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'Rüben für Tuczno' ... Herbstlicher Alltag zwischen Przybranowo und Tuczno

Jochen Pursche's Rock'n'Rail Channel

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'Rüben für Tuczno' ... Herbstlicher Alltag zwischen Przybranowo und Tuczno

79 просмотров · 2 ч назад
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25 Jahre zurück.. Ein trüber Novembertag im Jahre 2001 - so richtig passend zur Rübenkampagne - führte eine Gruppe von Eisenbahnfreunden zur Rübenbahn der Zuckerfabrik Tuczno nahe Inowrocław. Dort war ein besonderes Highlight angefragt - und genehmigt! - worden, eine Bereisung der noch aktiven Strecke in Güterwagen! Personenwagen waren auf der stets nur dem werksinternen Güterverkehr dienenden Bahn nicht vorhanden, so blieb nur diese genau so ungewöhnliche wie abenteuerliche Transportform übrig. Und wir hatten 'gewaltig' Glück, daß sich die 'Nässe von oben' in Grenzen hielt, nur hin und wieder tröpfelte es mal ein bißchen. Was wir dort an Betriebsamkeit zu sehen bekamen, sprengte jede Vorstellung! Rübenzüge, die auf Sicht in Dreierkolonne hintereinander Richtung Zuckerfabrik fuhren, und ständig wieder Kreuzung mit entgegenkommenden Leerzügen. Es müssen an diesem Tag um die 10 Lxd2-Loks im Einsatz gewesen sein - überwältigend! Die Gruppe traf sich am frühen Morgen des 06. November 2001 am östlichsten Punkt des Netzes, in Przybranowo. Dorthin gelangte man so früh tatsächlich schon mit einem Linienbus. Unser bestellter Sonderzug kam leer vom Betriebsmittelpunkt Wierzchosławice Cukrownia dorthin gefahren (Cukrownia - auch ohne Polnischkenntnisse leicht zu erraten, ist das polnische Wort für Zuckerfabrik). Allein schon, daß man mitten in der Rübenkampagne, wo jede Arbeitskraft gebraucht wurde, uns noch einen Sonderzug mit Personal stellte, ist eine tiefe nachträgliche Verbeugung wert! Natürlich fuhren wir in Leerwagen, auf den Rüben zu sitzen, wäre dann wohl doch eine Nummer zu gefährlich gewesen.. 😉 Und Fotoaktionen auf freier Strecke verboten sich aus Zeitgründen, waren wir doch schon durch unsere 'blanke Existenz' überall im Weg... Zur Geschichte des Netzes sind die Informationen wie bei diesen Bahnen gewohnt spärlich. Doch etwas war zu recherchieren. Mit dem Entstehen der Zuckerfabriken in Tuczno und Wierzchosławice (damals Wierschoslawitz) enstanden ab 1890 zwei getrennte Netze in 900 mm-Spur, die bis in die Gutshöfe führten, um dort die Rüben abzuholen und Düngemittel sowie andere Güter zuzuführen. Die Netze wuchsen ständig, 1914 umfaßte jenes von Tuczno bereits 70 km Gleislänge (alle Verzweigungen inclusive). 1941 wurden die beiden Netze vereinigt und 1942 auf 750 mm-Spur umgespurt. Die Ausdehnung betrug nun 220 km Gleislänge! Die Umspurung hatte betriebliche Vorteile, konnten doch nun bei Bedarf Fahrzeuge von benachbarten Bahnen angemietet und auch mit diesen ausgetauscht werden. Es fällt auf, daß auf fast allen auffindbaren Karten das ganz östliche Stück von Opoki bis Przybranowo nicht eingezeichnet ist. Das könnte darauf schließen lassen, daß diese Erweiterung erst in jüngerer Zeit entstand (und die Karten nie aktualisiert wurden). Geschrieben steht dazu allerdings nichts. Dem entgegen steht, daß in Przybranowo Übergang zur PKP-Schmalspurbahn Dobre Kujawski - Aleksandrów Kujawski bestand, der bestimmt schon seit längerer Zeit genutzt wurde (und über den man sogar bis ins Rübenbahnnetz von Kruszwica fahren sowie auch die Zuckerfabrik Dobre bedienen konnte). Das Netz bestand in dieser Ausdehnung über fast die gesamte Zeit der sozialistischen Ära hinweg. 1980 wurde der Oberbau grundlegend saniert, noch bei unserer Bereisung stellten wir den für derartige Bahnen ruhigen Lauf ohne 'halsbrecherische' Gleiszustände fest. Solider Oberbau, für derartigen Betrieb auch unumgänglich! Abgesehen von geringfügigen Veränderungen zuvor, setzte der Schrumpfungsprozeß nach der politischen Wende und dem Zerfall des sozialistischen Systems ein. Immer mehr gewann der LKW an Einfluß. Nach 1990 betrug die Ausdehnung noch rund 60 km, ganz viele Anschlußgleise in die Höfe hinein waren bereits verschwunden. Die Verladung konzentrierte sich nun mehr und mehr auf große Verladestellen, wo mit riesigen Radladern die Wagen in wenigen Minuten beladen waren. Wir sehen Aufnahmen davon aus Przybranowo. Diese, sowie die Verladestelle Murzynno, welche auf einer kurzen Zweigstrecke erreicht wurde, waren die Hauptumschlagplätze der Rüben. Nachteilig war immer die Spitzkehre Zagajewice, die oft viel dispositives Geschick erforderte. Überall gab es Verbindungskurven, aber dort, wo eine sinnvoll gewesen wäre, gab es nie eine! Wierzchosławice Cukrownia war, wie schon kurz erwähnt, der Betriebsmittelpunkt. Von hier aus erfolgte der Fahrzeug- und Personaleinsatz. Auch in Tuczno war ein Lokschuppen vorhanden, wo aber wohl mehr die dort rangierenden Kleinloks untergebracht waren. 2001 gab es noch die von uns bereiste Strecke Przybranowo / Murzynno - Tuczno, mehr war nicht mehr da. Das waren noch ca 50 km Strecke, zusammen mit Nebengleisen waren also die rund 60 km aus 1990 noch vorhanden. Auch wenn sich die Entwicklung abzeichnete, hätte man nicht gedacht, daß bereits ein Jahr später das Netz rigoros stillgelegt und der komplette Transport auf LKW umgestellt werden würde! 2003 wurden die Gleise entfernt. Genießt diese spannende Reise!