Amsterdam: Eine vollständige Geschichte der Stadt. Die Stadt, die aus dem Meer geboren wurde.
Stadtgeschichten
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Tief unter dem trubeligen Dam-Platz ruht ein unsichtbarer Wald aus über einer Million jahrhundertealter Holzpfähle, der eine der faszinierendsten Metropolen Europas trägt. Dies ist die unglaubliche Geschichte einer Stadt, die aus einem schlammigen Sumpf aufstieg, um zu einer Weltmacht des Handels zu werden. Der Kampf gegen das WasserAlles begann im 13. Jahrhundert mit torfstechenden Bauern, die um das Jahr 1270 einen notdürftigen Erdwall quer über den Fluss Amstel errichteten. Aus dem Namen "Amstelledamme" entstand schließlich Amsterdam – eine Siedlung, die nicht auf Fels, sondern auf weichem, nachgebendem Torf gebaut werden musste. Um das Absacken der schweren Gebäude zu verhindern, rammten die Bewohner endlose Reihen von Holzpfählen tief in den Boden bis auf eine feste Sandschicht. Vom Sauerstoff der Luft abgeschnitten, überdauerte dieses hölzerne Fundament sicher im Grundwasser, selbst als im Jahr 1730 der gefürchtete Muschelwurm an anderen Orten der Niederlande die Deiche zu zerstören drohte. Vom Heringsfang zur WeltbörseEin entscheidender wirtschaftlicher Wendepunkt im 14. Jahrhundert war die Erfindung, Heringe direkt an Bord zu kehlen und einzusalzen, was den Schiffen wochenlange Seefahrten ermöglichte. Mit der "Alteratie" (Wende) von 1578 übernahm die protestantische Bürgerwehr die Macht und wechselte im Krieg gegen das katholische Spanien die Seiten. Die nun für ihre Toleranz bekannte Metropole bot Glaubensflüchtlingen und Kaufleuten aus dem eroberten Antwerpen, iberischen Juden und französischen Webern Schutz, die wertvolles Wissen und Handelsnetzwerke mitbrachten. Dieser gebündelte Reichtum gipfelte im Jahr 1602 in der Gründung der VOC (Vereinigte Ostindische Kompanie) und der weltweit ersten echten Börse. Ab 1613 entstand das Prestigeprojekt des Grachtengürtels mit seinen schmalen, tiefen Häusern und den typischen Hebebalken ("Hijsbalk"), um Möbel durch die Fenster zu hieven. Dieser enorme Wohlstand besaß jedoch auch dunkle Schattenseiten, da ein erheblicher Teil des Kapitals durch die Westindische Kompanie und den brutalen, transatlantischen Sklavenhandel erwirtschaftet wurde. Auch die legendäre "Tulpenmanie" von 1637 fiel in diese Epoche, wenngleich sie als verrückte Spekulationsblase laut neuerer Forschung eher ein Randphänomen für einige wenige wohlhabende Bürger blieb. Dunkle Zeiten und moderne WiedergeburtNach kostspieligen Kriegen und der französischen Besatzung 1795 brauchte die Stadt bis tief ins 19. Jahrhundert, um sich durch Eisenbahnen und Industrie aus ihrem Dornröschenschlaf zu befreien. Die dunkelste Stunde der Stadt schlug mit der deutschen Besatzung ab Mai 1940, in deren Folge der Großteil der blühenden jüdischen Gemeinde deportiert wurde. In einem Hinterhaus an der Prinsengracht versteckte sich ab 1942 eine jüdische Familie, bis sie 1944 entdeckt wurde – ihr Versteck, heute ein weltberühmtes Museum, zieht jährlich Millionen Besucher an. Im eisigen "Hongerwinter" rissen verzweifelte Amsterdamer sogar die Dielen aus leeren Häusern, um in ihren Öfen nicht zu erfrieren. Das heutige Bild Amsterdams mit seinen allgegenwärtigen Radwegen entstand erst in den 1970er Jahren durch Proteste unter dem Motto "Stop de Kindermoord", die eine fahrradfreundliche Stadtplanung
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