„Das Dach muss NEU" — 38.000 Euro: doch der zweite Gutachter lachte nur
Mamas Ruhiges Tagebuch и ещё 3
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„Das Dach muss NEU" — 38.000 Euro: doch der zweite Gutachter lachte nur
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„Das Dach muss NEU, Frau Neumann." Der Mann sagte das auf meiner Türschwelle, und er sagte es so laut, dass die Nachbarin gegenüber ihr Fenster aufriss. Ich bin Hildegard Neumann, sechsundsiebzig Jahre alt, verwitwet seit zehn Jahren, und dreißig Jahre lang war ich Schneiderin. Ich kenne mich mit Stoffen aus, mit Nähten, mit Knöpfen — aber nicht mit Dächern. Das wusste der Mann auf meiner Schwelle. Woher er das wusste, weiß ich bis heute nicht. Es war ein Dienstag im November, zwei Tage nach dem großen Herbststurm, der bei uns drei Bäume entwurzelt und etliche Ziegel durch die Straßen geweht hatte. Ich hatte die Nacht des Sturms wach im Bett gelegen und jedes Krachen gezählt — mit sechsundsiebzig hört man nachts alles, und alles klingt bedrohlich. Am Morgen danach lag ein Ziegel in meinem Vorgarten. Nur einer. Ich hob ihn auf, legte ihn neben die Haustür und dachte: Da muss mal jemand draufsehen. Zwei Tage später stand er da — der Mann mit der blauen Jacke. Der Mann trug eine blaue Arbeitsjacke mit der Aufschrift „Dachdeckerei Kraus", und er sagte: „Ich bin gerade in der Straße unterwegs, Frau Neumann. Von unten sieht man es schon: Ihr Dach ist hinüber. Wenn der nächste Sturm kommt — und der kommt, das versichere ich Ihnen —, dann gute Nacht." Woher er meinen Namen wusste, fragte ich nicht. Er hielt mir sein Handy hin. Darauf waren Fotos: zerbrochene Ziegel, morsche Balken, dunkle Flecken. „Das ist von heute Morgen", sagte er. „Von IHREM Dach." Mir wurde kalt. „Wenn ich nicht sofort unterschreibe", dachte ich, „stürzt mir das Dach ein." Genau das wollte er, dass ich denke.