühlcontainer, Kisten und Holzpaletten systematisch „infizieren“. Nach Schätzungen stammen dreißig Prozent des weltweit in Frachtcontainern beschlagnahmten Kokains aus ecuadorianischen Bananenlieferungen, die europäische Großhäfen wie Hamburg, Rotterdam und Antwerpen erreichen. Auch serbische Netzwerke und Scheinfirmen wie Noboa Trading gerieten wiederholt in den Fokus internationaler Fahnder. Die Wurzeln dieser Krise liegen in jahrelangen Sparmaßnahmen bei den Sicherheitsorganen, hemmungsloser Korruption in der Justiz und massiver Jugendarbeitslosigkeit an den Küsten. Das Strafvollzugssystem, allen voran das berüchtigte Penitenciaría del Litoral in Guayaquil, mutierte zu Kommandozentralen der organisierten Kriminalität. Als am 28. Dezember 2020 Jorge Zambrano alias „Rasquiña“, der langjährige Anführer der Los Choneros, liquidiert wurde, zerbrach das Machtgefüge der Unterwelt. Es formierten sich die Los Lobos: achttausend bewaffnete Sicarios, eng verbündet mit dem mexikanischen Cártel de Jalisco Nueva Generación (CJNG) und Betreiber lukrativer illegaler Goldminen. Die Herrschaft über Los Choneros übernahm José Adolfo Macías Villamar, genannt „Fito“. Von seiner luxuriösen Gefängniszelle aus leitete er Morde, Erpressungen und Schmuggelrouten in Partnerschaft mit dem Sinaloa-Kartell – bis zu seiner spektakulären Flucht am 7. Januar 2024. Unmittelbar darauf explodierte die Gewalt: koordinierte Gefängnisaufstände im ganzen Land und der bewaffnete Sturm auf das Live-Studio des Senders TC Televisión in Guayaquil, dirigiert per Telefon aus Spanien von William Alcívar alias „Nero Willy“. Präsident Daniel Noboa rief den Zustand eines „internen bewaffneten Konflikts“ aus, stufte 22 Banden als terroristische Organisationen ein und mobilisierte 75.000 Soldaten und Polizisten. In vier Provinzen – Guayas, Los Ríos, El Oro und Santo Domingo – gilt eine strenge nächtliche Ausgangssperre, während US-Militärdrohnen vom Typ MQ-9 Reaper über Dschungellagern der FARC-Dissidenten patrouillieren und das FBI ein ständiges Büro in Quito bezog. Doch die Bilanz des Jahres 2025 ist erschütternd: 9.216 Morde, eine Mordrate von 52 pro 100.000 Einwohner – statistisch ein Tötungsdelikt pro Stunde. Vom Attentat auf den Präsidentschaftskandidaten Fernando Villavicencio mit drei Kopfschüssen bis zur Festnahme des totgeglaubten Los-Lobos-Chefs „Pipo“ in Málaga zeigt dieser Dokumentarfilm die ungeschminkte Wahrheit über Ecuadors blutigen Kampf gegen die mächtigsten Drogensyndikate unserer Zeit.
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